Entscheidungen treffen: ► Die größte Entscheidungshilfe, die du jemals lesen wirst ✔ | Das 1×1 der Entscheidungsfindung

„Ich kann mich nicht entscheiden!“

Wie oft hören wir diesen Satz?

Und klar, wir treffen täglich im Schnitt ca. 20.000 Entscheidungen – und 95 Prozent davon sind unbewusst, sagen Gehirnforscher.

Aber es bleiben immer noch 500 bewusste Entscheidungen, über die wir nachdenken müssen – doch jede Entscheidung kostet Energie und Willenskraft.

Je mehr Entscheidungen wir treffen müssen, desto schwieriger sie sind – oder desto schwerer wir uns selbst entscheiden können – desto mehr zerrt die Entscheidungsfindung an deiner Konzentration und Motivation – und letzten Endes so auch an deinem Selbstbewusstsein.

Kannst du dich nicht entscheiden? In diesem Artikel findest du Hilfe:

    Entscheidungsfindung 1 x 1: Entscheidungstechniken, Inspiration & Tipps für bessere und richtige Entscheidungen

    Eine riesige Entscheidungshilfe:

     

    1. Warum du oft gar nicht „richtig entscheiden“ musst

     

    Wir treffen täglich eine Reihe von Entscheidungen: Was wir zum Mittag essen sollen? Ob wir zum Training gehen? Wen wir anrufen sollen? Viele von uns haben schon bei diesen kleineren, alltäglichen Fragen eine Entscheidungsschwäche: Die Wahl des richtigen Restaurants oder eine Kaufentscheidung beim Shoppen kann dann eine kleine Ewigkeit dauern. Neben diesen Alltagsentscheidungen gibt es die „harten Nüsse“, die einiges an Nerven kosten: Welches Hausarbeitsthema soll ich nehmen? Soll ich ins Ausland gehen? Wohin?

    Ob große oder kleine Alternativen, nur die wenigsten von uns sind geborene Entscheidungsprofis. Einige leiden sehr unter ihrer Entscheidungsschwäche. Und Entscheidungen können eine lange Zeit in Anspruch nehmen. Sie belasten emotional, bescheren schlaflose Nächte und lenken ab, wenn wir eigentlich auf etwas anderes konzentriert sein sollten. Die Fähigkeit, schnelle und sichere Entscheidungen zu treffen, ist für mich daher ein integraler Bestandteil der Zeitsouveränität – Gerade auch vor dem Hintergrund, dass man in den Fällen, in denen sich Chaos zeigt, oft rasch eine Entscheidung treffen muss.

     

    Überlasse Entscheidungen nicht dem Zufall

    Entscheidungen bringen Klarheit und beenden diffuse Zustände. Mit einer Entscheidung legt man sich fest und sorgt für Eindeutigkeit. Dazu bedarf es einer „Entschlossenheit“, mitunter ebenfalls gut klingende Optionen zugunsten einer anderen zu verwerfen. Du wirst entlastet, weil du über Alternativen nicht mehr nachzudenken brauchst.

    Manche Entscheidungen erledigen sich von selbst – bei langem Zögern sind die guten Referatsthemen alle weg. Es bleiben nur noch die unangenehmen Themen. Möchtest du das wirklich? Oder wäre es nicht besser gewesen, sofort zu zugreifen? Du hättest vielleicht nicht das Beste, aber dafür immer noch ein gutes Thema bekommen. Entscheidungen sollte man nicht zu lange aufschieben. Wenn du zeitig mit der Entscheidungsfindung beginnst und verschiedene Informationsquellen anzapfst, hast du eine bessere Grundlage. Einmal entschieden, kannst du dich bereits der Realisation widmen und das zu einem Zeitpunkt, wenn sich andere noch mit dem Gedanken quälen.

     


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    Und so bessere Entscheidungen triffst.


     

    Entscheidungskonflikte

    Unterscheiden, um (nicht) zu entscheiden

    Du hast es sicher gemerkt, dass ich gern Dinge kategorisiere und strukturiere. So auch bei dem Thema der Entscheidungen, denn die Unterscheidung von drei Arten von Zielbeziehungen bringt Klarheit und hilft die richtige Vorgehensweise zu wählen. So triffst du strategische Entscheidungen. Unterscheide mit mir Ziele, die sich gegenseitig unterstützen, Ziele die du unabhängig voneinander verfolgen kannst und Ziele, die miteinander in Konflikt stehen:

    Zielharmonie

    Die Verfolgung eines Zieles begünstigt ein anderes Ziel.

    Die Ziele „reisen“, „eine Sprache lernen“ und „networken“ werden alle durch einen Sprachkurs erfüllt. Studierst du sogar im Ausland, kannst du dich auch fachlich weiterbilden und Leistungen evtl. anrechnen lassen.

    Viele Dinge, die wir tun, können wir von einem „entweder-oder“ zu einem „sowohl-als-auch“ transformieren.

    → Nutze die Synergieeffekte und mache zwei Aufgaben gleichzeitig!

    Zielneutralität

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    Ein Ziel beeinträchtigt ein anderes nicht.

    Sport treiben und studieren schließt sich nicht aus, da du in deinen langen Pausen aktiver abschalten kannst und motivierter an den Schreibtisch zurückkehrst.

    Du glaubst, für manche Dinge keine Zeit zu haben? Es gibt aber jede Menge Sachen, die du gleichzeitig erledigen kannst.

    → Takte Zielneutralitäten durch geschickte Planung

    Entgegengesetzte Ziele (Zielkonflikte)

    Ein Ziel steht einem anderen im Wege oder die Ver­folgung eines Ziels hindert das andere.

    Geld für ein eigenes Auto zu sparen und viel zu vereisen, ist ein klassischer Zielkonflikt, weil man um dieselbe Ressource „Geld“ kämpft.

     

    Bei manchen Dingen geht leider nur ein „entweder-oder“.

    → Wir müssen zwischen zwei Optionen entscheiden

    → Manchmal gibt es einen Fluchtweg: Immer dann, wenn wir die Möglichkeit haben, zwei Dinge zeitlich hintereinander zu schalten.

     

     

    Entscheidungsfindung

    Vom „Entweder-oder“ zum „Sowohl-als-auch“

    Eine typische Entscheidungssituation ist die Wahl zwischen zwei Hand­lungs­alternativen. Normalerweise denkt man, dass man sich für eine Alternative entscheiden müsste. Mit der Dreiteilung in Zielharmonien, ‑neutralitäten und -konflikten möchte ich zeigen, dass man nur in einem von drei Fällen eine wirkliche „Entweder-oder“ Entscheidung treffen muss. Du erreichst nämlich oft mehr, wenn du stattdessen eine „Sowohl-als-auch“ Lösung anstrebst, mit der du zwei oder mehr Dinge miteinander verbinden kannst.

