Perfektionismus, Burnout, Depressionen, Angst: Die versteckte Ursache! 🤕 (mentale Gesundheit)

Perfektionismus-Burnout-Depressionen-Angst-hohe Erwartungen-Prokrastination - falsche Ziele als Ursache-motivierende Sprueche Leben Erfolg&Lebensweisheiten&Zitate von dr martin krengel

 

Wer kennt sie nicht?

Die Alltagskrankheiten und großen Probleme der heutigen hektischen Arbeitswelt:

Burnout, Depressionen, Ängste.

Diese hässlichen Wegbegleiter werden durch psychosomatische Prozesse ausgelöst oder beschleunigt.

 

 

 

Glückwunsch, du Fuchs!

… du hast ein komplett kostenloses Kapitel aus dem Buch „Dein Ziel ist im Weg“: gefunden.

Aber VORSICHT – der Artikel ist nicht für jeden, denn er kann dein Leben in eine neue Richtung stupsen.

Lerne, wie du dir echte, ehrliche und damit REALISTISCHE Ziele setzt, die du auch erreichen kannst – und die du WIRKLICH erreichen willst. 

 

Wie so oft entseht vieles Übel in unseren eigenen Köpfen: Wir denken unbewusst in einer „Höher-gleich-besser“-Philosophie. Doch wer menschliche Motivation wirklich versteht, erkennt, dass diese aus einer anderen Richtung kommt als gedacht.

Dieser Artikel wird dir zeigen wie du dir selbst durch zu hohe Ziele, Erwartungen an dich selbst, Perfektionismus und Zeitdruck dir selbst im Weg stehst.

 

Kernfragen des Artikels:

Bist du zu perfektionisisch? – Wie kannst du Perfektionismus ablegen?

Wie kannst du in die Gänge zu kommen und Prokrastinieren vermeiden?

Wo ist der befreiende Knopf für unsere mentalen Handbremsen?

 

Inhalt

 

 

 

Höher, schneller, ausgebremst.
„Großdenken“ umgibt uns, umzingelt uns.

Denke an folgende häufig gehörte Motivationssprüche:

  • Du kannst alles erreichen, wenn du es nur willst.“
  • „Je mehr du träumst, desto weiter kommst du!“
  • „Der zweite Platz ist nur der Platz für den ersten Verlierer.“
  • „Gut ist nicht genug, wenn besser möglich ist.“

Es wird immer schwieriger, einen normalen Terminkalender ohne anstachelnde Zitate zu kaufen. Selbst auf dem Schülerkalender meiner Nichte steht ganz FETT auf dem Cover: „DREAM BIG“.

Meine (drei) Nackenhaare sträuben sich, wenn ich das lese. Denn solche schlauen Sprüche machen nur eins: Sie führen dir nur deutlicher vor Augen, dass eine Lücke besteht zwischen dem, wo du stehst, und dort, wo du sein könntest oder „solltest“.

Selbst wenn du schon gut unterwegs bist, sie stacheln, stressen, schieben immerfort:

Da geht doch MEHR! – STRENG! DICH! AN! 💪🏽

 

 

Die Erfolgsphilosophie des 20. Jahrhunderts

Es geht ja nicht um die Sprüche. Dahinter steht eine Ideologie, nennen wir es die „Erfolgsphilosophie des 20. Jahrhunderts“. Viele Menschen streben nach mehr: nach mehr Geld, Macht, Status oder schielen auf das 26. Paar Schuhe. – Was sagst du? Ja, okay: Die Schuhe sind wirklich wichtig. Gut, das verstehe ich. Aber schau mal, wie tief das Denken in „Mehr“ in unserem Denken, in den Medien, in unserer Kultur verwurzelt ist. Irgendwas fehlt immer zum Glück, oder?

Wir rennen ständig etwas Besserem hinterher. Optimieren unsere Zeit, unser Leben, unsere Beziehungen. Denke an die wundervoll klingende Zauber-Story vom Tellerwäscher zum Millionär. Sie wird hundertfach in Filmen, Büchern, Geschichten wieder und wieder erzählt. Auch die Werbung führt uns leichtfüßig, witzig und immer wieder vor Augen, wie unser „L“ eben so sein könnte – voller „Ls“ eben:  ständig gute Laune, einzigartiger Lifestyle, Luxus und Lust. 

 Klar, ein wenig „Mehr-ist-besser-Denken“ ist vollkommen okay: Jeder braucht ein wenig Geld, um über die Runden zu kommen. Und jeder von uns möchte vor anderen gut dastehen. Die unangenehme Seite dieses Höher-besser-Strebens ist: Geld und Status erscheinen als lineare Größen. Wer mehr Geld hat, scheint der bessere oder intelligentere Mensch zu sein – oder glaubt das von sich.

