Mit Storytelling im Null-Komma-Nichts zu märchenhaften Noten

Hast du schonmal vom Storytelling gehört? Klar, das Erzählen von Geschichten kennen wir aus unserer Kindheit. An wie viele Märchen erinnerst du dich noch? Ich wette mit dir, dass du viele Geschichten aus deiner Kindheit aus dem Effeff wiedergeben kannst. Und woran liegt das? Beim Storytelling werden verschiedene Fakten verknüpft und zu einer spannenden und unterhaltsamen Handlung verdichtet, die sich unser Gehirn gut merken.

In diesem Artikel zeige ich dir, wie du den Storytelling – Effekt zum Lernen nutzen kannst!

Reduzieren von Lernstoff – Weniger ist mehr

Was tun, wenn dich dein perfektes Gedächtnis verfolgt?

Der russische Journalist Solomon Shereshevsky bekam eines Tages Ärger: Sein Chef war erbost, dass Solomon sich nie Notizen machte. Der schüchterne Solomon erwiderte, dass er nicht verstehe, wozu Notizen gut seien. In der Diskussion verblüffte er den Chef mit Details und Redebeiträgen aller Meetings, die er wortwörtlich rezitieren konnte. Sein Chef stellte Solomon einem Psychologen vor. Dieser erforschte die 500-GB-Festplatte auf zwei Beinen: Solomon konnte Zahlenfolgen bis zu 70 Zahlen fehlerfrei wiedergeben. Und zum Spaß wiederholte er die Zahlen fehlerfrei rückwärts. Unglaublich! Auch 15 Jahre später erinnerte er sich an die Zahlen.

Neidisch? Erscheint es nicht reizvoll, sich alles merken zu können? Allerdings hatte die Sache einen Haken: Jede Erinnerung und alle Alltagsszenen waren unauslöschlich in Solomons Gedächtnis gespeichert. Er hatte Schwierigkeiten, mit der Informationsflut umzugehen, weil er alles bis ins letzte Detail gespeichert hatte. So erkannte er Personen nicht wieder, die nun anders gekleidet oder gealtert waren – ihm fehlte das Abstraktionsvermögen. Er konnte Fakten nicht kombinieren oder verdichten. Kritisches, distanziertes Denken blieb ihm verwehrt. Er war furchtsam und machte auf andere einen unbeholfenen und geistig schwachen Eindruck. Er probierte unzählige Jobs, doch fand er keinen, der ihn wirklich forderte.

Stell dir vor, du würdest alles, was du wahrnimmst, nie mehr vergessen: deine schlechte Laune beim Aufstehen, die Schreckensmeldungen aus der Morgenzeitung, die Werbespots aus dem Frühstücksradio, das Getratsche der Mitfahrer im Bus, deine missglückten Lösungsversuche für eine Mathe-Aufgabe, den Streit mit dem Freund, die vielen Gesichter, Details, Stimmen, Zahlen, Statistiken, Wörter, Gerüche, Bilder … Arrgh, was für ein Wirrwarr!

Vergessen gehört zum Lernprozess, weil es Wichtiges von Unwichtigem trennt. Nur wollen wir das Vergessen gezielt steuern, denn Notizen, Skripte und Folien binden Energie. Sie rufen ständig: Betrachte mich! Lerne mich! Verstehe mich! Das nervt und macht wuselig. Reduzierst du den Stoff bewusst, hat das klare Vorteile:

  1. Man muss weniger Punkte beachten.
  2. Komplexität wird reduziert und Ballast abgeworfen.
  3. Das Ziel erscheint näher, die Motivation steigt.
  4. Die Aufmerksamkeit wird auf die wichtigen Dinge gelenkt.
  5. Zusammenhänge werden leichter sichtbar.
  6. Wir behalten den Überblick und gewinnen mehr Sicherheit.
  7. Prüfungsangst wird enorm reduziert.

