Mehr verstehen – clever lernen: Mit den richtigen Lesetechniken kannst du ein Buch in einer Stunden lesen, verstehen und zusammenfassen. Probier´s aus!

Lesetechniken – das hört sich für dich langweilig an? Kann ich schon verstehen. Eine neue Technik zu erlernen bedeudet schließlich immer, Zeit und Mühe zu investieren, bevor man die Früchte ernten kann. Aber ich verspreche dir: Es lohnt sich! Mit den Lesetechniken, die ich dir in diesem Artikel vorstelle, wirst du dir langfristig nicht nur viele Stunden und die ewige Plackerei sparen, sondern auch noch bessere Prüfungsergebnisse erzielen!

Wozu brauche ich Lesetechniken?

Der größte Lese-Irrtum

Die Tugend „Eins nach dem anderen“ liegt uns so im Blut, dass wir sie nicht hinterfragen. So gehen wir auch beim Lesen sehr geradlinig und schrittweise vor. Dieses „lineare“ Lesen vom Beginn bis zum Ende hat Nachteile: Wie unser Wanderer beginnt man mit einer ziellos-zähen Reise durch das Buch. Man will alles verstehen. Bald ist der mentale Speicher voll, das Verständnis sinkt. Man hat das Gefühl, auf der Stelle zu treten. Man macht eine Pause. Leider ist absehbar, dass es nicht bei einer „kurzen Pause“ bleibt: Ohne Aussicht auf Erfolg wird man sich nur schwer wieder aufraffen und schiebt die unangenehme Aufgabe vor sich her.

Einen Text von vorn bis hinten gründlichst zu lesen ist keine gute Idee. Statt linear müssen wir den Text hierarchisch lesen. Dies funktioniert über mehrere Lesedurchgänge, die wie bei einem Tagebau Schicht für Schicht freilegen. In der Regel muss man einen Fachtext mindestens drei Mal lesen, um ihn wirklich zu verstehen. Das erste Lesen (eher ein Blättern) dient dabei dem Überblick, das zweite, zügige Lesen soll Verständnis schaffen, das dritte Lesen erschließt dann die wichtigsten Textstellen im Detail (und nur die).

Die besten Lesetechniken Teil 1

Schnelleres Verständnis durch mehrmaliges Lesen

Was das Lesen schwierig macht, ist ein perfektionistischer Anspruch: Man klammert sich an jedes Wort und möchte den Text zu 100 Prozent verstehen. Dies ist aber bei Fachliteratur gar nicht möglich! Publikumszeitschriften, Romane und Sachbücher werden von Lektoren auf Leseverständnis getrimmt. Es werden einfache Worte gewählt und fehlende Hintergrundinfos erklärt. Ein Wissenschaftstext bietet diesen Komfort nicht. Professoren haben oft weder Zeit noch Interesse daran, ihn in Hinblick auf Verständlichkeit zu optimieren. Lektoren können den Schreibstil kaum verbessern, weil sie den Inhalt selbst nicht verstehen. Zudem sind Fachtexte ungleich schwerer zu verstehen als „normale“ Texte – sie sind gespickt mit Fachvokabular, Details, theoretischen Konstrukten und Neuem. Das überlastet das Gehirn, selbst wenn man noch langsamer lesen würde.

Lesen wir in mehreren Runden, sparen wir Zeit für das mühevolle erste Lesen. Infos werden besser gespeichert, weil das Gehirn ohnehin Wiederholungen braucht: In meinem Leseseminar sind die Teilnehmer anfangs verunsichert, wenn sie Texte schneller als gewohnt lesen sollen. Sie fühlen sich unwohl, wenn sie nur noch die Hälfte verstehen (das ist nur anfangs so). Dann lasse ich sie einen ähnlichen Text noch einmal gründlich lesen. Sie sollen angeben, wie viel Prozent sie von dem Text verstanden haben. Es sind selten mehr als 70 Prozent. Was passiert nun im Laufe der Zeit? Nach 24 Stunden kann man nur noch 20 bis 30 Prozent des Inhalts wiedergeben. Das gründliche Lesen hat nichts genutzt! Und was sind das für Infos? Sind das Namen, Fakten, Details, auf die man peinlich genau achtet beim Lesen? Nein. Es sind Eckpunkte: Worum geht es? Wesentliche Themen. Markante Beispiele. Eben Dinge, die dem Global Picture gleichkommen. Das Gehirn merkt sich zuerst das Raster, einen Grobüberblick.

Die besten Lesetechniken Teil 1

Man kann einen Text nicht sofort verstehen. Wir halten uns zu lange am Detail auf, ein Text kann auch von hinten verstanden werden. Vieles klärt sich durch nachfolgende Beispiele, Anwendungen, erneute Erklärungen.