 Doch der Zusammenhang zwischen Einkommen und Glück ist kein zwingender. Deshalb gilt dieses eindimensionale Denken heute nicht mehr ausschließlich – die Welt und die Weltanschauungen sind bunter geworden. Oder sagen wir: Eine „bunte“ Gesellschaftsanschauung ist heute bei mehr Menschen und Kulturen tolerierter, und andere Werte, die nicht vom Einkommen abhängen, erhalten ein höheres Ansehen.

 

Weiter kommen ist etwas anderes als höher aufsteigen oder besser werden.

 

Weiter kommen kann auch bedeuten, dass du einen Schritt zurückgehst, um Energie für eine andere wichtige Sache in deinem Leben frei zu machen.

Wer sich von einem Partner trennt, hat sich von einem für ihn unschönen oder nicht mehr funktionierenden Zustand gelöst – und ist in seinem eigenen Entwicklungsprozess WEITER gekommen.

 Wer einen Job und blöde Kollegen loslässt, hat neue Energie frei. Schafft sich eine neue Chance. Wer ein Studium aufgibt, hat dennoch vieles gelernt und kann nun neu überlegen, welcher Weg besser passt.

Aufgeben, ablösen, aussteigen – das bedeutet nach alten Denkmustern „gescheitert“. Dann hat derjenige, der so eine Entscheidung getroffen hat, oft das Gefühl, sich rechtfertigen zu müssen. „Scheitern“ ist leider auch heute noch ein viel gebrauchter Begriff. Besser, denn neutraler und wertfreier, wäre es zu sagen, „diese Sache hat nicht funktioniert“ oder „diese Dinge haben ein natürliches Ende gefunden“.

In Wahrheit sind Leute, die aus einer belastenden Sache aussteigen und loslassen können, vor allem eins: mutig. Sie wagen einen anderen, nächsten oder neuen Schritt – sie gehen in eine unsichere Situation hinein. Diese Menschen kommen weiter – auch wenn dies vielleicht erst einmal zu Anpassungsschmerzen führen wird.

In jedem Fall macht dieses „Immer-mehr-Denken“ vor allem eins: ordentlich Druck!

 

 

Pssst: Hier findest du motivierende Zeitmanagement-Downloads und ein Gratis-E-Mail-Coaching, das dich Schritt-für-Schritt besser, schneller und gelassener macht: (klick aufs Bild – und schon gehts los …)

Nein sagen lernen Dr. Martin Krengel

 

 

 

Was passiert bei hohem Druck? 🤔

Hoher Druck wirkt auf unser Denken, Fühlen und Handeln:

Was passiert im Kopf? Ein anspruchsvolles Ziel wirkt zunächst tatsächlich aufrüttelnd und antreibend. Doch schnell kippt es, wenn zu viele Aufgaben oder Herausforderungen gleichzeitig auf dich einprasseln. Du musst mehr mentale Prozesse bewältigen, Detailfragen klären und mehr Dinge entscheiden. Du springst von einer Aufgabe zur nächsten. Mit zunehmender Komplexität entstehen Zweifel („Ja-aber-Gedanken“) bis hin zu kleinen Gedanken-Tornados. Stress-Flashs und Schlafschwierigkeiten inklusive! 

Was passiert im Herzen? Gefühl und Gedanken hängen eng zusammen. Wenn wir uns überfordert fühlen, nehmen wir die (negativen) Gedanken auch lauter wahr. Wir sind gestresst, verwirrt, unsicher oder verspüren (Versagens-)Ängste. Plötzlich sind wir mehr mit diesen negativen Gefühlen als mit der Aufgabe selbst beschäftigt. Es ist, als würden uns Wurzeln in den Boden wachsen. Je höher die Anforderungen, desto wahrscheinlicher ist es, dass Selbstzweifelwolken aufziehen.

Was passiert mit unserem Handeln? All der Druck zieht uns nicht zum Ziel – sondern wir weichen ihm aus. Deine Wohnung ist blitzblank, das Bücherregal alphabetisch sortiert, dein Facebook-Profil auf Vordermann. Bestens! Das sind Prokrastinationsklassiker. Ja, ich kenne das auch von mir: Immer, wenn ich vor einer wichtigen Deadline stehe, wächst mein Drang, meine Mails zu checken. 

perfektionismus-burnout-depressionen-angst-durch-zu-hohe-erwartungen-fuer-deine-mentale-gesundheit-kurze sprueche - dr martin krengel

Druck ist ein Schalter. Er kann deine Motivation einfach ausknipsen. Zuviel Druck zerquetscht Motivation, die vorher da war.

