Prüfungsstress senken: entspannt wie Buddha in die Prüfung! 

Die Prüfung ist fällig und damit klopft auch der Prüfungsstress an die Tür! Wie bei einem richtigen Wettkampf ist hier Präzision gefragt: Was man im Training geübt hat, muss man nun mit hoher Konzentration exakt auf den Punkt bringen.

Nun gilt: Ruhe bewahren, die Erfolgsfaktoren im Blick behalten und dem Prüfungsstress keine Chance geben. Ein wenig Taktieren hilft zudem, Stärken auszuspielen und Schwächen zu umschiffen. Dieser Artikel macht dich topfit für den Prüfungs-6-Kampf, bestehend aus den Disziplinen Klausur, Mündliche, Hausarbeit, Referat, Open- Book und Multiple-Choice-Test.

Prüfungsstress analysieren und vorbeugen

Was sind die häufigsten Fehler in Prüfungen?

Prüfungserfolg hängt nicht nur vom Wissen, sondern auch von seiner Verpackung ab. Lass uns noch mal typische Stolperfallen betrachten. Es ist besser, sich dieser Fehler vorher bewusst zu werden. Meine Seminarteilnehmer sehen ihre Fehler in Prüfungen vor allem darin:

Ein Fach perfekt lernen, für die anderen keine Zeit mehr haben | nicht die Fragen beantworten | keine Querbezüge herstellen | zu wenig Quellen einbeziehen | keine Beispiele und Veranschaulichungen bringen | nur Basics hinschreiben, nicht weiterdenken | die Theorien nicht hinterfragen | keinen Standpunkt beziehen | zu viele irrelevante Fakten abladen | schlechte Struktur

Irgendwie haben wir das alles schon mal gehört, oder? Aber trotzdem passiert es immer wieder! Das spiegelt auch die Statistik des Career Office der London School of Economics wieder, die die häufigsten Mängel in Essays auflistet:

Die Frage wird nicht beantwortet | es werden nur wenige Quellen zu Rate gezogen | keine Verlinkung zu anderen Teilgebieten der Kurse | keine Beispiele, Illustrationen | Text geht nicht über die Grundlagen hinaus | Argumentation ist nicht kritisch genug | zu viel Irrelevantes abgeladen

Auch Juristen tappen in dieselben Fallen. Hier eine Auswertung von Prüferberichten aus der ersten juristischen Staatsprüfung in Bayern: Demnach gab es in den getesteten 221 Prüfungen …

111 Mängel an der juristischen Arbeitsweise | 74-mal „Abspulen“ von Wissen, teilweise ohne Bezug zur Frage oder unter Biegung des Sachverhalts | 55-mal unzureichende Begründungen | 42 Fehler bei der Erfassung eines Falles | 50 % fehlende Grundkenntnisse | 10 % sprachliche Defizite bei der Stellungnahme

Viele Dinge können relativ leicht abgestellt oder reduziert werden. Eine Checkliste mit den Anforderungen zu machen und diese in der Prüfung gedanklich abzuhaken, ist eine gute Idee.

Mit diesen drei Erfolgsfaktoren kann trotz Prüfungsstress nichts schief gehen

Damit punktest du immer: Die magischen 3

So wie es wiederkehrende Fehlermuster gibt, verschaffen dir folgende drei Erfolgsfaktoren einen gelungenen Gesamteindruck unabhängig vom Inhalt: 1) eine klare Struktur, 2) die Vernetzung zwischen Lerninhalten und 3) eine eloquente Ausdrucksweise.

Struktur

Wähle einen packenden Einstieg. Ein kurioser Fakt, ein scheinbarer Widerspruch, Statistiken, ein nettes Zitat, ein Bild. Alles, was spannend ist, Aufmerksamkeit erregt und deine Kernthesen stützt, ist ein Start von der Pole Position.

Gliedere anhand zentraler Oberpunkte. Ich habe mir für Klausuren, Referate und Mündliche als Orientierungsanker „Dreiklänge“ überlegt. Das waren je drei Oberpunkte, an denen ich mein Essay strukturiert und abgearbeitet habe, z. B.:

Mit diesen drei magischen Erfolgsfaktoren punktest du auch trotz Prüfungsstress

Ziehe ein Fazit. Zum Schluss solltest du das Wichtigste zusammenfassen. Dann erfolgt ein Ausblick mit offenen Fragen sowie nächsten Schritten für zukünftige Analysen.

Vernetztes Denken

 Kannst du schnell vom Global Picture zu interessanten Details umstellen? Querverbindungen und Zusammenhänge geschickt in deine Argumentation einbinden und mit eigenen Beispielen würzen? Nein? Dann wird es höchste Zeit, dir Muster und Abhängigkeiten durch eine Strukturkarte zu verdeutlichen!

Eleganter Ausdruck

Man kann mit wenigen Worten viel sagen. Diese Fähigkeit fällt nicht vom Himmel, sondern muss trainiert werden. Suche nach Satzkonstruktionen, die deine Gedanken klarer machen:

Dazu sind drei Dinge zu sagen: Erstens … Zweitens … Drittens …

Obwohl alle drei Aspekte für sich wichtig sind, möchte ich im Folgenden vor allem deren Zusammenspiel beleuchten.

Auf der einen Seite bietet Theorie A viele Vorteile. Auf der anderen Seite sollte man nicht vergessen, dass …

Autor A sagt X, während Autor B die Meinung vertritt, dass …

Das berühmte Zitat von Förster „Wie kann ich wissen, was ich denke, bevor ich höre, was ich sage“ bringt die Essenz von Chafes konstruktivistischem Ansatz des Lernens auf den Punkt. Chafe beschreibt, wie …

Darin liegt das Paradox: Wie können wir X tun, ohne … ?

