Selbstdisziplin lernen: Entwickle Durchhaltevermögen und steigere deine Motivation und Ausdauer | 6 Punkte + 5 Übungen

Selbstdisziplin in eine sehr wichtige Tugend um Projekte, Studien und deine Arbeit mit Erfolg abzuschließen. Viele fangen voller Ehrgeiz und Mut an und verlieren dann schnell die Energie und den Elan. Lies dir diesen Artikel durch, um dein Selbstbewusstsein und deine Selbstdiziplin zu stärken und länger, motivierter und konzentrierter an deinen Präsentationen, Texten, Konzepten, Hausarbeiten, Hausaufgaben etc. dranzubleiben.

Selbstdisziplin lernen: Las uns starten …

Sieh dir mal den armen Kerl dort unten links in der Skizze an.

Er hat ehrgeizige Ziele. Er möchte den Gipfel erklimmen. Er hat aber keine Erfahrung im Bergsteigen und ist nun ziemlich entmutigt, als er von unten den übermächtig langen und steilen Weg zum Ziel sieht.

Wird er es schaffen? Ich sage ja, wenn er ein paar Prinzipien verfolgt, die wir als „Hartnäckigkeit“ bzw. Selbstdisziplin bezeichnen können.

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Selbstdisziplin ist leicher in kleinen Etappen

1. Schritt für Schritt

Keiner sagt, dass du in Null-Komma-Nichts auf den Berg spurten musst. Es ist klar, dass dir da die Puste ausgeht oder du stolperst. Du musst dich also in kleinen, überschaubaren Etappen vorwärts tasten. Große Dinge ent­stehen nun mal nicht an einem Tag!

  • Beim Turnen musste ich ein Element wiederholt üben bevor ich es geschafft hatte, meinen Geist und meine Muskulatur erfolgreich miteinander kommunizieren zu lassen. Es ist selbstverständlich, dass man das neue Element innerhalb von einer Trainingswoche noch nicht perfekt beherrscht. Oft schafft man gerade mal die Vorübung, die das Erlernen des eigentlichen Elementes erst ermöglicht.

Beim Lernen wird man oft unzufrieden, wenn man merkt, viele Dinge schnell wieder zu vergessen. Das muss nicht sein. Zwar kann man den Lernfortschritt nicht so eindeutig wie das Training beobachten, doch der Prozess ist annähernd derselbe. Nur durch Wiederholungen, Berichti­gungen der Technik und andere Heran­gehensweisen erschließt und festigt sich der Lernstoff.

Deswegen:

Übe dich zunächst an kleineren Herausforderungen.

Über kleine Schritte und einzelne Erfolgserlebnisse kommt man leichter und sicherer ans Ziel, als von einer totalen Überforderung traumatisiert zu werden. Die Amerikaner sagen dazu: „Walk before you run.“ Wenn du auf einer Entwicklungs­stufe von „2“ stehst, kannst du nicht sofort auf die „5“ springen, ohne vorher die Stufen „3“ und „4“ durchlaufen zu haben.

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Selbstdisziplin lernen heißt, zu lernen immer wieder neu anzufangen

2. Dranbleiben, den Faden nicht abreißen lassen

“Steter Tropfen höhlt den Stein“ – Treffender kann man dieses Prinzip nicht formulieren. Nur, wenn du dich gegen Widerstände und Rückschläge durchsetzen kannst, dich nicht entmutigen lässt und dich an Dingen, die du wirklich willst, festbeißt, wirst du langfristig Erfolg haben. Wir würden kaum einen langwierigen Prozess durchstehen, kaum ein kompliziertes Problem lösen, wenn wir keinen starken Willen hätten, unsere Ziele zu erreichen und gleichzeitig die Zähigkeit besäßen, Rückschläge in Kauf zu nehmen. Was wäre ein Leistungssportler, ohne den eisernen Willen zu gewinnen? Er kennt die Höhenflüge, den Überoptimismus und die Rückkehr zur Realität. Er hat Rückschläge und Stillstände hingenommen, weil er weiß, dass er am Ende dafür belohnt wird.