Ich habe jahrelang Lesetrainings an einigen Unis gegeben, und die Studenten berichteten immer wieder, wie schwer ihnen das Lesen im Studium plötzlich falle.

burnout-perfektionismus-depressionen-angst-durch-zu-hohe-erwartungen-fuer-deine-mentale-gesundheit-schöne sprueche - dr martin krengel

Selbst Germanisten und Anglisten, die genau das studierten, weil sie Literatur lieb(t)en, berichteten mir immer wieder von krassen Motivationsblockaden, einen Text anzufangen und die Konzentration aufrechtzuerhalten. Weil sie die Texte nun lesen müssen, fühlen sich die Studierenden blockiert.

Aber wie würde sich eigentlich jemand verhalten, der weder das „Höher-schneller-besser-Denken“ noch die ganzen Social-Media-Vergleiche und flotten Anstachelsprüche kennt?

Das wäre doch eine perfekte, weil neutrale Feldstudie.

Wollen wir das Experiment wagen?

Okay. Ich kenne so einen unbeeinflussten coolen Typen – einer meiner besten Jugendfreunde.

Dieser abenteuerliche Kerl war die Art von perfektem Freund, die du dir als Kind und Jugendlicher wünschst. Er war immer bereit zu spielen, war lustig, tröstete mich, wenn ich mal Kummer hatte, wertete nie, was ich sagte.

Er war ein dunkler Typ und hatte diese tief durchdringenden Augen, die Frauen zum Schmelzen brachten. Jede Frau wollte ihn am liebsten anfassen, wenn sie ihn sah.

Zugegeben, er war nicht ganz perfekt, denn er sabberte manchmal etwas stark. Aber dafür hörte er immer geduldig mit seinen wuscheligen Schlappohren zu.

Sein Name war Pfiffi.  

 

Der Pfiffi-Effekt: Was wir von einem Straßenköter lernen können 🐶

Pfiffi war ein reinrassiger „Str-Gra-Mi“. Nein, das ist kein besonders gehaltvoller Name für eine japanische Hunde-Edelrasse, sondern heißt nichts anders als „Straßen-Graben-Mischung“.

Pfiffi war ein wenig wie eine Coca-Cola: Schwarzbraun, ziemlich süß, und wir wussten nicht genau, was drinsteckte. Er war ein Verschnitt aus Pudel, Spitz und Dackel. Er war uns irgendwann zugelaufen.

Pfiffi hat zwar nie einen Selbsthilfe-Ratgeber gelesen oder ein Motivationsseminar besucht, aber dennoch hat er ein ganz passables Leben geführt. Wir hatten einen Garten, in dem er ungestört rumfusseln und seine Runden drehen durfte. Sein Lieblingsplatz war aber im Wintergarten. Dort stand ein Sofa, von dem er sein ganzes Revier, den Garten, überblicken konnte.

Wir hatten auch eine große Garage, die war viel höher und der Ausblick war viel besser. Pfiffi hätte von dort oben jedes Katzenversteck im Blick behalten und zudem schauen können, was die Pudeldame von nebenan machte. Aber in zehn Jahren ist er kein einziges Mal auf die Idee gekommen, aufs Garagendach zu springen. Er begnügte sich mit der Couch. Die war nah, die war bequem. Sie war gut genug, nein, sie war viel besser, als auf dem Boden zu liegen.

Ein Motivationscoach hätte Pfiffi geraten, größer zu denken. Er hätte ihm geraten, fest an sich zu glauben und einen Weg auf das Garagendach zu finden. Hätte Pfiffi dies geschafft, würde der Motivationscoach ihm raten, schneller, besser und effizienter hinaufzuklettern.

Wäre dieses Ziel erreicht, hätte ihm ein anderer Motivationscoach geraten, noch visionärer zu denken, größer zu träumen und einen Weg zu finden, um aufs Hausdach zu klettern. Vielleicht hätte Pfiffi es auch versucht – bestärkt durch Motivationssprüche und „Ich-kann-das-auch-schaffen-der-Schornsteinfeger-hat-es-schließlich-auch-getan“- Affirmationen.

Aber Pfiffi war schlau: Er wusste, dass dieses Ziel einfach viel zu hoch und unerreichbar war.

