Sprachen lernen scheitert oft schon im Ansatz: Wir trauen uns nicht, sind angesichts langer Vokabellisten schnell überfordert und bescheinigen uns kurzerhand die eigene Unfähigkeit. Dabei fehlt es oft nur an dem richtigen Training – ja, ich meine auch körperliches Training. Diese geniale Technik vereint psychologische Erkenntnisse und meine vielfältigen Erfahrungen mit Sprachkursen und Sprachschulen rund um die Welt.

Infografik Sprachen lernen in 6 Monaten - 5 Schritte zur Fremdsprache
Sprachen lernen in 6 Monaten: Wochenplan als Infografik. Schau auch in der „Lernen“-Kategorie vorbei.

Sprachen lernen in 6 Monaten

1. Nobody‘s perfect!

Kleinkinder brabbeln oft ganz schön unverständliches Zeug. Nicht anders geht es uns, wenn wir die ersten Sprachversuche in einer neuen Sprache wagen. Leider beginnen wir mit steigendem Alter, uns für die Unzulänglichkeiten zu schämen und trauen uns dann nicht, die Sprache zu sprechen, bevor wir nicht zu 100% sicher sind.

Dabei ist falsche Scheu der größte Fehler: Kleinkinder lernen gerade weil sie Fehler machen, anschließend korrigiert werden und die Sprache der Erwachsenen nach und nach kopieren. Und hast du schon mal ein Baby ausgelacht, weil es genuschelt hat? Ebenso wenig wird dich ein Einheimischer auslachen, wenn du mit Händen und Füßen nach dem Weg fragst. Meine Erfahrung zeigt, dass es sogar eher noch Sympathien weckt.

Deshalb Fakt Nr. 1: Wir machen uns zu viele Sorgen über Fehler. Eigne dir die Basics an und stürme drauf los. Pfeif am Anfang auf perfekte Aussprache der Vokabeln, korrekte Konjugationen und Deklinationen. Wer Fehler findet, darf sie behalten 🙂

Mach dich bereit für den „Sprachen lernen“-Workout

2. sprache = Körper

Achtung, schockierende Neuigkeit: fremde Sprachen hören sich ungewohnt an. Alles klingt in etwa gleich unverständlich. Was lernen wir daraus? Ohr und Wahrnehmung müssen sich erst auf die neuen Klänge einstellen. Die feinen Härchen im Gehörkanal und die weitere kognitive Verarbeitung werden im wahrsten Sinne des Wortes physisch trainiert, wenn wir uns auf eine neue Sprache einlassen.

Wusstest du, dass beim Sprechen 43 Muskeln im Gesicht aktiv sind? Das bedeutet im Umkehrschluss, dass auch das Vokabular und die Aussprache auf eine besondere Weise kodiert sind. Deshalb ist das Gehirn – im Grunde auch nur ein Muskel – anfangs überfordert, neue Laute in einer anderen als der gelernten Sprache zu formen. Auch das will gelernt sein!

Daraus folgt Fakt Nr. 2: Ohne die richtige körperliche Vorbereitung fällt es schwer, die neue Sprache zu lernen. Spitz die Ohren und trainiere deine Sprachmuskulatur.

7 Schritte zum Fremdsprachen lernen

Bootcamp: 7 Schritte

Du willst sofort loslegen? Kein Problem, hier kommen 7 Schritte für deine eigene Sprachakademie:

  1. Sei ein Schwamm: Setze dich der fremden Sprache wann immer möglich aus. Nutze die Medien der neuen Sprache (Radio, TV, Youtube), lausche im Ausland bei Gesprächen und blättere die Zeitung durch. Dadurch bekommst du ein Gespür für die Sprache – ganz egal, wie viel du verstehst.
  2. Kontextualisiere: Fokussiere auf den Sinn bzw. die Botschaft, nicht die einzelnen Vokabeln. Vieles erschließt sich durch Körpersprache (Mimik und Gestik), Tonfall oder Bilder und Videos. Das geht besonders gut bei Filmen, da hier eine Menge unterschiedlicher Sinne angesprochen werden, die die Handlung noch besser übertragen.
  3. Kombiniere: Schon mit 10 Verben, 10 Substantiven und 10 Adjektiven kannst du 1000 (!) mögliche Kombinationen sagen – das ist witzig und muss nicht immer Sinn machen. Dadurch bekommst du ein Gefühl für die (Aus-)Sprache und Sprachmelodie. „You understand beautiful.“ Quatsch mit Sauce, funktioniert aber.
  4. Realisiere: 85% aller Konversationen auf Englisch spielen sich mit gerade mal 1000 Wörtern ab, mit 3000 Wörtern werden 98% aller Unterhaltungen geführt! Du brauchst also nicht erst das Wörterbuch auswendig lernen, um fit für gewöhnliche Gespräche zu sein.
  5. Kontakte: Such dir Spracheltern oder Sprachtandems: Analog zur Baby-Eltern-Beziehung ist es hilfreich, mit Muttersprachlern zu sprechen – diese sollten dich mögen und ein Interesse daran haben, dass du die Sprache lernst. Beachtet folgende Regeln:
    1. Die Person versucht wirklich dich zu verstehen; auch wenn du totalen Quatsch sagst.
    2. Die Person korrigiert dich nicht, sondern wiederholt das Verstandene in korrekter Sprache.
    3. Die Person nutzt Wörter, die du kennst oder kann neue Wörter verständlich erklären.
  6. Kopiere das Gesicht von Muttersprachlern für die perfekte Aussprache und Betonung. Beobachte sie, wie sie sich beim Reden bewegen (Mimik, Gestik), kopiere dies und trainiere so die Muskeln.
  7. Kodiere: Nutze mentale Bilder (vgl. Bestnote: Kodieren) statt plumper Wiederholungen à la 37 x „fire = Feuer“. Dadurch verbindest du die Vokabel mit einer konkreten Vorstellung (Geruch, Bild, Knistern). Chris Lonsdale (der Typ aus dem Video unten) nennt das „same box, different path“: deine Vorstellung von „fire“ und „Feuer“ ist dieselbe, nur der Weg dorthin ist ein anderer.

Sprachen lernen: same box different path


In 7 Schritten zur neuen Sprache

ZUsammenfassung

Diese großartige Technik zum Sprachen lernen basiert auf zwei einfachen, sprachwissenschaftlich fundierten Erkenntnissen: wir machen uns oft zu viele Sorgen über unsere Fähigkeiten und gehen zu mechanisch an die Sache heran. Dabei bringt es langfristig nichts, stur Vokabeln zu pauken. Viel wichtiger: Sei glücklich, entspannt, neugierig beim Lernen & toleriere Schwächen und Unperfektheiten.

Die 7 Tipps im Schnelldurchlauf:

  1. Sei ein Schwamm: Begib dich in die richtige Umgebung und sauge alles auf, was geht.
  2. Kontextualisiere: Verstehe den Sinn, nicht jedes einzelne Wort.
  3. Kombiniere: Würfel alle Wörter, die du schon kennst, wild durcheinander.
  4. Realisiere, dass dein Wortschatz nicht übermäßig groß sein muss, um eine normale Unterhalten zu führen.
  5. Kontakte: Finde Sprachpartner, die dich coachen können.
  6. Kopiere Verhalten und Bewegungen von Muttersprachlern.
  7. Kodiere neue Wörter mit mentalen Bildern statt sie plump zu wiederholen.

 

Der Artikel wurde inspiriert durch einen Vortrag von Chris Lonsdale (Psychologe und Buchautor, u.a. The Third Ear – You Can Learn Any Language)

Wenn dir der Artikel gefallen hat und du nun gern noch das Video sehen würdest, würde ich mich sehr über eine Weiterempfehlung bei Facebook / Twitter / Google+ freuen. Danach wird das Video automatisch freigeschaltet:



Kategorie: Sprachen lernen | Artikel von | am 29.10.2014


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