Informationsüberlastung hat drei negative Effekte: Sie kann lähmen, sie kann Entscheidungen verschlechtern und sie kann die Zufriedenheit schmälern. Betrachten wir diese drei Effekte erst im Detail, dann im Zusammenspiel. … 1. Lähmung: bla, bla, bla.

Dieses Konzept 1 : 1 zu übernehmen mag ein Problem lösen, aber ein viel größeres schaffen: Dass XY passiert, …

Das sind super Korsette, in die du deinen Inhalt einweben kannst. So lässt es sich schneller denken und schreiben. Verinnerliche einige dieser „Powersätze“. Versuche auch im Seminar und Alltag solche Konstruktionen zu üben.

Wie findet man tolle Sätze? Nebenbei! Achte einfach beim Lesen auf besonders kräftige, schöne, argumentationsstarke Sätze und Überleitungen. Erstelle daraus eine „Vokabelliste“ wie oben. Ich mache das heute noch genauso: An meiner Magnetwand hängen schöne Formulierungen, die ich nach und nach in meine Texte einarbeite.

Prüfungsstress aktiv bekämpfen

Final Countdown: Steigere deine Tagesform

Auf die Plätze …

Die Prüfung naht: Verspürst du immer noch Prüfungsstress, denke daran: Eine Prüfung ist nur eine Prüfung von hunderten, die wir im Laufe unseres Lebens absolvieren. Stelle dir drei Fragen:

  • Was ist das Schlimmste, was passieren kann?
  • Wie schlimm wäre das im Rückblick in fünf Jahren betrachtet?
  • Was kann ich tun, um das Schlimmste zu verhindern?

Wer ein Nervengerüst aus Grashalmen hat, kann zudem zu Beruhigungstees (Johanniskraut1, Melisse etc.) und auf Entspannungstechniken wie Autogenes Training, Progressive Muskelentspannung, Meditation und Yoga zurückgreifen.

Am Vorabend: Mach dich startklar für den Morgen. Lege alle Unterlagen zurecht, verstecke Nebensächliches und Material, was nicht bearbeitet bzw. nur halb verstanden ist. Es macht nur nervös! Und dann ab zum Sport, in die Sauna, in den Park. Triff dich mit Leuten, die dir Ruhe geben – deine Oma, Eltern, der Freund. Gehe wahlweise vorm Schlafengehen deine Survival-Zusammenfassungen noch mal zur Absicherung durch und nimm das Gefühl, das Wichtigste auf wenigen Seiten untergebracht zu haben, mit in den Schlaf.

… fertig …

Am Morgen: Steh rechtzeitig auf. Wenn du ohnehin schon unter Prüfungsstress leidest, willst du jegliche Form zusätzlicher Aufregung und Hetze vermeiden. Gönn dir was Leckeres, frühstücke vor allem abwechslungsreich – das gibt lange Energie. Stopp – jetzt noch keinen Kaffee! Der lässt dein Herz noch schneller schlagen und keiner braucht ausgerechnet jetzt noch einen kleinen Klitschko in der Brust!

Geh gern ein letztes Mal deine Zusammenfassungen und Strukturtabellen durch, um dich zu vergewissern: Ja, es ist alles da. Und nun los. Erinnere dich daran, wie schön der Tag heute ist. Daran, dass du endlich das Gelernte anwenden und unter Beweis stellen kannst. Freue dich auf all das, was du dir danach Gutes tun wirst. Egal, wie die Prüfung wird: Es wird gefeiert!

Direkt vor der Prüfung: Gut, dass du mindestens eine halbe Stunde vor der Prüfung schon da bist! Nun darfst du dir einen Kaffee holen – und sozialschweinmäßig zurückgezogen im Sonnenschein schlürfen. Halte dich von den nervösen Bienchen fern, die jetzt überall herumschwirren.

Los !

Durch die Prüfung bringen dich Bananen, Früchte, Wasser, Ohrstöpsel und ein paar Stückchen Schokolade: Die liefert Glückshormone und einen kurzfristigen Energieschub. Ich liebe diese kleinen schokoüberzogenen Kaffeebohnen: Das kombiniert den Kick aus Kakao und Koffein. Lerntypen mit ausgeprägtem Tast- und Bewegungssinn können einen Kaugummi als Denkturbo einwerfen.

Neigt sich die Prüfung dem Ende entgegen, ist es Zeit für ein Stück Traubenzucker: Das geht direkt ins Blut und gibt einen Energieschub. Wer eine Mammut-Prüfung von mehr als zwei Stunden hat, sollte hingegen lieber einen Boxenstopp von drei bis fünf Minuten einlegen, die Augen schließen, durchatmen, was futtern, auf die Toilette gehen und kurz auf dem Gang ein paar Lockerungsübungen machen. Für lange Prüfungen empfiehlt sich eher Schwarz-, Grün- und Matetee (gibt länger Energie) als Kaffee, dessen Wirkung bereits nach 60–90 Minuten nachlässt.


Prüfungsstress senken - entspannt wie Buddha in die Prüfung! Mit meinen Tipps gegen Prüfungsstress sollte der Bestnote nichts mehr im Wege stehen.

Noch mehr hilfreiche Lerntipps und Tricks findest du in meinem Buch „Bestnote: Lernerfolg verdoppeln, Prüfungsangst halbieren“.

Ich wünsche Dir bei deiner Prüfung / Klausur / Referat viel Erfolg!

Dein Dr. Martin Krengel








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