Piffi wusste, was ihm guttat.

burnout-depressionen-angst-durch-zu-hohe-erwartungen-fuer-deine-mentale-gesundheit-schoene zitate - dr martin krengel

Statt sich beim Versuch, aufs Garagendach zu springen, seine kurzen Beinchen zu brechen, verwendete er seine Energie lieber darauf, Dinge zu tun, die ihm wirklich Spaß machten: zum Beispiel in seiner Badewanne chillen oder seine Nachbarn durch Dauerkläffen zu nerven (#sorry).

 

 

 

 

Ein Stressor-Bingo

Unrealistische Erwartungen und überehrgeizige Ziele stressen, lähmen und machen so unzufrieden.

Fächern wir die verschiedenen Arten von Stressoren etwas auf, denn Selbsterkenntnis ist der erste Weg zu mehr Achtsamkeit in diesen Dingen und damit eine wichtige Voraussetzung für eine Veränderung.

Bei welchen Stressoren findest du dich wieder?

 

Los geht´s: DEIN Stressor-Bingo

Zu hoch gesetzte Ziele: Deine letzte Sportstunde ist fünf Jahre her, du rauchst, bist leicht übergewichtig und willst einen Marathon laufen? Klingt übermütig, hört man aber nicht selten. „Zu hoch“ ist (nur) relativ zu deinem jetzigen Standpunkt, zu deinem jetzigen Wissen bzw. Skillset. Das heißt nicht, dass du es nicht irgendwann mal theoretisch erreichen könntest. Das Ziel von Torsten Träumer, GLEICH einen Bestseller zu schreiben, war zu hoch, was ihn zunächst nur ums Ziel herumtänzeln lies. Immerhin schaffte er es nach etwas über zehn Jahren, ein kurzes Buch im Selbstverlag zu veröffentlichen.

Unrealistische Ziele: Du hast nie ein Buch geschrieben, Hausarbeiten an der Uni gehasst und willst nun einen Bestseller schreiben? JAAA, ich weiß: Du könntest das schaffen, wenn du gaaaanz fest daran arbeitest. Aber wenn dir Erfahrungen und Talente fehlen, bräuchtest du Jahre oder Jahrzehnte, um dieses Ziel zu erreichen. So strebst du vielleicht an dem Leben vorbei, das eigentlich auf dich gewartet hätte. Wenn sich der Aufwand als überproportional hoch und anstrengend erweist, würde ich vermuten, dass dir ganz andere Dinge wahrscheinlich mehr Spaß und Glück bringen.

Unmögliche Ziele: Du bist 74, wiegst 104 Kilo, bist Kettenraucher und willst Supermodel werden? Viel Glück!

Alles auf einmal wollen / zu viele Ziele: Versuchst du, zu viele Dinge gleichzeitig zu jonglieren, ist es kein Wunder, dass dir einige Sachen durch die Lappen gehen, runterfallen und du Fehler machst. Das ständige Wechseln zwischen den Aufgaben und Themen kostet viel Willenskraft, Konzentration, Zeit, Energie und Nerven. Häufig ist der Wunsch der Vater der Gedanken – aber nicht der Realitätssinn. Das passiert häufig bei Menschen, die besonders ehrgeizig sind und schnell vorankommen wollen. Sie laden sich so viel auf, dass sie ausgebremst werden. Ja – ich gestehe, Euer Ehren: Das ist meine persönlich größte Herausforderung, immer wieder zu priorisieren und fokussieren: Was ist JETZT am wichtigsten?

Fremde Ziele haben wir in Kapitel 2 und 3 schon ausführlich diskutiert. Eine Unterkategorie davon sind unhinterfragt übernommene „Das-hätte-ich-auch-gern-Ziele“. Sie werden u.a. von schicken Fotos Anderer in den sozialen Medien getriggert. Dass wir das gar nicht selbst wollen oder uns vielleicht nicht leisten können, ist unserem Ego erstmal egal. Wir sehnen uns nach einer Option, die es faktisch für uns (gerade nicht) gibt.

Wir nehmen Ziele zu wichtig, wenn wir glauben, dass ein Ziel alles entscheidend für das Projekt bzw. unser Leben ist. Wir gleiten in den Tunnelblick: Der Klassiker sind Prüfungen oder Bewerbungsgespräche. Unsere Angespanntheit steigert die Wahrscheinlichkeit eines Black-outs und damit, alles zu vermasseln. Denke dabei an den verbissenen Karrierestreber, der die Lockerheit und den Weitblick verliert oder sein Privatleben nicht mehr im Griff hat.