Als Wissens-Entdecker bist du in einem ständigen Lernprozess: Kolumbus & Co. hatten früher auch keine perfekten Landkarten. Aber auch die ersten Landkarten halfen bei der Orientierung, selbst wenn sie ungenau waren. Mit jeder Expedition wurden die Karten dann genauer und verlässlicher. Du musst ebenfalls deine Lernkarten beständig aktualisieren.

In drei Schritten zum besseren Textverständnis

Schicht für Schicht zur Goldader

  1. Leseschicht: Texte vorstrukturieren

Ziel der ersten Leserunde ist es, Kernaussagen zu identifizieren und Fragen für das weitere Lesen zu generieren. Blättere das Buch bzw. den Text einmal durch, lies Überschriften, interessant erscheinende Passagen und sieh dir die Schaubilder an. Gibt es Zusammenfassungen? Markiere beim Durchblättern wichtig erscheinende Textstellen, streiche offensichtlich Nebensächliches weg.

Durch den Überblick fällt es leichter, Wichtiges von weniger Relevantem zu unterscheiden und man kann sich eher trauen, ganze Passagen, Argumente und Beispiele zu überspringen, wenn man die Kernaussage verstanden hat. So lernt man auch zu selektieren – überlebenswichtig in jeder Klausur.

Wo findet man die wichtigen Textstellen?

Texte vorstrukturieren

  1. Leseschicht: Texte verstehen

Nun suchen wir tieferes Verständnis. Dabei zählt nicht, wie etwas gesagt wurde, sondern was gesagt wurde. Unser Gehirn speichert keine konkreten Begriffe, sondern Propositionen – Bedeutungsfragmente, aus denen es hinterher wieder eine Geschichte rekonstruiert. Sicher geht es dir manchmal so, dass du einen tollen Spruch im Kino hörst, hinterher kannst du ihn aber nur noch sinngemäß nacherzählen.

Klebe nicht an Formulierungen, sondern überlege, was damit gemeint ist.

Zudem folgt die Sprache linguistischen Gesetzmäßigkeiten: Eine Sinneinheit wird in einer Wortgruppe kodiert, eine Aussage in einem Satz. Beim Schreiben ist das ähnlich. Es gilt die Schreibregel:

Ein Satz = ein Gedanke. Wenn in einem Satz mehrere Gedanken enthalten sind (durch Neben- und Schachtelsätze), wird das Verständnis erschwert.

Ein Absatz = ein Gedankengang. Ein Absatz beginnt meist mit einer Aussage, die dann mit Aufzählungen, Argumenten, Beispielen, Statistiken, Fakten oder Überlegungen untermauert wird. Beginnt ein abweichender Gedankengang, folgt ein neuer Absatz oder dieser wird klar durch ein Einleitungswort wie „jedoch“, „einerseits … anderseits“, „aber“ etc. gekennzeichnet.

Texte verstehenDas zentrale Element zum Verständnis ist deswegen der Absatz. Kannst du nachvollziehen, was die Kerninformation ist, die in diesem Absatz steckt? Trenne diese von den konkreten Worten, formuliere sie in deinem Kopf neu, bringe sie prägnant in deiner Sprache auf den Punkt.

Wir müssen uns von den einzelnen Worten, den „Daten“, lösen und diese zu einer „Information“ umformen. Oft bleibt dabei pro Absatz nur eine zentrale Aussage bzw. Argument übrig. Durch die Verdichtung zu Informationen wird auch die Menge reduziert.

  1. Leseschicht: Texte verarbeiten

Im nächsten Schritt werden die Informationseinheiten weiter zusammengetragen, in Gruppen gebündelt, sortiert und voneinander abgegrenzt. Es entsteht ein strukturiertes Bild des Inhalts in deinem Kopf bzw. noch besser in Form einer Strukturkarte.

Schließe einen Leseschritt immer mit einem „persönlichen Fazit“ ab – das sind wenige Sätze zu dem, was im Text steht, und was du für dich daraus gezogen hast. Es ist eine höhere Form des Wissens, ein Standpunkt, den du selbst gebildet hast. Schreibe dieses Fazit auf die erste Seite des Textes, dann hast du beim wiederholten Lesen sofort einen Anschluss. Sonst ist dieser schöne Aha-Effekt bereits nach wenigen Tagen weg.

Die besten Lesetechniken Teil 2

Schwere Texte enttarnt

Der Sprachgebrauch ändert sich in der Fachsprache: Es wird nicht alles teurer, sondern „inflationiert“. Du borgst dir nicht einfach Geld, sondern wirst „Kreditor“. Du schaust nicht nur in den Geldbeutel, was du dir leisten kannst, sondern ziehst eine „Bilanz“. Dieser andere Sprachgebrauch erschwert das Verständnis. Deswegen musst du den Text zurückübersetzen. In deinem Kopf ist von nun an ein innerer Dolmetscher damit beschäftigt, das Autorendeutsch in deine Sprache zu übersetzen. Unterscheide dafür Fach- von Fremdwörtern:

Gewisse Fachwörter braucht jeder Text. Ein Fachwort bezeichnet ein klar definiertes Konzept und meint so eine ganze Reihe von Dingen, bei denen es eine „deutsche“ Entsprechung nicht 1 : 1 gibt. Je mehr Hintergrundinformationen du kennst, desto leichter ist das Verständnis. Das Beste, was wir tun können, ist, Fachwörter zu klären und eine kleine „Vokabelliste“ anzufertigen und beim Lesen neben den Text zu legen.