Nachdem wir uns einen guten Überblick verschafft haben, um die Lerninhalte besser einordnen zu können und um uns nicht zu verzetteln, haben wir die Informationen intensiv be- und verarbeitet. Der zeitliche Aufwand und die Intensität der Verarbeitung waren hier am größten. Nun wird unser Diamant wieder schmaler. Die wichtigsten Erkenntnisse, Fakten und Zusammenhänge werden komprimiert und auf den Punkt gebracht. Am Ende hast du nun nur noch wenige Seiten, Checklisten, Mindmaps, Lernbilder oder was am besten zu dir und der nahenden Prüfung passt. Übersichtlich, strukturiert, kodiert, komprimiert: perfekt!

Reduzieren mit dem Global Picture

Zehn Zeilen sind besser als zehn Seiten

Die Reduktion beginnt bereits bei der Erarbeitung der Inhalte. Daher ist es wichtig, bei jedem Text und für jede Folie das Global Picture zu suchen, ein kurzes Schema zu erstellen, zentrale Erkenntnisse festzuhalten. Integriere Informationen, bilde dir eine Meinung, ziehe ein Fazit. Dieses darf vereinfachend und unvollständig sein. Denn nun ist er ausgeworfen, der erste Anker, an dem weitere Details festgemacht werden können.

Die einfachste Methode dafür: Schreibe nach jeder Lektüre oder jedem Vortrag ein kurzes „Persönliches Fazit“. Schreibe auf das Deckblatt in wenigen Sätzen dein persönliches Resümee – das, was du gelernt hast, oder die Kernbotschaft des Textes:

Fazit: „Autor“ hat mir gezeigt, dass man mehr auf die Belange des Kunden schauen muss und sich von den Zwängen der Routine befreien sollte. Sein Hauptargument dafür ist, dass die langfristige Kundenorientierung durch Wiederkäufe und Empfehlungen mehr Erfolg bringt als kurzfristiges Renditedenken.

Kritik: Das Argument von X ist Y – und er begründet das mit A, B und C. Doch ich glaube, er übersieht D und E und bewertet die Effekte von A und B zu stark. Lediglich C finde ich beachtenswert, denn er zeigt, dass sich C im Szenario Z negativ auswirken wird.

Ein großer Vorteil dieser Methode ist, dass man beim wiederholten Lesen einen schnellen Anknüpfungspunkt an den jetzigen Gedankengang findet. Gedanken sind leider sehr flüchtig und ich selbst habe einige Male einen Text mehrfach gelesen und dies erst am Ende bemerkt! Handelt es sich um Handouts, so schreibe die Kernpunkte der Folien direkt darunter. Was war der Aha-Effekt? Warum brauchen wir diese Theorie?

Mit Storytelling zu märchenhaften Noten

Durch Storytelling zur Erinnerung

Wir haben das Storytelling schon beim Kodieren angewandt. Diese Universalmethode hilft auch beim Reduzieren. Märchen und Erzählungen waren bereits lange vor dem Buchdruck die Methode, um Erlebnisse und Wissen weiterzugeben. Geschichten sind gut zu merken. Sie sind spannend und unterhaltsam. Einzelne Fakten werden verknüpft und zu einer Handlung verdichtet.

Unser Gedächtnis kann sich Außergewöhnliches gut merken. Nutze diese Erkenntnis aus dem Storytelling beim Erfinden deiner Lern-Geschichten. Bereit? Beginnen wir mit einer Politikgeschichte: Wie hießen die letzten sechs US-Präsidenten vor Obama? Gerald Ford, Jimmy Carter, Ronald Reagan, George Bush, Bill Clinton, George W. Bush, Barack Obama. Nun verknüpfen wir Namen:

Rasant auf der Flucht in einem Ford jagt der abgekartete Bankräuber Jimmy durch den strömenden Reagan. Plötzlich springt der Sheriff Bill Clinton zwischen zwei Büschen hervor. O Barmherziger! Ein Hinterhalt. Das Spiel ist aus!

