Wiederholen leicht gemacht / Weniger ist mehr: 3 Tipps für mehr Spaß und Abwechslung beim Wiederholen

Unser Gehirn lässt sich leider nicht wie ein Muskel trainieren: Stumpfes Wiederholen bringt nicht viel. Abwechslung ist das Zauberwort!

Nun muss der Stoff angewandt, mit Beispielen gefestigt und geübt werden: Hier ist schnelles Rechnen gefragt, dort muss das Referat auf den Punkt sitzen. Deswegen ist der Begriff „Training“ eine bessere Bezeichnung für diesen Prozess als „Wiederholen“. Das verdeutlicht den aktiven Teil dieser Lernphase – ödes, passives Lesen deiner Notizen kannst du dir sparen.

In diesem Artikel zeige ich dir meine drei besten Tipps für mehr Spaß und Abwechslung beim Wiederholen!

Wiederholen leicht gemacht

Wann und wie oft muss ich wiederholen?

Unsere Nervenzellen sind durch Synapsen verknüpft. Diese übertragen elektrische Impulse von Zelle zu Zelle. Wenn ein Neuron „feuert“, ändert sich der chemische Zustand in der Synapse und die Reizschwelle wird herabgesetzt. Die Synapse wird dadurch sensibler: Je öfter die Synapse Informationen überträgt, desto wahrscheinlicher wird es, dass sie es wieder tut. Diese gesteigerte Sensitivität zwischen den Neuronen ist Lernen im biologischen Sinne. Das ist wie in einem Dschungel: Zunächst ist es hart, einen Weg durch das Dickicht zu finden. Mit jedem Mal werden die Trampelpfade passabler. Die Trainingsphase befestigt diese Pfade und macht Schnellstraßen daraus.

Wann und wie oft muss ich wiederholen?

Ein Lernforscher zeichnete schon 1885 Selbstversuche für die Erinnerung von auswendig gelernten (sinnlosen) Silben auf. Hier wird deutlich, dass wir schnell relativ viel vergessen, dann flacht die Vergessenskurve ab. Zeitnahes Wiederholen macht also Sinn. Eine Faustregel ist es, das Gelernte nach

Minuten | 1 Stunde | 1 Tag | 1 Woche | 1 Monat | 1/2 Jahr

zu wiederholen. Diese Regel muss nicht akribisch eingehalten werden. Wichtig ist, dass du früh anfängst, um Zeit für die Festigung zu haben. Man schätzt, dass man Lernstoff etwa sechs Mal Wiederholen muss, um im Langzeitgedächtnis gespeichert zu werden. Deswegen haben wir in unserem Progress-o-Meter ja auch mehrere Verarbeitungsschritte definiert. Sollten diese noch nicht reichen, kommen nun weitere Anregungen, um das Speichern zu erleichtern.

Mehr Abwechslung beim Wiederholen

Erzeuge ein Varieté im Kopf!

Den Stoff immer wieder auf dieselbe Weise reinzustopfen, ist langweilig und führt nur zu einer flachen Verarbeitung. Je mehr Methoden und Blickwinkel wir beim Lernen nutzen, desto mehr Zugang schaffen wir uns zu dem Wissensschatz. Auch beim geistigen Training gilt: je aktiver, lebhafter, emotionaler, desto eher bleibt es hängen. Abwechslung macht Spaß und beugt Ermüdung vor.

Wir können auf verschiedenen Ebenen variieren:

Wiederholen mit Abwechslung1. Orte wechseln

  • Orte sind Gedächtnisanker. Wir speichern automatisch Informationen zu bestimmten Orten – denkst du an die Parkbank oder an das Café, fallen dir leichter wieder Dinge ein, die du dort getan oder gelernt hast.
  • Nimm für unterschiedliche Themen bzw. Fächer unterschiedliche Farben (Fineliner / Textmarker) und Papier (verschiedenfarbiges Kopierpapier eignet sich dafür super).
  • Probiere, verschiedene Sprachen oder Fächer in anderen Räumen zu lernen, z. B. Mathe-Formeln auf dem Dachboden, Gedichte im Wohnzimmer, Grammatik in der Küche. Ob Vokabeln sitzen, wird vielleicht im Park überprüft und die flammende Rede im Auto geübt.
  • Schreibe zusammenhängende Fragen und Fakten auf eine Seite, z. B. durch Mindmapping. Damit hast du einen Orientierungspunkt („Es stand auf einer gelben, linken Seite, hatte eine dreieckige Anordnung und es war ein Pferd drauf gemalt – ach, es ging um die drei Komponenten der Motorleistung …“).