Zu enge/starre Ziele resultieren häufig daraus, dass wir unsere Ziele zu wichtig nehmen (s.o.). Der Klassiker: „Ich will DIESEN Traumjob!“ Gibt es wirklich nur DIESEN einen tollen Job für dich? Denk bei deinen Zielen nicht in Schwarz-Weiß, sondern mach eine Farbpalette draus und lass Schattierungen zu. Sonst können zu starre Ziele eine Menge Frust auslösen, wie damals mein USA-Studienziel. Ein weiteres Beispiel eines überfixierten Zieles ist die Partnerschaft, die nicht funktioniert, weil wir sie zu sehr wollen und mit unseren Erwartungen den anderen unter Druck setzen.

Perfektionistische Ansprüche: Auch die Art, wie wir Dinge angehen wollen, kann blockieren. Schreiben ist ein typisches Beispiel: Wir vergleichen unbewusst unsere ersten Sätze und Entwürfe mit fertigen, bereits geschliffenen Texten und vergessen, dass ein guter Text ein Prozess von Reifezeit und mehrerer Überarbeitungsschleifen ist. Denk dran: Du kannst nichts perfektionieren, das noch gar nicht existiert!

Torschlusspanik ist das Gefühl, eigentlich schon viel zu spät dran zu sein. Sie entsteht, wenn du glaubst, dass sich deine Zeitfenster schließen. Kinder, Karriere, Sporterfolge – die Gesellschaft oder unser Körper setzen uns Grenzen. Es gibt immer Positivbeispiele von Leuten, die es dennoch schaffen, obwohl sie den Zenit überschritten haben, aber es wird in jedem Fall gegenwindiger werden.

Zu schwammige Ziele: Manchmal weißt du nicht, was du wirklich willst. Auch das kann gehörig stressen. Um dich zu entspannen, eignen sich die Impulse aus diesem Buch: Nicht mehr länger grübeln, das hat dich ja bisher nicht weitergebracht! Loslaufen, testen, reflektieren. Dann wird es klarer. Aber bitte habe Geduld mit dir und dem Findungsprozess.

Unterschätzen der „Backzeit“: Oft sind unsere Pläne zu eng getaktet, und die Zeit wird zu gering bemessen. Prozesse brauchen fast immer mehr Aufwand als wir uns wünschen. Unserem Kopf fehlt das eingebaute Zeit-Schätzungstool. Geschäftsideen, Positionierung, der eigene Platz im Leben, – Texte … das alles sind kreative Prozesse, die eine vielfältige Interaktion erfordern – und deshalb Zeit brauchen zum Reifen. Faustregel: Verplane nur die Hälfte deiner Zeit, packe Puffer in deine Pläne und verlege Deadlines als „Knautschzonen“ nach vorn.

 

Beachte: Die aufgezählten Gründe treten häufig gestapelt auf. Das zeigte meine St.-Gallen-Story beispielhaft: Mein Ziel war sehr hoch, zu starr und zu fremdinspiriert. Theoretisch hätte ich das vielleicht schaffen können – aber die Zeit war zu knapp von mir gesetzt. Ich hätte auch zum Ende des Studiums – nicht mittendrin – meinen Auslandsaufenthalt anvisieren können. Das hätte die Organisation deutlich entspannt.

Ich will hier keine schlechte Stimmung verbreiten, aber diese detaillierte Auffächerung möglicher „Problemzonen“ hilft dir vielleicht dabei, ein wenig ehrlicher zu dir selbst zu sein. Um es nochmal zu betonen: Hohe Erwartungen und Ziele sind Teil von uns, unserer Gesellschaft und Kultur. Sie haben positive Absichten und gute Effekte: Wir haben viele Weltmarktführer, ausgereifte Technik, super Ingenieure, intelligente Ärzte, gewissenhafte Piloten. Ehrgeiz, Perfektion, Detailgenauigkeit sind gute Tugenden und wichtig im Job.

Doch unser Gehirn wendet diese Denkweisen automatisch auch im Alltag an. Wir wollen Dinge genau verstehen, an alles denken, keine Fehler machen und möglichst gut sein. Aber wo ist die Grenze zwischen gut und übergenau? Wo verbeißen wir uns unnötig, wo „verschlimmbessern“ wir unsere Arbeit?

