
Lernen lernen – Lerntipps
Lernen lernen
Wie kann ich lernen lernen?
Wer sich viel merken und erfolgreich lernen will, muss wissen, wie sein Gehirn funktioniert. Gedächtnisikone Vera Birkenbihl würde sagen: „Werde vom Gehirn-Besitzer zum Gehirn-Benutzer“. Voilá – hier kommt eine kurze Bedienungsanleitung zum Lernen lernen: 4 verschiedene Wege, das Gehirn zu betrachten.
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Ist das Gehirn ein Computer?
Input – Verarbeitung – Output. Wie bei einem Computer (Eingabe, Rechnen, Drucken) wird hier eine prozesshafte Sichtweise auf das Gehirn vertreten. Beachte: der Output eines Prozessdurchlaufs ist wiederum Input für erneutes Denken. Es gilt daher das GiGo-Prinzip: „Garbage In = Garbage Out”. Sinngemäß: “Wenn man dem System nur Mist füttert, kann es auch nur Mist produzieren”. Wir sind also gut bedient, die Software unseres Großrechners upzudaten. Die Hardware hat ein riesiges Potential – kann es jedoch nur entfalten, wenn die richtige Software in Form von Denkmodellen & -methoden läuft. Um an seinen Denk- und Kreativitätsmethoden zu arbeiten, sind die Bücher von Edward de Bono sehr zu empfehlen.
Lernen lernen Tipps: Die Qualität des Denkens ist für das erfolgreiche Lernen entscheidend. Sie kann durch mehrere Prozess-Durchläufe verbessert werden. Also einen ersten Konzept-Entwurf machen, diesen kritisch prüfen, mit anderen diskutieren, überarbeiten. Das Resultat 1-2 Tage liegen lassen, dann weiterarbeiten.
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Das Gehirn als Autobahn oder Landstraße?
Unser Großhirn besteht aus vielen miteinander verwobenen Nervenzellen. Dies ist wie ein Straßennetz: Oft benutzte Schnellstraßen geben Orientierung im dichten Geflecht von Nebenstraßen. Dabei ist das Netz umso besser, je mehr Verbindungen und „Anschlussstellen“ es gibt. Neues Wissen wird an diesen Anschlussstellen eingewebt. Oder es bilden sich mit der Zeit durch Lernprozesse neurologische Verbindungen aus, die immer stabiler werden, je öfter diese Verbindungen aktiviert werden. Was zunächst fremd nicht überschaubar war, wird bald zur Routine.
Diese Sichtweise des Gehirns hebt den Ausbau und Benutzung der Nerven-Bahnen hervor. Aus Trampelpfaden (einen neuem Themengebiet) muss erst eine Autobahn werden. Ebenso ist die Vernetzung entscheidend: Je dichter, desto schneller die Verbindungen. Je mehr man lernt, desto einfacher wird es! Denke an die Mühen der ersten Fremdsprache: Wenn du nun eine zweite oder dritte lernen würdest, ginge es viel schneller, weil du die Prozesse und Stolperstellen kennst.
Lernen lernen Tipps: Wir können besser lernen, je öfter wir lernen und je öfter wir Vernetzungen schaffen. Das heißt aber nicht stures Wiederholen derselben Inhalte, sondern die Anreicherung mit neuen Assoziationen – Was wäre eine Straße ohne Abfahrten, Hinweisschilder & eine interessante Streckenführung?
„Was man sich selbst erfinden muss, lässt im Verstand eine Bahn zurück, die auch bei anderer Gelegenheit gebraucht werden kann“ (Lichtenberg)
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Ist das Gehirn Manager oder Künstler?
Um die Antwort vorweg zu nehmen: Besser – es ist beides! Ich spiele natürlich auf die Unterscheidung in eine linke und in eine rechte Gehirnhälfte an. Während die linke Gehirnhälfte sich um Logiken, Strukturen, analytische und mathematische Dinge kümmert, ist die rechte Hälfte mit kreativen und schöpferischen Dingen, mit Sprache & Ästhetik beschäftigt. Die linke Hälfte analysiert, strukturiert und rechnet, die rechte schafft, verändert, produziert Ideen. Vereinfacht: Links sitzt der Manager, rechts ein Künstler. Doch beide haben Schwachstellen: Denken wir an den autoritären Manager, der Entscheidungen nur faktenbasiert trifft und dabei kühl & unflexibel wirkt, und den super-kreativen Künstler, der arm stirbt, weil er keine Verkaufsstrategie für seine Gedanken hat. Es wäre besser, beide Charaktere würden gemeinsam reich werden: Reich an Ideen & Strukturen.
Je nach Veranlagung und Schulerziehung werden beide Gehirnhälften unterschiedlich trainiert. Nur verstehe ich nicht, warum sich Lern- und Kreativitätsbücher darauf eingeschworen haben, dass eher die linke Seite trainiert aber die rechte unterdrückt wird. Richtig ist, dass sich die meisten nicht trauen, ihre Kreativität zu entfalten, doch ich habe bei vielen ein noch viel gravierenderes „Struktur-Vakuum“ beobachtet. Es fällt vielen Lernenden schwer, ihre Gedanken zu organisieren und zu clustern. Ich glaube einfach, wir brauchen ein Mehr von beiden!