2. Das Lernzimmer wird zur Bühne (Akustik)

Auch unsere Ohren sind wichtige Komplizen, wenn es darum geht, unbekannte Inhalte in unser Gedächtnis zu überführen. Lies zentrale Textpassagen laut, erkläre dir wesentliche Punkte. Das Hören der eigenen Stimme macht Inhalte eingängiger. Wir finden uns selbst und was wir sagen naturgemäß besonders interessant. Durch Modulation lässt sich der Effekt noch steigern: Beginne leise bei zurückliegenden Geschichtsdaten und werde lauter, je aktueller die Ereignisse werden.

Vokabeln profitieren von Stimmen und Stimmungen: „Le soleil“ brüstest du freudig-beschwingt heraus, „la pluie“ eher mit gesenktem Kopf und enttäuschter Stimme. Vergiss dabei nicht die inneren Bilder – sagst du „la pan“, denke an den Geruch von frischem Brot, bei „vinegar“ an das beißende Jucken in der Nase, wenn man zu tief in die Essig-Flasche schnuppert. Als Mediziner könntest du die lateinischen Bezeichnungen der Muskeln in einer ruhig-weichen Stimme vorlesen, Knochen klingen dafür dumpfer und hölzerner. Oder lass juristische Verbote oberlehrerhaft klingen, wie die Ermahnung des Vaters. Für die Gebote imitieren wir dafür die Stimme der Mutter.

Wie bei Bildern profitieren auch Töne von ihrer Interaktion. So wird dein Schreibtisch zur Kampfarena. Es treten an: Sokrates auf der linken Seite, Platon zur rechten. Sie debattieren eifrig über den Sinn des Lebens, jeder verteidigt seine Sicht voller Inbrunst. Oder es sind Kläger und Beklagter, die sich im Gerichtssaal des Studienzimmers eingefunden haben und sich erbittert mit Paragrafen duellieren. Hinzu kommt der Richter, der die Voraussetzungen dieser Paragrafen erörtert. Mutige Lerngruppen könnten solche Duelle inszenieren: Anton bereitet Theorie A vor, Berta Theorie B und beide versuchen dann, innerhalb von 30 Minuten den anderen von der Richtigkeit der eigenen Theorie zu überzeugen: Brauchen wir mehr Marktwirtschaft oder verbesserte soziale Sicherheit? Was sagen die Keynesianer, welche Argumente würden die Neoliberalen dagegen anführen?

Kannst du deine Lerngruppe nicht von diesem Spiel überzeugen, tragen Radiergummi und Anspitzer den Konflikt in der Schreibtischarena aus. Es ist die evolutorisch-wichtige Funktion des Spielens, dass wir die Regeln einer Gesellschaft und die Standpunkte der Erwachsenen lernen. Warum sollten wir nicht auch Argumente der politischen Bildung, juristische Regeln und Theorien auf diese Weise nachvollziehen?

Musisch Begabte können Fachbegriffe singen oder Vokabeln vor sich herrappen. Um als Sänger Karriere zu machen, muss man ja nicht begabt sein, wie Dieter Bohlen eindrucksvoll beweist. Probier es aus, schaden kann es nicht! Nur eine Bitte: Schließe die Tür, damit deine Mitmenschen nicht denken, du bist total gaga geworden. Oder setze bei Selbstgesprächen ein Telefon-Headset auf und tu so, als ob du jemandem etwas erklärst.

3. Flashdance: Gedankenblitze beim Treppenwischen

Welches ist unser größtes Sinnesorgan? Tipp: Es wiegt ca. 8 kg. Die Haut! Auf ihr sind unglaublich viele Sinneszellen verteilt, sie gibt uns wichtige Umweltinformationen. Was wäre eine zärtliche Berührung deines Partners ohne deinen Tastsinn? Und hast du mal beobachtet, wie viele Menschen in Museen die Exponate anfassen wollen?