 

perfektionismus - burnout-depressionen-angst-durch-zu-hohe-erwartungen-fuer-deine-mentale-gesundheit-schoene zitate - dr martin krengel

 

 

Exkurs: Der Schulranzen und die hohen Erwartungen:

Wir sind soziale Wesen und orientieren uns daher an unserem Umfeld und am sozialen „Konsens“. Und das ehrgeizige, nach Perfektion strebende Denken wird uns schon in die Kinderschuhe gelegt, es wird uns regelrecht unter die Schuhe geschoben – beziehungsweise in den Schulranzen: Ich bekam z.B. in der Grundschule Noten dafür, dass ich meinen Schulranzen richtig organisiere und habe einmal eine Drei kassiert, weil ich kein Tempotaschentuch in meiner Hosentasche hatte! (Der Schock sitzt heute noch gaaaanz tief!)

In einer Studie der Uni Hamburg stimmten von 1000 befragten Eltern 60 Prozent der Aussage zu: „Meine Kinder sollen mal zu den Besten gehören.“ Logisch, klingt ja auch nett.

Die hohen Erwartungen der Eltern und deren Druck auf die Lehrer wirken sich auf das Denken und Fühlen der Kinder aus. Leider nicht immer positiv! Ich sollte für einen Fernsehsender mal einen Jungen coachen, der Probleme in der Schule hatte. Als ich bei ihm war, sagte mir die Mutter in seiner Anwesenheit, wie sehr er sich quäle, dass es ihm schwerfiele, sich zu konzentrieren und dass ihm einfach die Motivation zum Lernen fehle. „Wie können Sie helfen, Herr Lerncoach Dr. Krengel?“, war die erwartungsvoll an mich gerichtete Frage.

Als ich darum bat, mit dem 15-Jährigen mal allein unter vier Augen zu reden, stellte sich heraus: Er versuchte täglich in ein bis zwei Stunden seine Hausaufgaben zu lösen. Er wollte gute Noten, schon allein, weil er vor seinen Freunden nicht schlecht dastehen wollte. Tatsächlich war er „nur“ ein 2er-Kandidat, und er fühlte sich dabei schlecht, weil er die hohen Erwartungen seiner Mutter nicht erfüllte.

Klar, er hatte Probleme, sich zu konzentrieren und Facebook & Co. sind tatsächlich gefährliche Ablenkungen. Aber in der Summe war er ein offener, netter, leistungsbereiter – und ganz normaler – Schüler.

Ich konnte ihm ein paar Fokus- und Motivationstricks mitgeben, aber das einzige WIRKLICHE Problem war der hohe Erwartungs-druck seiner Eltern, denn dieser rüttelte an seinem Selbst-bewusstsein, behinderte seine eigene Entwicklung und zog seine Kreativität und Zufriedenheit runter.

 

 

 

 

Laudatio auf das Kleinere 

Als Gegengewicht zur „Größer-denken-Philosophie“ möchte ich hier zeigen, dass – je nach Situation – auch das Kleine schön oder gar deutlich besser sein kann als groß gedachte Dinge.

Schau dich nur um, was für ein tolles Leben uns die Verkleinerung von Dingen verschafft hat: So tragen wir dank kleinerer Batterien und Chips heute alle kleine Mini-Computer in Form von Smartphones in unseren Hosentaschen. Autos wie der SMART sind kleiner, viel wendiger und sparsamer als große Limousinen. Elektroroller sind viel bequemer zum Auf- und Absteigen als ein Fahrrad und auch deswegen so erfolgreich. Und wenn du auf eine Reise oder Wanderung gehst, dann suchst du dir gezielt kleines und leichtes Equipment aus.

Wann ist eine Sache gut genug?

Wie viel mehr bringt uns „MEHR“ wirklich? Lass uns gemeinsam überlegen: 🤔

  1. Du bist hungrig? Oh, schau: Hier ist ein Stapel Brötchen mit leckerem Aufstrich. Du verschlingst wahrscheinlich das Brötchen. Der Nutzen, den dir dieses erste Brötchen bringt, ist sehr hoch.
  1. Das zweite Brötchen schmeckt auch richtig gut. Du hast Freude daran – nun nicht mehr ganz so hungrig und gierig –, zu genießen. Das zweite Brötchen macht dich relativ satt.
  2. Das dritte schmeckt wahrscheinlich auch noch – doch wird schon schwer im Magen liegen.
  1. Das vierte müsstest du schon ganz schön in dich reinstopfen.
  2. Das fünfte würde gewiss keinen Spaß mehr machen. Du würdest die Augen verdrehen – und später würde sich der Magen umdrehen. Dir wird irgendwann schlecht, vielleicht kommt es wieder raus. In jedem Fall bleibt ein gutes Stückchen mehr Speckschwarte an dir hängen.

Kurz: Der Nutzen eines zusätzlichen Brötchens ist erst sehr groß, dann flacht er ab, bis er sich ins Negative dreht.