    Zielharmonien: Synergien erschließen

    Viele Sachen, die wir tun, fördern sich gegenseitig: Wenn wir gute Noten erwirtschaften, steigern wir unser Selbstwertgefühl, haben bessere Chancen auf einen Job und bekommen vielleicht auch einen kleinen Bonus von den Eltern. Bist du fit in Bildbearbeitung, kannst du diese Fähigkeiten ebenso in deinem Studium zum Einsatz bringen und Studienarbeiten optisch aufwerten. Treibst du gerne Sport, steigert das dein allgemeines Wohlbefinden und vielleicht auch deine Kondition in Vorlesungs-Marathons. Suche bewusst nach Tätigkeiten, die gleichzeitig einer anderen Sache dienen. Wir kennen dieses Prinzip bereits aus dem Abschnitt „Pflicht, Kür und Positionierung“, in dem wir versucht haben, die Schnittmenge deiner Freizeit- und Studienaktivitäten möglichst groß werden zu lassen:

    Wähle deine Tätigkeiten so, dass die Schnittstelle zwischen beiden möglichst
    groß ist! Die Größe der Schnittstelle entspricht gesparter Zeit.

    Das Merkmal von Zielharmonien ist es also, dass eine Sache gleichzeitig einer anderen dienlich ist. Diese so genannten Synergieeffekte sind aber nicht immer offensichtlich. Du musst bewusst deine Entscheidungs­freiräume nutzen, um auf solche Zielharmonien hinzuarbeiten. Ein Beispiel:

    Trotz einer intensiven Prüfungsphase wollte ich bei einem Essay-Wettbewerb mitmachen. Ich beschloss, nur einen Tag von meiner Lernzeit für das Essay zu opfern, für das ich eigentlich 1 ½ Wochen eingeplant hatte. Für Recherche blieb demnach keine Zeit. Ich überlegte, was mich an dem Thema „Herausforderungen des Wachstums“ am meisten interessierte. Aha, Entwicklungspolitik. Ich hatte dazu eine Vorlesung gehört. Aber nur den Vorlesungsstoff wiederzugeben, war weder spannend noch erfolgsversprechend.

    Plötzlich fielen mir Parallelen zum aktuellen Lernstoff „Kulturforschung“ auf. Bingo! Ich kombinierte den Stoff beider Vorlesungen zum Arbeitstitel: „Entwicklungspolitik aus der Perspektive der Kulturforschung.“ Nach zwölf Stunden fiel ich mit fertigem Essay und dem Gefühl, viel geschafft zu haben ins Bett. Der Rückgriff auf bestehendes Wissen in Kombination mit der Vorbereitung auf die Prüfung hat die Entscheidung „Essay schreiben oder lernen“ von einer „Entweder-oder“ zu einer „Sowohl-als-auch“ Entscheidung transformiert. Eine schöne Erfahrung. Seitdem fasse ich kaum noch etwas an, was nur einer einzigen Sache dient.

    Suche konsequent nach Zielharmonien.

    Versuche, möglichst viele Fliegen mit einer Klappe zu schlagen!

    Das bringt dich nicht nur schneller voran, sondern verschafft dir in der Regel auch bessere Arbeitsergebnisse, weil du nach der Managerregel „Stecke mehr Zeit in deine Arbeit, als Arbeit in deine Zeit“ handeln kannst.

    Brauchst du einen neuen Computer? Soll es ein Laptop oder ein stationärer Computer sein? Du kannst beide Vorteile „Mobilität“ und „angenehmes Arbeiten“ erreichen, wenn du zum Schlepptop eine Tastatur und Maus kaufst und den Monitor auf eine Anhöhe stellst. (Lege hierzu einfach vier dicke Bücher unter den Laptop, dann ist der Monitor in etwa in Augenhöhe). Sieht vielleicht nicht ganz so schick aus, dafür bist du mobil und arbeitest ergonomisch.

     

    Zielneutralität: Eine Frage der Taktung

    Viele Dinge stehen nebeneinander, ohne sich stark zu beeinflussen. Dies ist der zweite Grund, warum der Mittelweg zwischen Arbeiten und Leben möglich ist: Entweder du verbindest beides zu Synergien oder du taktest deine Tätigkeiten durch geschickte Planung nebeneinander, sodass sie sich nicht gegenseitig im Wege stehen. Erinnerst du dich, dass du Lern- und Pausenzeiten im Wechsel planen solltest, weil du Regenerationszeiten brauchst, um wieder voll einsatzfähig zu sein?

    Am Tag solltest du z.B. mindestens einen zwei Stunden-Block haben, an dem du nicht arbeitest. Das sind schon mindestens 14 Stunden in der Woche, die du für deine Hobbys, Sport, Freunde und zum Relaxen hast. Noch ein weiterer Block war für Support-Tätigkeiten geblockt, in dem du andere Projekte nach dem Effizienz-Prinzip vorantreiben kannst, egal ob es sich um eine Bewerbung oder das Putzen deiner Wohnung handelt.

     

    Die Entscheidungssituation ändern/ihr entfliehen

    Wir haben anhand der Zielharmonien und neutralen Zielbeziehung gesehen, dass nicht jede Entscheidung eine wirkliche Entscheidung ist, sondern eher eine Frage der Anpassung oder einer geschickten Taktung. Manchmal kann man auch versuchen, die Vorteile zweier Alternativen zu einer Dritten zusammenführen:

    So standen wir beim Marketing-Award vor zwei gut durchdachten Konzepten, zwischen denen wir uns nicht entscheiden konnten. Bei dem einen war die Idee sehr gut, beim anderen die entwickelten Produkte witziger. Wir lösten das Problem, indem wir die witzigste Produktidee der zweiten Alternative in das erste Konzept integrierten, und vereinten so die Stärken beider Ansätze.

    Eine andere Möglichkeit bei einer Patt-Situation ist, nach einer weiteren, dritten Alternative zu suchen:

    Wir waren in Barcelona und hatten Pech mit unserer Pension: Das Zimmer war viel zu klein für zwei Personen und ein größeres Zimmer zu teuer. Kurzerhand entschlossen wir uns, die Pension ganz zu kündigen und suchten eine dritte Alternative: Wir fanden sogar ein vierfaches „Sowohl-als-auch“: Günstiger Preis + Platz + eigenes Bad + mitten in der Innenstadt.

    Es gibt ein jüdisches Sprichwort, das den Nagel an dieser Stelle ganz gut auf den Kopf trifft:

    „Hast du zwei Alternativen zur Auswahl, nimm die Dritte!“

    Dieses Sprichwort leitet mich bei allen Entscheidungssituationen, an denen ich hänge, wenn ich mit den Alternativen nicht zufrieden bin. Ich frage mich dann: Was ist die dritte Alternative? Muss ich neu danach suchen oder ist ein Umwandeln der Alternativen in Zielharmonien möglich?

