2 Lesen-Mythen

Musst du Sachtexte / Fachtexte lesen und weißt nicht, was der Autor dir sagen will? Der Inhalt ist aber wichtig für eine Prüfung, Hausarbeit oder Abschlussarbeit? Oder hast du nur noch wenig Zeit, um die wichtigsten Inhalte aufzuarbeiten? Diese mächtige Methode wird dein Leseverhalten aufpolieren.

Gehirn springt von Buch zu Buch - besser lernen mit der perfekten LesetechnikDie meisten Menschen neigen dazu, Texte zu 100 Prozent lesen zu wollen, jedes Wort innerlich mitzusprechen und Absätze zu wiederholen. Diese scheinbar intuitive Lesetechnik ist aber offensichtlich nicht sehr effizient: Studien zeigen, dass nach dem Lesen eines Textes weniger als 70 Prozent des Gelesenen erinnert werden. 24 Stunden nach dem Lesen sind es nur noch 10 bis 30 Prozent. Was bringt es dann noch, jeden Satz in Gänze zu lesen? Viel sinnvoller ist es doch, sich direkt auf das Wesentliche zu konzentrieren und sich durch weitere Schritte zum Kern durchzuarbeiten.

Als Student, Schüler oder während einer Weiterbildung musst du immer wieder Texte lesen, verstehen und die Inhalte wiedergeben. Lesen ist deshalb die Hauptbeschäftigung von Wissensarbeitern. Deshalb sind sie auf effiziente Techniken angewiesen, um zeitsparend und mit größtmöglichem Mehrwert zu lesen.

Das Verstehen von Sachtexten und Fachtexten ist aber eine besondere Angelegenheit. In der Schule lernt man zwar zu lesen, aber leider nicht sehr gut. Wir müssen erst richtig lesen lernen. Deshalb möchte ich dir zwei Lesen-Mythen präsentieren – und anschließend natürlich auch die Lösung, wie man sie überwinden kann.

 

Sachtext Analyse: Besser lesen lernen

1. Mythos: Lineares Lesen

Ein gängiger Mythos ist die Annahme, dass man ein Buch „linear“ von vorn bis hinten lesen muss. Das führt aber zur ungefilterten Informationsaufnahme und überlastet schnell deinen Gedankenprozessor. Schließlich ist dein Arbeitsspeicher irgendwann voll und du kannst gar keine sinnvollen Zusammenhänge mehr erkennen.

… Natürlich gilt diese Vorgehensweise nicht, wenn du einen Krimi liest. Wenn du schon zu Beginn weißt, wer der Mörder ist, macht es keinen Spaß mehr. Wenn du zielorientiert lesen musst, weil du Daten, Fakten, wichtige Argumente kennen musst, solltest du aber eine Reform deiner persönlichen Lesetechnik in Betracht ziehen.

 

Lesen-Mythen: Was wir nicht in der Schule gelernt haben

2. Mythos: Überfliegen ist Zeitverschwendung

Viele glauben, dass das Überfliegen von Texten Zeitverschwendung sei. Man könne auch direkt in den Text einsteigen statt wahllos im Text herumzublättern. Dabei ist dieser Schritt so wichtig.

Mit der folgenden Technik möchte ich dir helfen, deine Lesetechnik zu optimieren, damit du besser lesen und mehr verstehen kannst.

 


 

Die Lösung: 3 Lese-Runden

Nutze deine Zeit: statt einem perfektionistischen Durchlauf erledigst du drei Runden in derselben Zeit. Durch die Wiederholungen festigt sich das Relevante besser.

 

1. Überfliegen.

Spring mit den Augen über den Text – nur ganz grob und flüchtig. Du kannst einfach durch die Seiten blättern, den Blick schweifen lasse und auf fett markierte Stellen oder Grafiken achten. Wenn dir auffällt, dass mehrere Seiten unwichtig sind, klammere sie direkt mit Büroklammern zusammen. So sind sie in der 2. Runde bereits passé. Ein motivierender Nebeneffekt: der Text ist am Ende deutlich kürzer!

Stell dir vor, dein Gehirn wäre ein Kleiderschrank. Ohne Organisation (Kleiderstange, Regalbretter…) herrscht Chaos.

Kleiderschrank des Wissens Chaos beim Lesen ohne Struktur

So in etwa sieht es auch in deinem Kopf aus, wenn du einen Text linear von vorn nach hinten liest: du hast keinen Bezug zu den Informationen, sie können sich nicht einsortieren und landen auf einem großen, chaotischen Haufen.

Der Überblick über ein Thema wirkt auf dein Gehirn wie Regalbretter auf den Kleiderschrank: alles wird fein säuberlich verstaut und kann später mühelos wiedergefunden werden.