Ökonomen sprechen von „Grenznutzen“, was ein wenig sperrig klingt. (Ökonomen halt!) Lass’ uns von zusätzlichem Nutzen sprechen, das flutscht leichter über die Zunge. Wenn du dir bewusst machst, dass der Nutzen von „mehr“ auch „weniger“ sein kann, hilft es, ein wenig mehr Maß zu halten, denn dieses Konzept lässt sich auf viele Bereiche anwenden: 

Mehr Kaffee heißt schon bald nicht mehr „wacher“, sondern „nervöser“. Eine bestimmte Menge Alkohol löst, entspannt, muntert auf und ist gut für ein witziges Beisammensein. Doch zu viel macht müde, versaut den nächsten Tag und ist für das Umfeld nervig. Ebenso brauchst du beim Sport die richtige Trainingsfrequenz und eine gute Mischung aus Belastung und Regeneration. Sonst wird der Körper überfordert, aus dem Leistungskick resultiert ein Bänderknick. Du bietest Produkte oder Speisen an? Mehr Auswahl heißt nicht nur mehr Auswahl für Gäste, sondern auch mehr Entscheidungskonflikte. Deine Logistik- und Lagerkosten steigen, die Gefahr wächst, dass „Kunden es sich nochmal überlegen“ wollen, weil sie von den Optionen überfordert sind.

Nur damit du es mal gehört hast: Es gibt in den Trainingswissenschaften ein Konzept, das heißt: „minimale effektive Dosis (MED)“. Es ist dem „zusätzlichen Nutzen“ ähnlich, schaut aber etwas mehr auf biochemische Prozesse. Die benötigte effektive Dosis ist eine Temperatur von 100 Grad, um Wasser zum Kochen zu bringen. Wasser stärker zu erhitzen, ergibt keinen Sinn – es verbraucht nur unnötig Energie.

Die „MED“ ist aber ein sperriger Begriff, lass sie uns ins Krenglische übersetzen und „Gut-genug-Dosis“ nennen. Die Definition: Die Gut-genug-Dosis ist die geringste Menge, die nötig ist, um ein gewünschtes Ergebnis zu erzielen.

Es bringt nichts, den ganzen Tag in der Sonne zu braten. Zehn bis 30 Minuten pro Seite sind vollkommen ausreichend. Alles andere heißt nicht brauner und sexier, sondern autscher. Der provozierte Sonnenbrand verhindert gar für einige Tage den Bräunungsprozess, lässt die Haut schneller altern und fördert Krebs.

Beobachte einfach für dich, in welchen Bereichen das Maß schon gut voll ist.

Ich z. B. habe mir eine OBERGRENZE an Einkommen definiert, die ich verdienen will. Ich überlegte, was ich wirklich zum Leben, Reisen, Business und für meine Rente brauche. Das habe ich an meinem aktuellen Standard, an meinem Wegpunkt, gemessen. Die Folge: Ich versuche, NICHT mehr als x-tausend Euro pro Jahr zu verdienen.

„HÄHHH?“ … ist die Reaktion eines Jeden, dem ich das bisher erzählte. Doch schau’: Ich war überehrgeizig und ordentlich auf Strom. Mir hilft es, meine Energie besser zu verteilen und mir mehr Zeit für mich und die wichtigen „Fs“ des Lebens zu nehmen: Freunde, Familie, Freundin, Fun, Funkstille (= Auszeiten & Meditation).

So habe ich mein Umsatzziel im letzten Jahr bereits Anfang November erreicht. Klar habe ich danach noch weitergearbeitet, weitergedacht, weitergeschrieben – aber NUR, weil es mir Spaß machte. Ich musste kein Geld mehr dabei verdienen. Das war ein super, entspannter Jahresausklang!

Nun wirst du vielleicht sagen: „Ich bin aber angestellt, Martin. – Ich kann das nicht für mich anwenden.“ Oder vielleicht sagst du sogar:

 

„Hast du noch alle Tassen im Schrank?“

Nein, ich habe nicht mehr alle Tassen im Schrank! Auch nicht mehr alle Gläser. Und die vielen, nur dreckig herumliegenden, unnötigen Teller, Gabeln, Messer und vielen anderen Kram auch nicht!

Es gibt bei mir genau zwei Messer, zwei Gabeln, zwei Trinkgläser, zwei Tassen etc. Mehr Besteck und Geschirr heißt nämlich vor allem höhere Abwaschberge, weil es für mein träges Hirn so viel leichter ist, ein sauberes Glas aus dem Schrank zu nehmen, als sich daran zu gewöhnen, das bereits Benutzte kurz abzuspülen.