Fremdwörter sind hingegen Verständnisräuber, die enttarnt werden müssen. Es sind formeller und „wissenschaftlicher“ klingende Worte, für die es auch ein einfacheres deutsches Wort gibt, z. B. „ergründen“ statt „elaborieren“, „nachdenken“ statt „sinnieren“ oder „verschieben“ statt „aufsparen“.

Der innere Dolmetscher in Aktion

Versuchen wir uns an einer Definition der „Kognitiven Dissonanz“:

„Begriff der psychologischen Theorie über die Verarbeitung relevanter Informationen nach einer Entscheidung. Die Theorie geht von dem Sachverhalt aus, dass gelegentlich Informationen ausgewählt werden, die eine getroffene Entscheidung als richtig erscheinen lassen, während gegenteilige Informationen abgewehrt oder nicht beachtet werden. Dissonanz heißt sowohl die Nichtübereinstimmung bzw. Unvereinbarkeit zwischen verschiedenen Wahrnehmungen, Meinungen oder Verhaltensweisen als auch die daraus abgeleitete Spannung (z. B. ein Unlustgefühl). Gemäß der Theorie der kognitiven Dissonanz besteht im Individuum eine starke Tendenz (eine Motivation), nicht miteinander übereinstimmende kognitive Elemente zu vermeiden, das heißt, die erlebte kognitive Dissonanz zu reduzieren.“

Uh, da nimmt es aber einer genau! Lass uns den Brocken auseinandernehmen:

Mit den richtigen Lesetechniken schwere Texte enttarnen

Wir sehen: Der größte Teil der Definition ist reines Sperrgut. Kognitive Dissonanz hingegen ist ein Fachwort, das einen gedanklichen Konflikt beschreibt. Ich habe z. B. ein Produkt gekauft und bin nicht zufrieden. Die Folge: Entweder ich gebe es zurück oder ich rede mir ein, dass es doch bei dem Preis gar nicht so schlecht sein kann. (Denk an deine letzten gekauften Schuhe.) In beiden Fällen wird der Konflikt beseitigt.

Neben der Vereinfachung ist die Analyse und die Klärung von Fremdwörtern ein zweiter Weg, schwierige Sätze zu enträtseln. Nehmen wir ein Beispiel aus der Biologie:

„Der Hypothalamus sorgt für die Homöostase des inneren Milieus und dient der Regulation der zirkadianen Rhythmik!“

Wir folgen hier drei Schritten:

Schritt 1. Fremdwörter entschärfen (durch googeln).

„Der Hypothalamus (Teil des Gehirns) sorgt für die Homöostase (Gleichverteilung) des inneren Milieus (‚Raumklima’) und dient der Regulation der zirkadianen Rhythmik (täglicher Rhythmus).“

Schritt 2. Mit eigenen Worten formulieren. 

Der Teil des Gehirns, den man Hypothalamus nennt, sorgt für ein angenehmes, gleichmäßiges Zellklima und reguliert die Körperfunktionen.

Schritt 3. Rückschluss auf das Original.

Habe ich mir die Definition, Formel oder den Text mit eigenen Worten erklärt, kann ich nun die Fachwörter oder Formelzeichen wieder einfügen. Der verstandene Sinn schafft die Struktur, die nun wieder ausdifferenziert werden kann.

Im Extremfall hilft es, hinter jeden Absatz oder Satz auf Deutsch hinzuschreiben, was er bedeuten soll. Mühsam, aber wirkungsvoll.


Mehr verstehen clever lernen Mit den richtigen Lesetechniken kannst du ein Buch in einer Stunden lesen, verstehen und zusammenfassenIch hoffe, dass meine ultimativen Lesetechniken dir nicht nur das endlose Wälzen dicker Schinken ersparen werden, sondern dass du das Lesen mit neuen Augen betrachten wirst! Als zusätzliche Motivation kannst du hier ein PDF runterladen, in dem ich dir zeige, wie eine Power-Lese-Session funktioniert.

Noch mehr Lerntipps und Tricks findest du in meinem Buch „Bestnote: Lernerfolg verdoppeln, Prüfungsangst halbieren“.

Ich wünsche Dir bei deiner Prüfung / Klausur / Referat viel Erfolg!

Dein Dr. Martin Krengel








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