     

    Zielkonflikte: Die „echten“ Entscheidungsfälle

    Manchmal ist eine dritte Alternative nicht in Aussicht und die Umwandlung in Zielharmonien nicht möglich. In diesen Fällen haben wir es mit einer „echten“ Entscheidung zu tun. Hierbei handelt es sich um Zielkonflikte, z.B. wenn es darum geht, innerhalb eines Semesters eine vernünftige Zahl an Aktivitäten und Vorlesungen zu selektieren. Zumindest für die Hoch­motivierten kann das eine Schwierigkeit sein, wenn sie sich aus Interesse bei zu vielen Vorlesungen freiwillig einschreiben oder zu viele ehrenamtliche oder Freizeitverpflichtungen nebenbei anstreben. Sie sind dann mitten in der „Multioptionsfalle“ gelandet, in der man sich verzettelt und viele Sachen nur halb macht, statt wenige richtig.

    Ebenso musst du dich im Alltag vor zu vielen neuen Aufgaben und kleinen Gefallen wehren, sonst verlierst du deinen Fokus, achtest nicht mehr auf deine Strategie und wirst unzufrieden, denn:

    Ein „Ja“ zu allem ist ein Nein zu sich selbst.

    Was heißt das? Greife ich zu viele Aufgaben auf, will ich alles auf einmal – und dann möglichst perfekt – erreichen? Dann bin ich wohl ein klarer Fall des „Ja“ zu allem: Ich bin immer überall, tanze auf allen Partys und weiß eigentlich gar nicht, ob es das ist, was ich eigentlich wirklich mag. Gründe für diese Überladung können viele sein: Angst jemanden zu enttäuschen, anderen oder sich selbst etwas beweisen wollen, etc. Deswegen ist es wichtig, ab und zu Grenzen zu ziehen und auf sich und seine Wünsche zu hören!

    Eine „echte“ Entscheidung ist immer eine Entscheidung gegen etwas anderes!

    Manchmal erscheinen uns zwei Alternativen gleichwertig. Gerade dann muss man den Mut fassen und für Klarheit sorgen! Beide Varianten bringen Vorteile mit sich, die wir jeweils nicht missen möchten. Aber hier wählen wir zwischen zwei Alternativen mit positiven Konsequenzen – keine Entscheidung ist daher eine schlechte Entscheidung! Mach es nicht wie der Esel, der zwischen zwei saftigen Heuhaufen steht und sich nicht entscheiden kann, welchen er fressen soll! Der arme Esel ist verhungert, du aber hast noch alle Möglichkeiten, Schlimmeres zu verhindern!

     

     

    Entscheidungshilfe

    Entscheidungsfindung – oder Entscheidungs-entwindung?

     

     

    2. Schlage zwei Fliegen mit einer Klappe

     

    Hier noch eine sehr praktische Vertiefung zum eben beschriebenen – mit vielen Beispielen aus erfolgreichen Entscheidungsfindungen meinerseits:

    Versuche, im Rahmen einer einzelnen Tätigkeit mehrere Ziele gleichzeitig anzustreben!

    Wenn sich zwei Ziele gegenseitig „befruchten“, nennt man das Zielharmonie. Im Gegensatz zu Zielkonflikten, bei denen sich zwei Ziele gegenseitig ausschließen, gibt es eine Menge an Tätigkeiten und Dingen, die Synergieeffekte bergen.

    Zwei persönliche Entscheidungs-Beispiele:

    • Ich schrieb während einer Prüfungsvorbereitung einen Essay für einen Wettbewerb, in dem ich den Inhalt zweier Lernfächer kombinierte. Ich wurde so zu einer Konferenz eingeladen, für die das Essay als Qualifikation diente, ohne Lernzeit vergeudet zu haben. Im Gegenteil: Anwendung des Lernstoffs fördert ja bekanntlich das Verständnis!
    • Ich hatte nach dem Studium die Wahl zwischen vier Alternativen, die unvereinbar schienen: Ich hätte arbeiten können oder promovieren, spielte aber auch mit dem Gedanken, ein Zweitstudium in Psychologie zu machen. Die vierte Alternative war, eine Fortsetzung meines „Studi-Survival-Guide“ zu schreiben. Das hätte ich am liebsten sofort getan, aber es galt auch, in die Zukunft zu schauen. Ich stand vor einem Dilemma: Ich musste mich entscheiden und jede Wahl für etwas bedeutete den Verlust von etwas Angenehmem: Als Promovent würde ich kein Geld verdienen. Im Zweitstudium hätte ich keine Zeit zum Bücherschreiben. Als Autor wiederum müsste ich ein bescheidenes Dasein fristen. Was also tun?

    Ich besann mich auf eine Methode, die sich nach einem jüdischen Sprichwort richtet, das lautet:

    Hast du zwei Alternativen zur Auswahl, nimm die Dritte!

    Dies hat mir schon sehr oft aus der Bredouille geholfen. Nun hatte ich gleich vier Alternativen und versuchte, diese nach und nach so zu integrieren, dass ich von jedem ein Stück verwirklichen konnte.

    Und siehe da: Mit etwas Weitblick und „Tetris-Technik“ offenbarte sich eine verlockende Kombination: Ich entschloss mich zu promovieren, weil ich den Schwung des Studiums mitnehmen wollte. Zudem würde eine Promotion mir einen gewissen Freiraum fürs Bücherschreiben lassen.

    Um dennoch praktische Erfahrungen zu sammeln, verpflichtete ich mich für zwei Projekte bei einer Unternehmensberatung, gründete einen eigenen Verlag und gab circa 25 Seminare im Jahr. Diese Vielfalt an Tätigkeiten hätte ich mit einem Vollzeitjob nicht realisieren können.

    Was ist aus dem Psychologiestudium geworden? Das wurde meine Vorbereitung für die Promotion, indem ich mich für einen forschungsnahen Master bewarb, der 70 Prozent Psychologie und 30 Prozent Forschungsmethodik vermittelte. Das Ganze fand in London statt, weil in England Masterprogramme in einem Jahr absolvierbar sind.

    Intensiv, aber gerade dabei konnte ich meine Zeitmanagement-, Lese- und Lerntechniken verfeinern und weiterentwickeln. Themen, über die ich heute schreibe und die ich unterrichte. Patsch! Auch diese Fliege war gefangen.


     

    Wer schreibt hier?

    Schneller lesen - mehr verstehen mit Speed Reading und Schnelllesetechniken - wichtiger ist aber filtern von Texten - Lernexperte Dr Martin KrengelDr. Martin Krengel absolvierte zwei Studiengänge (Psychologie + Wirtschaft) „mit Auszeichnung“ währenddessen er Wettkampf-Kunstturner war und musste so über 500 ganz unterschiedliche Prüfungen in seinem Leben absolvieren. Er lernte dabei auch, dass die richtige Balance und ein gutes Zeitmanagement mit die besten Nervositäts- und Unsicherheits-Killer sind.