Kleiderschrank des Wissens Ordnung - Lesen mit Struktur verbessert die Verarbeitung

 

2. Einsteigen.

Tauche nun in den Text ein. Nimm einen Marker zur Hand und gehe alle im 1. Schritt als wichtig erachteten Textstellen oder Kapitel durch. Markiere besonders zentrale Gedanken. Bleib dabei nicht zu lange bei einzelnen Sätzen hängen, die du beim ersten Mal nicht verstehst – die Erklärung kommt sicher noch. Wichtiger ist der Zusammenhang. Verschwende also keine Zeit durch sinnloses Springen. Sortiere nun die neuen Informationen in deinen Gedankenkleiderschrank ein.

 

3. Festigen.

Jetzt geht’s ans tiefere Verständnis. Durch die ersten beiden Schritte ist zum Glück die Menge dessen geschrumpft, was du nun nachvollziehen und lernen musst. Mach dir Notizen und arbeite mit kleinen selbstgemachten Grafiken, um dir Inhalte besser einzuprägen. Sei dabei kreativ, auch wenn du kein geborener Zeichner bist – je mehr Abwechslung in deinen Notizen, desto eher kannst du dir das neue Wissen einprägen.

Anschließend hast du eine tolle Grundlage, um die relevanten Inhalte eines Textes zu wiederholen. Die mehrfache Verarbeitung, Vertiefung und Visualisierung werden dein Textverständnis auf ein Maximum heben.

Wenn du nun noch Probleme mit der Lese-Motivation hast, schau mal bei den 7 Motivations- und Konzentrationstipps zum Lesen vorbei.

 


 

Fazit

In der Schule wurde in den seltensten Fällen eine verlässliche Lesetechnik vermittelt. Deshalb neigen wir zum linearen Lesen, ohne vorher ein Global Picture vom Inhalt zu haben. Dadurch sinkt das Leseverständnis 24 Stunden nach dem Lesen auf 10 bis 30 Prozent und Gelesenes wird einfach nicht gespeichert. Um das zu verhindern schlage ich eine 3-Stufen-Lesetechnik vor, um mit System besser lesen und mehr erinnern zu können:

  • Besser lesen + mehr erinnern Schritt 1: Überfliegen. Einmal alles schnell ansehen und eine Vorstellung von der Textstruktur kriegen.
  • Besser lesen + mehr erinnern Schritt 2: Einsteigen. Relevant erscheinende Textstellen und Kapitel lesen, markern und den roten Faden noch besser verstehen.
  • Besser lesen + mehr erinnern Schritt 3: Festigen. Nun gehst du deine markierten Stellen zum 3. Mal durch und machst schließlich Notizen. Zeichne ruhig kleine Grafiken und lass deine Buntstifte mitmischen – je bunter desto besser!

 

Probier die Technik am besten gleich aus – nicht erst morgen oder nächste Woche. Wenn sie dir geholfen hat, würde ich mich über einen Kommentar oder eine Weiterempfehlung freuen. Danke und viel Spaß beim Lesen + Verstehen! 🙂

 


 

Extratipps

Hilfsfragen für mehr Orientierung:

  1. Kontext. Worum geht’s? Was ist das Überthema? Wie, wo, wann ist es einzuordnen?
  2. Verständnis. Warum ist das so? Was ist der logische Zusammenhang? Warum brauche ich das eigentlich?
  3. Zusammenhänge und Teilaspekte. Was sind Eckpfeiler, wichtige Argumente und Aspekte des Themas? Wie sind wichtige Abhängigkeiten und innere Zusammenhänge?

 

Struktur-Fundstellen bei Sachtexten und Fachtexten:

  • Klappentext, Autorenportrait, Vorwort. Was hier steht, ist garantiert wichtig.
  • Inhaltsverzeichnis. Achte darauf, welchen Themen wie viel Platz eingeräumt wird. Was ist der Plan des Textes? Welche (Unter-)Kapitel kannst du dir sparen?
  • Grafische Aufbereitung. Zentrale Gedanken werden durch Überschriften, Sonderformaten (fett, kursiv, unterstrichen), Bildern oder Diagrammen hervorgehoben. Das springt einem auch bei schnellem Durchblättern ins Auge.
  • Zusammenfassungen. Manche Autoren schreiben am Ende eines Kapitels Zusammenfassungen oder stellen ein Abstract voran.
  • Kontrollfragen. Oft findet man auch zu Kapitelbeginn zentrale Fragen, die durch das Kapitel beantwortet werden sollen. Sehr hilfreich!
  • Absätze. Die meisten Autoren halten sich an eine übersichtliche Absatzstruktur: erster und letzter Satz im Absatz enthalten meist die zentralen Informationen. Der rote Faden lässt sich also komplett erschließen, ohne den Hauptteil der Absätze zu lesen.







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