Lernen lernen Tipps: Eine wissenschaftliche Studie untersuchte, in welcher der drei Gruppen die besten Prüfungsergebnisse bei Studierenden erzielt wurden: Gruppe A lernte bis in die letzte Sekunde, Gruppe B durfte gar nichts mehr machen und “musste” sich entspannen, Gruppe C musste abwaschen. Rate mal, welche Gruppe die besten Prüfungsergebnisse erzielt hat? Gruppe C!!! Ja, die, die abwaschen musste. Warum? Sich bis in die letzte Minute vollzustopfen mit Informationen macht geistig unflexibel. Gar nichts zu tun macht träge. Abwaschen bzw. alle Dinge mit leichter Bewegung wie spazieren gehen, mäßiger Sport etc. regen den Körper an, befreien den Kopf und vernetzen die linke und rechte Gehirnhälfte besser! Lernen wird einfacher.
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Das Gehirn als Baum
Biologisch besteht das Gehirn aus verschiedenen Teilen, die man in Analogie zu einem Baum sehen kann: Die Wurzeln sind das Stammhirn, der älteste Teil, der für grundlegende biologische Funktionen (u.a. Atmung, Stoffwechsel, Verdauung) zuständig ist. Dann folgt der Baumstamm, das jüngere Zwischenhirn, auch „limbisches System“ genannt. Hier entstehen Emotionen, Sexualität, Aggressionen und Motivation. Die Krone bildet das Großhirn, das für Verstand, Logik, Informationsverarbeitung, Gedächtnis, Abstraktionsfähigkeit verantwortlich ist. Hier ist auch das Lernen beheimatet.
Lernen lernen Tipps: Diese Sichtweise auf das Gehirn betont die Rolle der Gefühle für das Gehirn, denn die grundlegenden, älteren und vorgeschalteten Teile des Zwischenhirn sagen „Nö, mach’ ich nicht, da hab’ ich Bammel“, und dann läuft auch im Großhirn nichts mehr. Deswegen ist emotionale Ausgeglichenheit, positive Einstellung zum Lernen und Neugier eine Grundvoraussetzung fürs Pauken! Durch diese Erkenntnisse betonen viele Autoren die Wichtigkeit der spielerisch-neugierigen, ja kindlichen Art der Entdeckungsfreude und Wertungsfreiheit.
Lernen lernen Radiointerview: Motivation fürs Lernen
Lernen lernen Radiointerview: Nicht zu lange am Stück lernen!
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Zusammenfassung: Lernen lernen? Wie? – Lerntechniken
- Denken braucht Zeit. Gutes Zeitmanagement ist für das Lernen unerlässlich. Lernen lernen heißt Zeit strukturieren und einteilen lernen. Plane genügend Puffer vor der Klausur/Prüfung ein, dann hast du Zeit für Überarbeitungen, Wiederholungen, neue Ideen.
- Assoziiere. Je reicher dein Netz an Gedanken und Verbindungen im Kopf ist, desto länger und sicherer kannst du Prüfungsstoff langfristig steigern! Lies mindestens 1 Stunde am Tag, sprich mit Freunden über den Lernstoff.
- Traue dir mehr Kreativität zu: zeichne Mindmaps, Strukturen, Skizzen. Je bunter, vielfältiger und abwechslungsreicher du Wissen verarbeitest, desto besser und leichter lernst du!
- Gehe positiv an den Stoff ran. Unmut und Unlust sind beim Lernen fehl am Platz. Es gibt immer einen reizvollen, interessanten Aspekt beim Lernen. Finde ihn! Dann wird lernen auch für dich leichter.
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Übungen
- Nimm deinen Terminplan und trage fett und mit Textmarker den Abgabetermin für die Hausarbeit 2 Wochen vor der tatsächlichen Abgabe und den Prüfungstermin 1 Woche vorher ein. Rechne die Zeit von diesem Datum zurück und schreibe die Resttage dick auf einen Zettel! Damit hast du besseren Überblick und Puffer vor den Prüfungen.
- Erstelle eine Mindmap über die letzte Vorlesung, die du gehört hast. Schreibe das Thema in die Mitte, markiere es farbig und male ein kleines Symbol hinzu. Nun geht es los: Was sind die Unterthemen, Fakten und interessante Details? Setze den gesamten Lernstoff miteinander in Beziehung. Nutze dafür mindestens drei Farben und drei Skizzen.
- Was ist deine schwierigste Vorlesung im Studium? Was musst du in diesem Semester langweiliges bearbeiten? Finde 5 Gründe, warum es sich dennoch lohnt, dieses Fach zu pauken. Was sind positive Aspekte (man hat es bald hinter sich), langfristige Konsequenzen (es ist ein wichtiger Baustein für den Abschluss) und Lernerfahrungen (und sei es auch nur Frustrationstoleranz, Hartnäckigkeit, die Fähigkeit, trotz schlechter Dozenten dennoch etwas zu lernen)? Schreibe diese Gründe auf – am besten vorn ins Vorlesungsskript!
Wir lernen lernen, indem wir das Gehirn besser verstehen. Lernen fällt leichter, wenn wir schrittweise vorgehen, reiche Vernetzungen schaffen und dabei linke und rechte Gehirnhälfte einbeziehen. Wesentlich einfacher wird lernen, wenn wir uns immer auf interessante, spannende, herausfordernde und positive Aspekte des Lernstoffs konzentrieren!
Lernen lernen Tipps: Was sind deine besten Tricks und Tipps für besseres Lernen? Wie kann man sich Prüfungsstoff leichter merken? Halte deinen Geheim-Tipp für besseres Lernen unten im Kommentar fest!
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06.08.2011
danke für diese prägnante kurze Zusammenfassung! Wichtig ist vor allem, gezielt und bewusst die rechte UND die linke Gehrinhälfte einzusetzen beim Lernen. Leider basiert ist bis heute das Hochschulstudium über weite Strecken nur links-hirnig konzipiert.
26.11.2012
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