Während mein Schreibtisch durchorganisiert ist, habe ich es ehrlicherweise jahrelang nicht hinbekommen, meine Küche sauber zu halten. Nun, da ich von jedem Ding nur noch zwei Exemplare habe, ist es für mich wesentlich leichter, Ordnung zu halten.

Wenn du vor deiner nächsten Entscheidung oder einem nächsten Projekt stehst, betrachte diese Perspektive mal ein wenig genauer. Stell dir bei der Zielfindung folgende Frage:

Was ist oder wann ist es EIGENTLICH gut genug? 

Das „Eigentlich“ erscheint an dieser Stelle sprachlich überflüssig. Aber es ist eine Art mentaler Airbag: Denn im Inneren wirst du natürlich MEHR wollen. Mehr Geld, mehr PS, mehr Urlaub. Aber das entwaffnende „Eigentlich“ hilft ein wenig mehr, die Perspektive des Verstandes einzunehmen. Probier’s einfach mal aus!

 

 

Eine Art Life-Style-Guide für Leute, die was wuppen wollen!

Nora Springisfeld, Berlin

 

 

 

 

 

Neue Dinge lernen (Fallstudie) 🤓:

Wie oft halten uns unsere hohen Erwartungen davon ab, Neues zu lernen oder eine Sache überhaupt zu beginnen? Nehmen wir das häufig gehörte „Ziel“: „Ich sollte mal endlich Englisch lernen.“

Fast automatisch besteht bei den meisten Menschen die Vorstellung, dass eine „Sprache lernen“ heißt, eine Sprache akzentfrei, fehlerfrei und nonchalant zu parlieren. „Wennschon, dennschon!“ Oder?  

Nein! Das sind vollkommen verdrehte Vorstellungen, was wir brauchen, um in einer Sprache zu kommunizieren.

Eine Sprache kannst du ewig lernen – und wirst nie fertig. Eine Sprache zu sprechen heißt etwas anderes als eine Sprache zu lernen. Sprachexperten sagen, dass bereits 1.200 Wörter genügen, um dich gut zu verständigen.  

1.200 Wörter! Klingt viel?

Nicht, wenn du es geschickt anstellst. Nehmen wir an, dass du nur zehn Wörter am Tag lernst. Das ist realistisch und gut machbar. Zehn Vokabeln pro Tag x 30 Tage sind 300 pro Monat. Nach vier Monaten wärst du bereits ein kleines Sprachgenie!

Aber es sind ja keine „vier Monate“. Für die zehn Vokabeln brauchst du nur ca. 20 bis 30 Minuten pro Tag. Ergo: In 40 bis 60 Stunden bist du ready to go.

Es gibt darüber hinaus noch einige Kniffe, um den Prozess zu beschleunigen.

  • Bereits 100 gut gewählte Wörter machen 30 bis 50 Prozent des gesprochenen Sprachgebrauchs aus. Ein Basisniveau erreichst du also recht schnell.
  • Meiner Erfahrung nach kannst du mit ca. 50 Verben und Hilfsverben schon sehr viele Dinge umschreiben.
  • Ich ignoriere vorerst die meisten Unregelmäßigkeiten und lerne nur die Beugungen von „ich“ und „du“: „Ich tue“ „Du tust – tust du“.
  • Vergiss Futur 1 und 2, brauchst du nicht! „Ich werde machen.“, „Ich werde gehen.“ Reicht.

Das Prinzip kannst du auf andere Lernprozesse übertragen: Was heißt zum Beispiel „Gitarre lernen“ wirklich für dich? Du musst kein neuer Carlos Santana werden, was wäre die Gut-genug-Dosis für dich? Vielleicht reicht es dir ja, drei bis vier deiner Lieblingslieder zu spielen? Dafür genügen wenige Griffe.

 

P.S.: Noch eine letzte gute Nachricht, was den Anspruch anbelangt, eine Sprache akzentfrei zu sprechen: Klar wäre es theoretisch machbar, deinen Akzent zu eliminieren. Aber für normal Sprachtalentierte bräuchte das enorm viel Übung, wenn nicht sogar einige Logopädie-Stunden. Und wozu? Die meisten Menschen finden das nicht schlimm, im Gegenteil: Sehr überraschend, aber wahr: Unseren deutschen Akzent empfinden viele Anderssprachige als SEXY!

 

 

So, das war er: Ein tiefer Einblick ins Buch „Dein Ziel ist im Weg“. Du kannst hier mehr davon lesen.

 

 

 

 

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Nein sagen lernen Dr. Martin Krengel

 

 

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