    >> komplette Vita


     

    Es lohnt sich also, nach Zielharmonien Ausschau zu halten. Das ist ein wirkungsvolles Effizienzprinzip, denn in einem „Aufwasch“ erledigst du so mehrere Dinge.

    Je stärker sich die Zielbereiche überschneiden, die du mit einer Tätigkeit abdeckst, desto effektiver bist du! Doch Zielharmonien sind nicht immer offensichtlich. Oft muss man diese erst aktiv schaffen. Zum Beispiel könntest du mit deinem Professor vereinbaren, dass du die Masterarbeit zusammen mit einer Firma schreiben und obendrein eine Zusammenfassung in einer Fachzeitschrift veröffentlichen möchtest.

    Oder du könntest versuchen, mit deinem Chef zu sprechen und Aufgaben so zu definieren, dass bestimmte persönliche Lernziele besser und schneller erreicht werden. Ein Versuch lohnt sich immer! Es gibt immer einen Weg, um bei zwei sich scheinbar ausschließenden Alternativen eine dritte Variante zu finden, die beide Aspekte miteinander vereint.

    Wähle deine Tätigkeiten so, dass die Schnittstelle zwischen beiden möglichst groß ist!

    Sicher gibt es auch in deiner Lebenssituation Möglichkeiten, das Fliegennetz aufzuspannen:

    • Ein Praktikum z.B. verschafft Einblick in ein Unternehmen, hilft dir bei
      der Berufsorientierung, verschafft Kontakte und bringt (hoffentlich)
      etwas Geld ein.
    • Oder du gibst einen Vortrag an deiner alten Hochschule. Der Tapetenwechsel hilft, Themen zu strukturieren und aus einer anderen Perspektive zu betrachten, verschafft wertvolles Feedback, frischt deine Präsentationsfähigkeiten auf und ist ein gutes Mittel zur Nachwuchsgewinnung für dein Unternehmen. Das sieht auch der Chef gern!
    • Ebenso macht es Eindruck, wenn du die Budgetplanung freiwillig unterstützt. Das verschafft zusätzlichen Einblick ins Unternehmen und du lernst, besser mit Zahlen umzugehen. Die zusätzliche Belastung hilft dir, im Tagesgeschäft effizienter zu werden. Und das bereitet dich für die Übernahme größerer Projekte vor.
    • Durch eine Nebenbeschäftigung könntest du dein Einkommen aufbessern und Erfahrungen auf neuen Gebieten sammeln. Viele sind mit ihrem Beruf unzufrieden und sich dennoch nicht im Klarem darüber, was sie eigentlich wollen. Durch einen Nebenjob könntest du deinem Interesse auf den Zahn fühlen. Vielleicht jobbst du probeweise auf einer Messe oder hilfst einem Freund, der sich in einer spannenden Branche selbstständig gemacht hat? Ein weiterer Vorteil: Meldest du dich für die Nebenbeschäftigung als Freiberufler oder Selbstständiger an, kannst du mehr Ausgaben von der Steuer absetzen.
    • Wusstest du eigentlich, dass du je nach Bundesland einen Anspruch auf zusätzlichen bezahlten Bildungsurlaub hast? Den könntest du nutzen, um einen Sprachkurs zu belegen oder im Sommer in Italien einen Kurs in Mode- oder Grafikdesign zu machen (zum Beispiel bei lorenzodemedici.it). Erhöhe deine Kompetenz, fühle dich tiefer in deine Branche ein und freue dich über die Abwechslung.
    • Aber auch als eBay-Verkäufer kann man mit dem Ausrümpeln Geld verdienen und unternehmerische Erfahrungen sammeln. Oder bist du eher der Flohmarkt-Typ und hast Spaß daran, mit ganz unterschiedlichen Menschen in Kontakt zu treten und etwas über dein Verhandlungsgeschick zu lernen?
    • Microstock-Foto“ heißt das Zauberwort, mit dem du dein Foto-Hobby zu Geld machen kannst. Gute Bilder produzieren, auf fotolia.de oder istockfoto.com hochladen und sich auf erste Umsätze freuen!
    • Eine Freundin ergriff die Chance ihrer Kurzarbeit: Statt den Kopf hängen zu lassen, schrieb sie sich kurz entschlossen für ein Teilzeit-MBA-Programm ein. Wenn sie jetzt keine Zeit zum Lernen hat, wann sonst?
    • Bist du begnadeter Tänzer, Turner, Kung-Fu Kämpfer? Bedarf an Trainern und Unterricht gibt es immer. Das gilt natürlich auch für Sprachnachhilfe und Lektionen in deiner Muttersprache!
    • Manchmal bieten sich gute Optionen in der Ausführung einer Tätigkeit. Als ich einmal in London war, lernte ich Amerikaner kennen, und eine Freundin einer Freundin brauchte dringend einen Übersetzer. So besserte ich mein Taschengeld, das ich dringend brauchte, auf und lernte dabei noch etwas besser Englisch!
    • Du reist gerne? Vielleicht versuchst du es mal mit einem kleinen Online-Shop für selbst importierte Waren. Nur so, um ein wenig zu experimentieren. Vielleicht kommt ja mal eine zündende Idee. Und dann hat man schon Handwerkszeug, Erfahrungen und Kontakte gesammelt, sodass die Lunte auch wirklich anbrennen kann!
    • Seminarteilnehmer berichten immer wieder, dass sie bei der Analyse ihrer Lebensbatterien erkannt haben, wie gut ihnen eigentlich die ehrenamtliche Tätigkeit tut. „Es kostet zwar etwas Zeit, aber ich habe gemerkt, dass es mir einfach gut tut, anderen zu helfen und mal etwas anderes zu machen. Diese Zeit ist in der Zukunft wieder gut investiert!“, meint z.B. Katrin aus Würzburg.

    Fazit: Dinge, die wir eigentlich gern öfter täten, tun wir tendenziell zu wenig, weil wir glauben, keine Zeit dafür zu haben. Doch oft sind solche Dinge wichtig für unsere Zufriedenheit oder für Kreativitätsprozesse und schaffen so mehr Positives, als sie Zeit brauchen. Rechne den Motivationsschub und das bessere Lebensgefühl mit ein und du wirst sehen: Die Gleichung stimmt!

    Versuche aus zwei gegensätzlichen Optionen (Entweder-oder-Entscheidung) eine dritte Alternative zu generieren, die die Gegensätze in ein „Sowohl als auch“ überführt!