Voilà: Alle sieben sind in der richtigen Reihenfolge verortet. Die kursiv gedruckten Wörter: „Bankräuber“, „fährt rasant“, „strömenden“, „plötzlich springt“ und „Sheriff“ machen die Geschichte lebhafter, plastischer und bildlicher. Man kann sich besser einen abgekarteten Bankräuber vorstellen, sieht, wie das Wasser aus den Pfützen spritzt und wie Bill Clinton mit einem Cowboyhut hinter den beiden Büschen hervorspringt.

Die Storytelling Methode eignet sich besonders, wenn wir unverbundene Tatsachen pauken müssen. Nur lassen sich Namen, Begriffe und Fakten ohne Zusammenhang schlecht einprägen. Wir müssen die fehlende Verbindung entweder logisch nachvollziehen oder durch eine Geschichte künstlich herstellen. Dazu gibt es wissenschaftliche Beweise. Schüler sollten neue Wörter lernen. Die erste Gruppe las lediglich die Wörter, die zweite bildete ganze Sätze und kleine Geschichten aus den neuen Begriffen und lernte so 2,5-mal so viele Wörter. Fantasie zahlt sich aus!

Warnung: Nun wird es etwas eklig und surreal. Bevor du die Nase rümpfst, bedenke, dass die Lernleistung mit der Stärke der Emotionen ansteigt. Es geht um Künstler des 19. Jahrhunderts …

Cäsar (Cezanne) braucht Geld (Monet), steigt deswegen in seinen Renault (Renoir) und fährt durch den Dreck (Toulouse-Lautrec), in dem das Ohr von van Gogh liegt. Dieser wird auf Erholungsurlaub in die Südsee geschickt. Dort trifft er Gauguin. Dieser zeigt ihm die schönen, etwas dickeren Südseefrauen, aber mahnt zur Vorsicht, denn es gibt auf den Inseln kein Pissoir (Picasso). Darauf verteilt er seine säurehaltige (Seurat) Flüssigkeit aus Versehen auf seinem Mantel (Manet).

Hier dienen die Wörter (Cäsar, Renault) als akustische oder assoziative (Geld = Money = Monet) Verweise zu den Malern. Einige Fakten sind ebenfalls verarbeitet, z. B. dass Gauguin tatsächlich in die Südsee auswanderte und beleibte Frauen malte und dass van Gogh sich ein Ohr abschnitt. „Zufällig“ fährt Monet mit einem Renault. Und kamen Gauguin, Monet, Manet, Toulouse-Lautrec und Seurat nicht auch aus Frankreich? Zugegeben: Die ganze Geschichte ist irreal. Genau das aber bringt den Verdienst dieser Künstler auf den Punkt: Sie waren es, die sich vom Gegenständlichen der Kunst lösten und die Welt mit ihren Augen zeichneten!

Zugegeben: Das blutende Ohr in der Pfütze und der Urin auf dem Mantel sind eklig. Aber was ist Ekel? Eine starke Emotion, die sich im Kopf festsetzt! Du kommst ja nicht in die Verlegenheit (so wie ich gerade), deine Gedanken öffentlich auszudrücken.

Geschichten sollten so lebendig und auffällig wie möglich sein. Setze Humor ein, übertreibe.

Schlüsselwörter als geistige Klammer

Schlüsselwörter sind der Zugang zu vielen mit ihnen verknüpften Informationen. Das Wort „Sofa“ hat weit mehr Informationsgehalt als die Zeichen „S, o, f, a“: Wir denken an verschiedene Sofa-Formen, an unsere Couch im Wohnzimmer, an die Dinge, die wir dort erlebt haben, wie wir das Sofa erworben haben, was es gekostet hat etc. Ein ganzes Netzwerk öffnet sich – wir könnten zehn Minuten über Sofas sprechen. Ähnlich verhält es sich mit Fachbegriffen. Wenn ich mir „kognitive Dissonanz“ merke, denke ich automatisch an gelernte Details: an den Unterschied von Denken und Handeln, an die Selbsttäuschung und an konkrete Beispiele, die ich erlebt habe. Schlüsselwörter schaffen einen Zugang zu Informationsräumen. Wir müssen uns nur diese Wörter merken, dann kommen die Details wie von allein.