Jeder Student kennt solche „Wettkampfvorbereitungen“: Tage an denen man sich im Kreis dreht, Zeiten in denen man Angst vor dem Tag X hat, die Nervosität, aber auch das zufriedene Gefühl, etwas gelernt oder ein gutes Resultat erzielt zu haben

  • Manche Tage entpuppten sich nach denkbar schlechten Start als überraschend produktiv, obwohl ich ihn als Arbeitstag schon aufgeben hatte. Ich setzte mich aber immer noch mal an den Schreibtisch, weil ich dachte: „Jetzt versuchst du wenigstens noch einmal für zwei Stunden etwas rauszuholen, dann kannst du Feierabend machen.“ Und diese zwei Stunden lohnten sich meistens bzw. wurden doch zu einigen Stunden produktiver Arbeit. Und das nur, weil ich nicht gleich aufgegeben hatte!

 


Selbstdisziplin lernen heißt auch, ab und an loszulassen und durchzuatmen.

3. Motivationsschwankungen akzeptieren

Ich habe mich immer gewundert, warum ich trotz konkreter Ziele und einem starken Willen immer wieder mit Motivationsschwankungen zu kämpfen hatte. Ich war dann unzufrieden und habe an mir selbst gezweifelt. Bis ich mir den Zusammenhang aufgezeichnet und folgendermaßen erklärt habe:

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Der Wille ist die Anschubsenergie, die uns vorwärts treibt. Während ein Ziel die Richtung beschreibt und uns vorwärts „zieht.“ Das die nicht jeden Tag kontinuierlich verläuft gehört zum Prozess und sollte nicht beunruhigen.

Ist das Ziel einmal definiert, bestimmt es die Richtung unseres Handelns. Der Wille und das Committment (die Verpflichtung) treiben uns an, auf der gedachten Linie voranzukommen. Aus dem Ziel und dem Willen entsteht die Motivation (aus dem lat. „movere“ für Bewegung), die uns in Richtung des Ziels in Bewegung setzt. Allerdings ist dies nur eine gedachte Luftlinie. Es ist eher die Regel als die Ausnahme, dass man von dieser Geraden abweicht: Bei einem Teilerfolg glauben wir, den Kern unseres Projektes erfasst zu haben oder jubeln, wenn wir eine sehr positive Rückmeldung. Unsere Motivation steigt und wir glauben dem Ziel einiges näher zu sein. An anderen Punkten des Prozesses ist es genau umgekehrt: Wir merken, dass wir auf eine falsche Fährte gekommen sind oder es tun sich Fallstricke auf, die vorher nicht absehbar waren. Unsere Motivation sinkt. Außerdem ist unser Gefühlszustand stark von unserer Tagesform abhängig. Mein Großvater, gleichzeitig mein Trainer, sagte immer, wenn ich hoch motiviert ins Training ging und mir die Turnelemente dennoch nicht gelangen: „Es ist nicht jeder Tag gleich.“ Er unterstrich damit, dass man Geduld braucht, bis man Lernfortschritte erzielt.

Sowohl dein Ergebnisfortschritt als auch deine Motivation sind ganz natürlichen Schwankungen unterworfen. Akzeptierst du dieses Bergauf- und Bergabsteigen, wirst du ausgeglichener und geduldiger an deiner Aufgabe arbeiten können. Es hilft dir, an guten Tagen nicht übermütig zu werden und an schlechten Tagen nicht an deinen Zielen/Willen zu zweifeln. Nur wenn du regelmäßig an der Sache arbeitest, glättest du diese Schwankungen – das gibt Halt und ermöglicht dir, die Richtung beizu­behalten, unabhängig von deiner aktuellen Motivation oder dem Fortschritt des Projekts.

 


Die Selbstdisziplin wird leichter, wenn du flexibel auf deinem Weg bleibst

4. Versuch & Irrtum

Mit Hartnäckigkeit ist nicht Sturheit gemeint. Man muss sensibel und experimentierfreudig bleiben, um neue Wege ausprobieren zu können oder eine andere Stelle im Berg zu finden, an der man besser hochklettern kann. Es ist wie bei einem „störrischen“ Nagel, der nicht so recht ins Holz gehen will. Vielleicht liegt es daran, dass du den Hammer falsch hältst. Vielleicht solltest du einen anderen Nagel nehmen. Eventuell ist gerade ein Astloch im Holz, dann setze den Nagel ein paar Zentimeter weiter links oder rechts an. Das Wichtigste: Hör nicht auf, das Holz zu bearbeiten!