     


    Hol dir ergänzend meine kleine Zeitmanagement-Download-Box – klicke auf die Bilder für mehr Infos:

    Zeitmanagement / Zeitdiebe / Zeitfresser / Dr Martin Krengel


     

    Besser entscheiden: Wichtige Entscheidungstechniken und Entscheidungshilfe

    Entscheidungstechniken

     

     

    3. Die besten Methoden zum Entscheiden

     

    Entscheidungstechniken geben unserem Handeln eine Richtung, weil sie unsere Aufmerksamkeit auf ein bestimmtes Kriterium lenken. Die Komplexität einer Entscheidung wird durch diese „Ankerung“ reduziert. Im Folgenden stelle ich dir acht gut handhabbare Entscheidungstechniken vor, die ihre Stärken in verschiedenen Situationen entfalten. Natürlich kannst du die Techniken auch kombinieren und so deine Methoden zum Treffen von Entscheidungen finden.

     

    A-B-Stop: Die Abbruch-Regel

    Etwas zu entscheiden, bedingt immer eine Abwägung zwischen der Menge der Informationen und der Zeit, die für ihre Beschaffung benötigt wird. Bedenke, dass fast alle Entscheidungen unter Unsicherheit getroffen werden. Es gibt oft keine ideale Lösung oder sie steht in keinem Verhältnis zum Aufwand, den man aufbringen müsste, um sie zu finden. Deswegen muss es Kompromisse geben, um überhaupt eine akzeptable Lösung zu finden. Zwar sollte man gründlich alle Kosten-Nutzen-Aspekte abwägen, aber irgendwann sollte man zu einem Ergebnis gelangen. Edward de Bono, die britische Kompetenzadresse für Denken, Entscheiden und Kreativität, hat das mit einer sehr einleuchtenden Grafik visualisiert:

    Von einer Alternative, A, von der wir noch nicht so zufrieden sind, fangen wir an, nach besseren Alternativen zu suchen. Wir finden eine solche Alternative, B, die augenscheinlich besser als A ist. Nun wird es aber unwahrscheinlicher, dass wir mit vertretbarem Aufwand noch eine passendere Variante finden als B. Denn wir haben schon eine gewisse Zeit gebraucht, um überhaupt zu B zu kommen. An dieser Stelle noch nach der perfekten Lösung C zu suchen, die wir vielleicht nie finden würden, wäre Zeitverschwendung. In dem Moment, in dem uns bewusst wird, dass wir mit B gut dran sind, sollten wir deshalb die Entscheidung fällen!

    Die Suche nach der perfekten Lösung würde oft irrational viel Zeit beanspruchen, sodass es nicht vertretbar ist, ewig zu suchen. Man kann nicht alles überblicken und manche Dinge klären sich erst nach einer gewissen Zeit. Ein japanisches Sprichwort bringt das auf den Punkt:

    „Es gibt keine falschen Ent­scheid­ungen, nur neue Informa­tio­nen.“

     

    Übung: Beobachte dich in Entscheidungssituationen:

    Wann ist der Punkt erreicht, an dem du einen Überblick über verschiedene Alternativen hast und die Wahrscheinlichkeit stark sinkt, die perfekte Lösung zu finden?

     

    Eine Entscheidung optimieren

    Viele Dinge kann man nach getroffener Entscheidung noch nachbessern. Die gesparte Energie des Weitersuchens kannst du lieber dafür verwenden, die noch bestehenden Mankos von B abzuschwächen:

    Du suchst eine WG und hast bereits zehn Wohnungen gesehen. Die Optimale ist nicht dabei. Nun kommst du zu einer WG, die sehr zentral und dennoch günstig ist. Die Mitbewohner sind super nett. Nur sind die Wände etwas heruntergekommen und eigentlich wolltest du ein möbliertes Zimmer. An dieser Stelle könntest du, statt noch eine Woche weiter zu suchen und wahrscheinlich keine wesentlich bessere Wohnung zu finden, deine Energie darauf verwenden, das Zimmer neu zu streichen und neu einzurichten. Sicher wolltest du mit einem möblierten Zimmer etwas Zeit und Geld sparen, aber sieh das als Chance. Denn nun hast du die Gelegenheit, dich neu einzurichten und es dir so richtig gemütlich zu machen.

    Es gibt noch einen weiteren Grund, warum wir lernen sollten, gute und schnelle Entscheidungen zu treffen: Wer schnell und sicher entscheiden kann, gewinnt Zeit und hat die Chance bei möglichen Fehlentscheidungen noch rechtzeitig gegenzusteuern.

     

    Es geht nicht emotionslos: „Durchdachtes“ Bauchgefühl

    Unsere Gefühlswelt macht Entscheidungen oft schwer, weil sie nur diffus greifbar ist. Dass Gefühle ein gehöriges Wort beim Entscheiden mitzureden haben, ist nicht schlimm, aber wir sollten unseren Bauch erst dann entscheiden lassen, wenn wir alle Fakten auf dem Tisch und alle Alternativen gründlich bedacht haben. Wenn uns unsere Entscheidungskriterien nicht bewusst sind (Mentale Modelle), besteht die Gefahr, dass wir voreingenommen urteilen oder wichtige Faktoren ausblenden. Somit legen wir uns hinderliche Beschränkungen auf. Zudem verselbstständigen sich in manchen Situationen leicht die Gefühle. Entscheide deswegen niemals aus einer emotionalen Laune heraus, ergründe lieber die Ursache deines Empfindens. Ist die nötige Distanz erreicht, ziehst du die Konsequenzen.

    Es geht nicht darum, emotionale Entscheidungen zu verbannen, im Gegenteil, sie haben auch einige Vorteile: So gibt es für manche Kriterien keinen rationalen Beurteilungsmaßstab. Es steckt viel implizites Wissen hinter „gefühlten Entscheid­ungen“, das man nicht direkt benennen kann. Das sollten wir nutzen! Somit sind intuitive Entschlüsse sogar oft schneller! Kleinere, unwichtigere Entscheidungen können wir daher intuitiv treffen und die Kraft der Emotion nutzen (siehe Kasten S. 198 im Buch).

     


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    In meinem Buch Golden Rules findest du ein komplettes Modul über die Kraft der Emotionen und die Stärkung deiner Intuition. Und wie du diese nutzen kannst um schneller, einfacher und besser Entscheidungen zu treffen.

     

    Dieser Artikel ist ein Auszug aus dem Buch.