Schlüsselwörter kann man ganz einfach selbst schaffen, indem man bspw. aus den Anfangsbuchstaben der Wörter „Akronyme“ bildet:

  • Fettlösliche Vitamine – Vitamin E / D / K / A: EDEKA

Oder man verdichtet Fakten zu einem Schlüsselsatz:

  • Die Planeten in der richtigen Reihenfolge: Merkur, Venus, Erde, Mars, Jupiter, Saturn, Uranus, Neptun, Pluto: Mein Vater Erklärt Mir Jeden Sonntag Unsere Neun Planeten
  • Reihenfolge der Erdzeitalter: Kambrium, Silur, Devon, Karbon, Perm: Kann Siegfried Den Kaffee Pflanzen?
  • Phasen der Zellteilung: 1. Prophase, 2. Metaphase 3. Anaphase 4. Telophase: ProMeteus Ans Telefon

Linktipp: Wikipedia bietet eine wunderbare Sammlung aller möglichen Merksätze für verschiedene Fächer: http://de.wikipedia.org/wiki/Merksätze


Mit Storytelling im Null-Komma-Nichts zu märchenhaften NotenMit diesen Tipps zum Storytelling sollte den märchenhaften Noten nun nichts mehr im Weg stehen!

Noch mehr hilfreiche Lerntipps und Tricks findest du in meinem Buch „Bestnote: Lernerfolg verdoppeln, Prüfungsangst halbieren“.

Ich wünsche Dir bei deiner Prüfung / Klausur / Referat viel Erfolg!

Dein Dr. Martin Krengel

 








Spare mindestens 1 Stunde Zeit am Tag! Innerhalb der nächsten 10 Tage lernst du, wie du deine Effizienz verdoppeln und deinen Stress halbieren kannst.



  • merktricks-spielend-einfach-schneller-clever-lernen-und-vokabeln-fakten-lernstoff-auswendig-lernen-und-einpraegen-pauken-leicht-gemacht-lern-experte-dr-martin-krengel-2-526x800
    Last-Minute-Merktricks

    Verdoppele deine Erinnerungsleistung. Mit nur (m)einer einfachen, aber extrem mächtigen "3-2-1 Methode". Sie lässt sich ...

  • Stoppt-die-Welt
    Stoppt die Welt, ich will aussteigen!

    Wie fühlt es sich an, loszulassen und das Leben zu Leben, das man leben möchte?...

  • ebook Cover Lesen von Martin Krengel
    eBook Lesen

    Dieses eBook zeigt dir wie du schneller liest als auch wie du Informationen gezielt filterst und selbst komplizierte Texte besser verstehst....

  • ebook Cover Motivation von Martin Krengel
    eBook Motivation

    Was ist Motivation? + Sich motivieren + träumen und zielen + Ablenkungen ausschalten + Tricks gegen Aufschieberitis + mehr Motivation i...

Ja, ich möchte täglich 1 Stunde Zeit sparen

Diese Bücher sind wirkliche Arschretter
mehr findest du hier

Spare mindestens 1 Stunde Zeit am Tag! Innerhalb der nächsten 10 Tage lernst du, wie du deine Effizienz verdoppeln und deinen Stress halbieren kannst.



Send this to friend

Um die Webseite optimal gestalten und fortlaufend verbessern zu können, verwendet diese Website Cookies. Durch die weitere Nutzung der Webseite stimmst Du der Verwendung von Cookies zu. Mehr Infos

Diese Webseite verwendet Cookies, damit wir sie noch besser machen können. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu.

Schließen