Bewegung kann Schwung ins Lernen bringen. Für uns war es jahrtausendelang wichtiger, Büffel zu jagen, statt in der Höhle Vokabeln zu büffeln. Der Körper will Bewegung und nicht immer still im Kämmerlein herumhocken. Sitzen wir längere Zeit über den Büchern, atmen wir flacher, nehmen weniger Sauerstoff auf und unsere Konzentration leidet. Daher können viele im Gehen besser denken. Schon griechische Philosophen unterrichteten ihre Schüler beim Spazieren. Eine Studentin strickte pausenlos im Unterricht. Als ihr Mathelehrer das verbieten wollte, unterbreitete sie ihm einen Vorschlag: „Wenn ich bei der nächsten Klausur weniger als 12 Punkte bekomme, höre ich sofort auf mit dem Stricken. Wenn ich es schaffe, lassen Sie mich bitte in Ruhe!“ Und? Sie strickt heute noch!

Schlimm, dass Lehrer nicht wissen, dass viele Menschen mit Bewegung besser lernen und Schüler zum Stillsitzen zwingen, statt diese Energie für eine spielerisch-aktive Infoaufnahme zu nutzen. Ich wollte das nur erwähnt haben.

Andere wiederum knabbern an den Nägeln, so dass sich an deren Länge der Abstand bis zur nächsten Klausur messen lässt. Ein Indiz, dass deren Träger(innen) über den Tast- und Bewegungssinn besonders gut lernen. Kleiner Hinweis: Karotten, Kohlrabi, Studentenfutter sind nahrhafter und schmecken besser als Nagellack.

Dein Körper ist eine Lernmaschine. Nutze sie!

Nimm die Sache „selbst in die Hand“; nutze deinen Tast- und Bewegungssinn. Probiere Folgendes:

  • Wiederhole Fakten und Vokabeln beim Joggen, debattiere eine Fachfrage mit einem Freund beim Schlendern durch den Park. Auch Rollentexte lassen sich gut im Gehen einstudieren. Persönlich mag ich Musik-Cafés, Aussichtspunkte und Kreuzgänge zum Nachdenken. Hast du schon einen inspirierenden Lieblingsort zum Lernen?
  • Male und skizziere Zahlen, Fakten und Zusammenhänge.
  • Kaugummi kauen hilft mir, wenn ich zappelig bin oder mich leicht ablenke. Probiere alternativ einen Knetball in der Hand aus.
  • Nimm Figuren, Steine oder Stifte, die für dich gewisse Konzepte symbolisieren, in die Hand, wenn du Begriffe zu diesen Konzepten lernst. Damit werden sie mit dem haptischen Gefühl verknüpft.
  • Schneide Informationen aus und klebe sie neu zusammen.
  • Spiele in den Pausen dein Instrument. Das ist ein schönes akustisches Intermezzo, fördert die Konzentration und lässt dich gleichzeitig abschalten.
  • Wenn du Bewegung und Lernen nicht so recht vereinen kannst, probiere das Kontrast-Programm: Bewege dich in den Pausen, laufe die letzte Busstation nach Hause. Auf meinem Tagesprogramm ist ebenfalls ein kurzer Fitness-Stopp mit fünf Auflockerungsübungen fest verankert.
  • Fertige Karteikarten mit Lerninhalten und Übersichten an. Mit diesen Kärtchen kann man schöne Schaubilder puzzeln. Und schon sind wir bei der nächsten Methode …

Wiederholen leicht gemacht - Weniger ist mehrIch hoffe, dass dir meine Lerntipps für mehr Spaß und Abwechslung beim Wiederholen helfen werden.

Noch mehr hilfreiche Lerntipps und Tricks findest du in meinem Buch „Bestnote: Lernerfolg verdoppeln, Prüfungsangst halbieren“.

Ich wünsche Dir bei deiner Prüfung / Klausur / Referat viel Erfolg!

Dein Dr. Martin Krengel








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