     

    Wenn man eine komplexere Wahl treffen muss, kommt man allerdings ohne ein systematisches Vorgehen nicht weiter. Eine Entscheidungsfindung aus dem Bauch heraus wäre zudem schwer zu vermitteln, denn die Akzeptanz leidet ohne treffende Argumente. Dies hindert dich daran, eine Wahl zu treffen, denn du hast Angst, andere könnten es nicht verstehen – was in diesem Fall völlig verständlich ist. Mit guten Argumenten wärst du wesentlich entschlossener und könntest die Entscheidung nachvollziehbar machen. Darüber hinaus bleiben ohne bestimmte Annahmen und Kriterien gefällte Entscheidungen bei einer Fehlentscheidung ein Rätsel, da du nicht weißt, wie sie zustande gekommen sind. Du könntest nicht aus deinen Fehlern lernen. Brian Tracy sagt nicht zu Unrecht, dass jedem Scheitern eine falsche Annahme zugrunde liegt. Welche ist das?

    Wir sollten also weder blind auf unseren „Bauch“ vertrauen noch gegen unser Gefühl entscheiden! Richtig ist es, unsere Entscheidungen zunächst mit (rationalen) Informationen zu füttern, Argumente abzuwägen, zu hinterfragen und zu gewichten, um eine gute Grundlage für ein Urteil zu haben. Haben wir alle Aspekte der Entscheidung durchleuchtet, können wir nun unser Gefühl einfließen lassen!

    Der Entscheidungsprozess: Gewichte und sammle Informationen/ Argumente, reduziere dann anhand definierter Hauptkriterien. Dein erster Eindruck wird somit hinterfragt und du gelangst zu überlegteren Entscheidungen.

     

    Das Entscheidungsspiel:

    Bei vielen kleinen Dingen hilft die „Besser oder Schlechter“-Methode. Vielleicht willst du deiner Freundin ein süßes Stofftier kaufen, doch selbst wenn es ein und dasselbe Produkt sein sollte, sind alle etwas verschieden: Der eine hat Fell in den Augen hängen, der andere lächelt etwas mehr, der dritte wäre perfekt, wenn nicht die Nase schief säße … Bevor du nun eine Stunde vor dem Jahrmarktstand stehst, lass die Stofftiere zum Entscheid­ungsspiel antreten. Nimm die ersten beiden und vergleiche ganz aus dem Bauch heraus: Ist der links oder der rechts niedlicher? Rechts bleibt, links geht. Nun tritt der nächste gegen deinen Favoriten an. Auf diese Weise fällst du subjektiv, aber schnell eine Entscheidung.

     

    Ein Entscheidungsplan

    Mach dir als Hilfe einen Entscheidungsplan. Das ist idealerweise ein einfaches DIN-A4 Blatt, das die wichtigsten Eckdaten des Entscheidungsprozesses festhält:

    • Was gibt es zu entscheiden? Was ist das Ziel der Entscheidung?
    • Welche Informationen brauchst du dafür?
    • Woher bekommst du die Informationen? Wer kann dir helfen?
    • Bis wann möchtest du entschieden haben?
    • Restriktionen: Welche Restriktionen hast du (Zeit, Geld)?

     

    Abgleich mit langfristigen Zielen/Prioritäten

    Bei dieser Methode entfaltet deine Strategie-Karte ihre Kraft, denn das Entscheidungskriterium sind deine Ziele. Du hast bestimmt, was dir wichtig und was unwichtig ist. So kannst du z.B. spontanen Prioritäten vorbeugen und Alltagsentscheidungen begründbar machen:

    Neulich gab es an unserer Uni zwei Vorträge: Zum einem war der bayrische Innenminister da, um einen politischen Vortrag zu halten, zwei Tage später gab es einen Film mit anschließender Diskussion zum Thema „Wein.“ Beides klang interessant, aber ich hatte wenig Zeit. Also glich ich beide Angebote mit meiner Strategie ab: Beim Innenminister konnte ich keine Schnittstellen zu meinen langfristigen Zielen feststellen – sicher interessiert mich Politik, aber das ist beim nahenden Abgabetermin für mein Manuskript absolut zweitrangig. Ich entschied mich für den Film, weil ich bereits Erfahrungen im Gastronomie-Marketing gesammelt habe und mir gut vorstellen kann, mal mein eigenes Café zu eröffnen. Das Wissen um den Wein passte also in meine Pläne. Zudem hatte der Film (und das dazu gereichte Glas Chardonnay) einen schönen Entspannungseffekt.

    Wenn man sich genau überlegt, was man will und welches die Kriterien sind, kann man schwierige Entscheidungen eindeutiger machen. Ebenso entkommen wir dem Vakuum und der Dringlichkeitsfalle, da die kurzfristig verlockenden Angebote den langfristig orientierten „Strategie-Test“ bestehen müssen.

     

    Kosten-Nutzen-Aspekte

    Die Kosten-Nutzen-Dimension ist ein sehr einfaches, vielfältig anwendbares Entscheidungs- und Bewertungskriterium: Versuche herauszufinden, was dich eine Entscheidung „kostet“ und was sie dir bringt. Springt letztendlich mehr dabei heraus, als das, worauf du verzichtest, bist du auf dem richtigen Weg.

    Analysiere mit folgender Entscheidungstabelle deine Alternativen: Schreibe zu beiden Varianten deine Pro- und Kontra-Argumente auf. Dinge, die du nicht bewerten kannst, sind interessante Punkte oder „Fragezeichen“, die sich im Laufe der Zeit klären oder neutral bleiben.

     

    Du kannst diese Sammlung auch gewichten (z.B. wenn dir ein Aspekt besonders wichtig ist) oder einfach nach der Menge der Pro- und Kontraargumente auswählen. Das Kriterium bei dieser Methode ist also deine subjektive Bewertung der Vor- und Nachteile („Nutzen und Kosten“) einer Situation.

    Bei der zweiten Entscheidungsmatrix bestimmst du, inwieweit deine Alternativen von dir definierten Kriterien entsprechen, z.B. bei einem Autokauf (Skala von 1-5, 5 ist am besten):

     

     

    Opportunitätskosten prüfen

    Das Opportunitätskosten-Kriterium ist eine große Hilfe bei Entscheidungen. Das Kriterium sind hier deine zur Verfügung stehenden Alternativen („Opportunitäten“). Wir hatten bereits diskutiert, dass Entscheidungen oft Entschlüsse gegen etwas anderes sind und dass man den Preis für eine Entscheidung zahlen muss. Gegen welche Alternative entscheidest du dich? Wie hoch ist der Preis dafür (was gibst du auf)?

    Die Opportunitätskosten des Praktikums in den Sommerferien sind dein entgangener Urlaub. Andersherum sind die Opportunitätskosten des Urlaubs das Praktikum, das Geld und die Erfahrungen, die du machen könntest.

    Opportunitätskosten sind immer zweiseitig betrachtbar, weil man sich immer den Preis der anderen Variante anschaut. Wie viel ist dir welche Alternative wert? Ist der Nutzen der einen Alternative höher als der andere? Dies ist eine subjektive Bewertung, doch sie bringt dennoch Klarheit:

    Die Opportunitätskosten für den Besuch des Seminars sind das entgangene Eis im Sonnenschein. Zum Semesteranfang mag der Genuss des Eis für dich einen höheren Wert haben als die Vorlesung. Kurz vor der Klausur sind die Opportunitätskosten für das Eis enorm hoch: Wenn es die letzte Vorlesung vor der Prüfung ist und der Professor noch ein paar Tipps für die Klausur gibt.