 


Selbstdisziplin lernen heißt auch, zu verstehen, dass es mal hakt

5. Den Status quo akzeptieren und Schlüsse daraus ziehen

Manchmal klappt es nicht gleich beim ersten Anlauf. Wir schaffen es einfach nicht weiter zu kommen. Da hilft nur eine Pause und weiter trainieren:

  • Ich wurde nach einem Auswahlverfahren für ein Stipendium abgelehnt, was hart für mich war. Im Nachhinein musste ich aber erkennen, dass ich damals einfach noch nicht so weit war, um die Kriterien zu erfüllen: Die Noten noch mäßig, meine Ziele diffus und die Selbstpräsentation kläglich. Zurückblickend würde ich heute eingestehen, dass ich mich auch nicht genommen hätte. Doch ich habe aus diesen Fehlern gelernt und habe es nochmal bei einer anderen Stiftung probiert – mit Erfolg.

Rückschläge, wie bei Bewerbungen, sind oft ein Fall des „noch nicht so weit seins“: Es ist gut möglich, dass du gegenwärtig nicht die gesuchten Qualifikationen mitbringst oder dass andere einfach besser sind, weil sie vorbereiteter oder erfahrener sind. Aber auch du kannst dich für die nächste Chance vorbereiten und Erfahrungen sammeln. Es gibt fast immer eine zweite Chance, nutze sie!

 


Selbstdiziplin lernen heißt Geduld lernen

6. Prozessdenken bei Unzufriedenheit: Das „Asia-Prinzip“

Viele Aufgaben sind so komplex angelegt, dass man sie nicht in einem Schwung lösen kann. Gib dem Prozess eine Chance. Wir Deutschen suchen eher nach Sicherheit und festen Strukturen, an die wir uns gern klammern. Asiaten betrachten dagegen den „Weg als das Ziel“ (Marshak 1993). Diese buddhistische Auffassung erkennt den ständigen Wandel der Umwelt an und besagt, dass man nur durch permanente Veränderung vorwärts kommt. Dazu gehören auch Abschweifungen, Schleifen und scheinbare Rückschritte. Also sei nicht zu hart mit dir, wenn du an einem Tag nicht viel geschafft hast. Frag dich lieber, was dich morgen weiter­bringen könnte!

 

Selbstdisziplin lernen: Die besten Übungen

5 gute Übungen, um Selbstdisziplin zu lernen

Hartnäckigkeit ist nicht unbedingt eine Frage des Charakters. Sie ist lern- und trainierbar. Hier ein paar kleine Anregungen und Übungen:

  1. Konzentriere dich auf deine Ziele: Dies wird dir den notwendigen inneren Antrieb geben, um bei Gegenwind nicht aufzugeben. Werde dir über deine Ziele und Motive klar. Diese intrinsische Motivation ist das Feuer, das in dir brennt und deine Maschine mit Energie versorgt. Bist du hingegen nur von außen (extrinsisch) motiviert, ist es schwerer, deine Ziele zu erreichen. Deswegen werden wir uns im Teil B intensiv mit deinen Zielen befassen.
  2. Hartnäckigkeit ist Selbstdisziplin und Konsequenz: Produktive Leistung ist nur möglich, wenn du dich auf das Wichtigste konzentrierst und dich daran abarbeitest, bis es erledigt ist. Wenn du deine Arbeit immer wieder unterbrichst, benötigst du ständig neue Anschubsenergie und deine Konzentration wird unweigerlich sinken. Durch diszipliniertes Arbeiten erreichst du ein schnelles sowie quantitativ und qualitativ gutes Ergebnis.
  3. Commitments: Einen starken Willen zu haben, heißt „Commitments“ (Verpflichtungen) an sich zu stellen: Zur Verwirklichung deiner Ziele musst du Opfer bringen. Fallen sie dir schwer, dann schreibe sie auf und stelle sie dir als Belohnung nach Erreichung deines jetzigen Zieles in Aussicht!
  4. Nicht aufgeben! Stattdessen neue Blickwinkel einnehmen: Nimm dir vor für eine Sache einzustehen, auch wenn deine Motivation nachlässt. Suche nach Möglichkeiten, Sprungfedern oder helfenden Händen, die dich aus dem Motivationsloch herausholen. Der Rat eines Freundes ist z.B. meist objektiver und kann dir helfen, einen neutraleren Standpunkt einzunehmen.
  5. Die Schwierigkeiten im Blick: Was sind die größten Herausforderungen, die du zu bewältigen hast? Erstelle eine Liste. In welchen Bereichen fühlst du dich entmutigt oder unsicher? Wo musst du derzeit besonders hartnäckig sein?

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Was Erfolgreiche von Erfolgslosen unterscheidet, ist vor allem die Fähig­­keit, länger auszuharren und Rückschläge besser weg­stecken zu können.

 

Zum Weiterlesen:

 









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