    Den Begriff Opportunitätskosten kann man auch wörtlich nehmen, um finanzielle Entscheidungen zu treffen:

    Du hast z.B. eine Marken-Tankstelle direkt um die Ecke, die im Schnitt 2 Cent teurer ist als die No-Name Tanke, die aber 15 Minuten entfernt liegt. Lohnt sich der Weg? – Das hängt von deinen Opportunitätskosten ab: Hast du z.B. einen flexiblen Job und bekommst für jede Stunde 6 EUR Stundenlohn könntest du in der halben Stunde Mehrweg zur Tankstelle 3 EUR verdienen – du sparst indes nur 60 Cent (30 Liter Tankfüllung mal 2 Cent). Deine Opportunitätskosten sind also 2.40 EUR bzw. die entgangene Freizeit. Ist deine Zeit generell knapp bemessen ist die Entscheidung eindeutig, oder?

     

    Die Zufalls-Methode

    Bei dieser Methode lässt du ganz den Zufall entscheiden: Wirf eine Münze oder würfle deine Entscheidung aus. Diese sehr simple Methode nutzt aus, dass Menschen einmal gefällte Entscheidungen rechtfertigen. Wende diese Methode in Situationen an, in denen es wichtig ist, überhaupt eine Entscheidung zu fällen, als die richtige Entscheidung zu treffen. Einmal entschieden, versuche die positiven Aspekte dieser Entscheidung zu sehen und dich mit ihr anzufreunden. Diese Methode hat noch etwas für sich: Fühlst du dich nach der Zufallsentscheidung sichtlich nicht wohl, weißt du, dass du diese Variante insgeheim nicht wolltest.

     

     

    Die Methode des einfachsten Auswegs

    Je länger ich diese Methode kenne und je öfter ich im Alltag Entscheidungen treffen muss, desto nützlicher erscheint sie mir. Sie hat deine Bequemlichkeit bzw. den geringsten Aufwand als Kriterium. Es gibt bei kleineren Sachen tausend wichtigere andere Sachen zu tun, als sich an Entscheidungen aufzuhalten. Frage dich also: „Was ist die naheliegendste/ einfachste bzw. stressfreiste Lösung?

    Ihr seid in einer fremden Stadt, dein Liebster will ein Eis essen, du willst aber noch weiter shoppen. Aber ein Eis wäre dir auch recht, nur darf es nicht zu lange dauern. Der einfachste Ausweg an dieser Stelle: Einfach das erstbeste Eiscafé auswählen, ohne lange, wie sonst üblich, zu suchen und abzuwägen.

     

     

    Die Ideale-Variante-Methode

    Im Gegensatz zur vorherigen Methode suchst du bei dieser Methode nach der perfekte Variante – in Gedanken jedenfalls. Du malst dir in deiner Phantasie aus, welches die Traumvariante wäre und schreibst diese kurz auf. Dies ist deine Messlatte, an der du die tatsächlich existierenden Alternativen bewerten kannst. Diejenige Alternative, die am nächsten an deine nicht existierende Traumvariante herankommt ist dein Favorit!

    Mein Ideal vom Auslandssemester war, an einer renommierten Uni zu studieren, Englisch zu lernen, sowie reichlich Beach&Party zu genießen. Die UCLA in L.A. verband all dies, doch sie war nach dem Scheitern im Bewerbungsprozess nicht erreichbar. Die am nächsten herankommende Alternative war eine Zweiteilung: Ich ging an die bekannte Uni St.Gallen, mit ihren guten Studien- und Lebensbedingungen (30min zum Bodensee, 1h bis zur Skipiste). Zusätzlich buchte ich eine zulassungsfreie „Summer-Session“ (sechs Wochen) an jener UCLA und hatte in diesen beiden Auslandsstationen die Zeit meines Lebens. Ich war hinterher froh, nicht von meinem Traum abgewichen zu sein und keine unserer unbekannten Partnerunis gewählt zu haben. Das wäre zwar weniger Aufwand gewesen, lag aber wesentlich weiter von meiner Idealvariante entfernt.

    Eine Abwandlung dieser Methode ist die „Das-beste-Zuhause-Methode“. So wie Blumen ihren Platz in einem schön dekorierten Zimmer oder ein Fußballer seinen Platz in seinem Team hat, so hat auch jede Idee ihr Zuhause:

    Du hast z.B. eine super coole Idee für ein Referat, richtig bunt und kreativ. Leider ist der Professor sehr konservativ und mag eher nüchterne Vorträge. Dieses Seminar ist also offensichtlich nicht das beste Zuhause für diese Idee, auch wenn sie zweifelsfrei gut ist.

    Ebenso kannst du nach der gründlichen Exploration deiner Stärken und Schwächen abwägen, welches Arbeitsumfeld/ welcher Arbeitgeber dir das beste Zuhause bietet: Kannst du deine Potenziale gut ausnutzen und wirst du dort als Mensch behandelt und gefördert?

     

     

    Der Über-Nacht-Test

    Mit dem Über-Nacht-Test sind nicht die ausgeweiteten Lernstunden mit der Kommilitonin zu verstehen, sondern der altbekannte Ratschlag, nach einer getroffen Entscheidung erst einmal darüber zu schlafen. Wie fühlt sich die Entscheidung am nächsten Tag an? Kannst du gut damit leben? Oder hast du ein mulmiges Gefühl? Dann musst du noch mal ran und deine Ziele neu ausloten, mehr Informationen sammeln, Ratschläge einholen. Das Prüfkriterium deiner Entscheidungen ist also deine Gefühlswelt.

    Letztendlich nehmen dir diese Gedanken und Hilfsmittel eine schwierige Entscheidung nicht ab, aber sie lenken und fokussieren deine Aufmerksamkeit auf bestimmte Aspekte und Kriterien, sodass du die Entscheidungssituation besser durchdringen kannst. Mit der Zeit werden sich einige dieser Gedanken einschleifen. Du triffst dann wahrscheinlich immer noch keine perfekten Entscheidungen in zehn Sekunden, aber du steigerst dein Niveau bei der Entscheidungsfindung und machst sie nachvollziehbarer.

     

    Entscheidungsfindung ist ein Prozess!

    Entscheiden ist ein Prozess

     

     

    4. Der Entscheidungsprozess

     

     

    Mit diesen fünf Schritten fällst du gute Entscheidungen:

     

    1. Schritt: Die Fragestellung formulieren. Jede Entscheidung bedingt eine bestimmte Frage: Wie lautet diese? Je klarer und präziser du diese Frage formulieren kannst, desto besser. Liste Teilfragen und Bedingungen auf, von denen die Beantwortung der Hauptfrage abhängt.
    2. Schritt: Die Ziele abgleichen. Welche Ziele verfolgst du mit der zur entscheidenden Sache? Wie stehen diese im Zusammenhang mit deinen über­geordneten Zielen? Gibt es verdeckte Ziele, die du anderen nicht gern erzählen möchtest? Hoffst du durch das Auslandsstudium einen flotten Italiener kennen zu lernen? Das ist total legitim (auch wenn du das deinen Eltern nicht erzählen wirst). Wenn du für dich entscheidest, muss das alles auf den Tisch – es schaut dir in dieser Phase niemand zu. Ziele, die du nicht angehst, kannst du auch nicht erreichen!
    3. Schritt: Lösungsmöglichkeiten generieren. Es gibt immer mehr als einen Ausweg für dein Problem: Finde sie! Dies hat viel mit emotionalem Abstand, Auflösung von Mentalen Modellen und Kreativität zu tun. Stehst du im Patt zwischen zwei möglichen Lösungen, finde eine dritte Lösung.
    4. Schritt: Konsequenzen voraussehen/tragen. Welche langfristigen Folgen und Konsequenzen hätte die Entscheidung? Welche Wechsel­wirkungen hat das mit anderen Zielen? An der Höhe der Konsequenzen kannst du auch die Wichtigkeit der Entscheidung prüfen: Sind die Konsequenzen gering oder gibt es nach der Entscheidung noch einen Rückweg? Wenn ja, fällt die Entscheidung leichter.
    1. Schritt: Entscheiden und prüfen. Entscheidungen solltest du zum Abschluss „emotional erden.“ Wie fühlst du dich mit der Entscheidung? Gut? Wenn der Schuh doch etwas drückt, dann musst du noch mal ran. Prüfe die „Notausstiege“ (Backup-Möglichkeiten) der Entscheidung – das nimmt deren Endgültigkeit. Sollte zu irgend­einem Zeitpunkt begründbar das Gefühl aufkommen, die falsche Entscheidung getroffen zu haben, kannst du den Notfallplan aus der Tasche ziehen.

     

     

    Die richtige Entscheidung treffen

    Entscheidungsregeln

     

     

    5. Die besten Entscheidungsregeln

     

    Es gibt tausende von Produkten, unzählige Meinungen und Möglichkeiten.

    In dieser Welt sind wir zu „Multioptionalisten“ geworden: Wir wollen bei den scheinbar unbegrenzten Möglichkeiten am liebsten alle Optionen gleichzeitig haben.

    Wir suchen lange nach der perfekten Lösung, die alle Features oder Möglichkeiten miteinander vereint. Diese gibt es aber meist nur in unserem Kopf, wo sich unsere Erwartungen hochgeschraubt haben.

    Wir vergleichen die tatsächlichen Varianten mit diesem Wunsch-Eifelturm und sind unzufrieden, weil sie diesem fiktiven Standard nicht entsprechen.

    Es gilt, alle Kosten einer Entscheidung (Dauer, Kosten der Informationssuche, zunehmende Unzufriedenheit) zu berücksichtigen; das führt dazu, dass ein Entscheidungsmaximierer sich in Wahrheit mit einer „Gut-Genug-Lösung“
    zufriedengeben müsste.

    Diese Form des Perfektionismus wirkt auch bei Entscheidungen als Zeitbremse. Nur selten gibt es die optimale Lösung. Irgendwann kommt der Punkt, an dem man eine Richtung einschlagen muss. Hier gilt:

    Keep it simple!

    Mit der Zahl der zur Verfügung stehenden Informationen verschlechtert sich die Qualität der Entscheidung! Das jedenfalls sagt eine empirische Gesetzmäßigkeit. Also gilt auch bei Entscheidungen: Unterscheide Wichtiges von Nebensächlichem und beweise Mut zur Lücke!

    Entscheidungsregeln-Golden Rules-Dr Martin Krengel

    Eine effiziente Entscheidung berücksichtigt nicht alle hypothetischen Möglichkeiten. Ein, zwei „Updates“ sind erlaubt, danach führt weiteres Suchen nur selten zu einem besseren Ergebnis. Hast du eine gute Option, die grundsätzlich deinen Kriterien entspricht, nimm sie!


    Regeln zum Entscheidungen treffen

    Die 6 besten Entscheidungsregeln

     

    Einfachster Ausweg

    Bei kleineren Dingen bietet es sich an, die naheliegendste Lösung zu wählen und auf verkomplizierendes Denken zu verzichten.

    Was wäre die einfachste und kostengünstigste Lösung für dein Problem? Ist dein CD-Wechsler ausgefallen, kannst du vielleicht deine Lautsprecher an den Rechner anschließen und Alben digital einlesen. Du sparst die Reparatur und hast deine Musik ab nun überall verfügbar.

    Was brauchst du wirklich?

    Oft werden uns Optionen schmackhaft gemacht, die weit besser sind als das, was wir eigentlich haben wollten oder gebrauchen können (Computer, Handy, Kamera). Welche Funktion war es noch mal, die du wirklich benötigst?

    Kürze ab

    Hierarchisiere die wichtigsten Kriterien. Welche Eigenschaft steht für dich im Vordergrund: Preis? Design? Funktionalität? Größe? Gewicht?

    Höre auf deinen Bauch

    Intuitive Entscheidungen sind nicht unbedingt schlechter als tief durchdachte. Eine emotionale Herangehensweise eignet sich besonders für Entscheidungen des Privatlebens.

    Pro & Kontra

    Der Klassiker: Diese Listen, in denen du die Vor- und Nachteile schnell übersichtlich gegeneinander abwägst. Was sind darüber hinaus interessante Punkte? Welche Fragen musst du noch klären? Diese rationale Methode ist besonders geeignet für komplexere Kaufentscheidungen.

    Gut-genug-Lösung

    Oft sind Lösungen, die nur annähernd dem Ziel dienen, besser als vermeintlich „perfekte“ Entscheidungen: Der Pragmatiker, der diesem Prinzip folgt, würde bei der sprichwörtlichen Suche nach der Nadel im Heuhaufen die Suche beenden, wenn er eine Nadel gefunden hätte.

    Der Perfektionist würde weitersuchen, um die beste Nadel zu finden. Komplexe Probleme beinhalten eine Reihe von Variablen und Unbekannten. Ein Pragmatiker weiß, dass dies eine optimale Lösung wahrscheinlich unmöglich macht. Er wählt daher eine zufriedenstellende Lösung und versucht, den eingeschlagenen Weg dann schrittweise zu verbessern.


    Infos zu den Golden Rules von Martin Krengel

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