Effektiv lernen mit den besten Lernstrategien aller Zeiten – Wie du rauskriegst, was in einer Prüfung drankommt.

Wenn du gerne effektiv lernen möchtest und du dich im Netz auf die Suche nach den besten Lernstratgien begeben hast, dann hast du bestimmt auch schon unseren Artikel über die besten Lernstrategien für Schule, Studium und Prüfungen gelesen. Falls nicht: In diesem Artikel erkläre ich, inwiefern deine Ziele, die jeweiligen Inhalte und die gefragten Kompetenzen ein Teil deiner Lernstrategien sein sollten. Doch damit hört es nicht auf! Wenn du effektiv lernen möchtest solltest du wissen, dass auch dein jeweiliger Prüfer, Lehrer, Dozent oder Professor ein entscheidender Faktor für deinen Lernerfolg darstellt. Warum das so ist und welche Rolle Zeit und Platz sowie die richtigen Medien und Materialien beim Thema „Effektiv Lernen“ spielen, erfährst du in diesem Artikel!


Effektiv lernen mit den besten Lernstrategien aller Zeiten

4. Psychogramm des Profs/Lehrers erstellen

Ein Detektiv beobachtet genau die Eigenheiten eines Menschen, um seine nächsten Schritte vorherzusagen. Da jeder Prüfer anders tickt, solltest auch du ein „Psychogramm“ deines Lehrers bzw. Profs erstellen: Welches Ziel verfolgt er? Worauf legt er besonders Wert? Hat er Lieblingsthemen? Pocht er auf eine spezielle Theorie oder (s)ein Buch oder ist er offen für andere Blickwinkel?

Gerade mündliche Prüfungen sind extrem personenabhängig: Musst du Dinge nur runterbeten, Verständnis zeigen, gute Beispiele bringen oder will der Prüfer einen kritischen Diskurs führen? Stellt er gerne fiese Fragen oder ist er handzahm?

Ein prägnantes Erlebnis hatte ich bei einem Prüfungsgespräch. Alles gut, so das Feedback. Aber keine Bestnote! Warum? Der Prof meinte, um wirklich gut zu sein, müsse man aus der Theorie ausbrechen können, unerwartete, neue Gedanken haben. Tatsächlich passte das ins Bild: Der Prof war ein Freigeist und berüchtigt für seine provokanten Ideen und unterhaltsame Vorlesungsart. Er war ein älteres Semester und gelangweilt, seit Jahren dasselbe zu hören. Nun war das Erfolgsrezept für seine Prüfungen klar: ihn überraschen, zum Denken bringen, entzücken. Für die nächste Prüfung bereitete ich mutige Thesen vor, die etwas abwegig erschienen, doch um die Ecke gedacht stichhaltig waren. Ein anderer Prof hätte mich wohl aus der Uni gejagt, aber er war begeistert! Mein Fazit: Gib dem Prof, was er will, und du bekommst die Note, die du möchtest.

„Der Professorin gefällt es, wenn man gute Beispiele geben kann, die weder in der Vorlesung noch im Lehrbuch vorkommen und der Prüfling möglichst viel redet. Nicht mein Steckenpferd, aber ich werde mich bemühen!“

Katrin

Was würdest du an seiner Stelle prüfen? Versetze dich in die Lage deines Prüfers, stelle dieselben Überlegungen an wie er: Welche Themen frage ich? Wie formuliere ich die Fragen? Wie bewerte ich die Antworten? Wie kann ich sehen, dass der Stoff wirklich beherrscht wird? Was sind gut prüfbare Details? Welche Zusammenhänge sollen verstanden werden?

Linktipp: Auf Meinprof.de kannst du sehen, wie andere Studenten deinen Dozenten einschätzen. Dieses Verzeichnis bietet Bewertungen für Fairness, Unterstützung, Material, Verständlichkeit, Spaß und das Note- / Aufwand-Verhältnis.

Unterschwellige Andeutungen. Es wirft ein schlechtes Bild auf den Dozenten, wenn alle Noten schlecht ausfallen. Ihr habt also ein ähnliches Interesse: Erfolg! Natürlich waren Dozenten selbst mal Prüflinge und besonders jüngere haben Mitleid. Sie dürfen dennoch die Aufgaben nicht verraten. Deswegen geben sie im Laufe des Jahres viele Hinweise, die leider meist überhört oder vergessen werden. Notiere unbedingt Bemerkungen wie diese: „Schaut euch das bitte noch mal genau an“, „Wir überspringen mal diesen Bereich, der ist nicht so wichtig“, „Das war ein kleiner Exkurs, kommen wir zurück zum …“, „Das sollten Sie sich noch einmal genauer ansehen“.

Sprechstunde. Du solltest mindestens einmal mit dem Dozenten reden, um ein paar Eingrenzungen und Schwerpunkte aus ihm herauszukitzeln. Am besten, du gehst mit einer Themenübersicht zu ihm: „Erinnern Sie sich an Vorlesung XY? Das war ja ein recht kompliziertes Thema. Ich habe Angst, mich da zu verzetteln. Wo würden Sie Schwerpunkte setzen? Was sollte ich besonders wiederholen?“ Frage gezielt nach Zweifelsfällen, klopfe Punkte ab, die weniger relevant erscheinen. Um dem Nachdruck zu verleihen, eignen sich geschlossene Fragen, die man eindeutig beantworten kann: „Ist Paragraf § 1234 prüfungsrelevant?“ oder: „Sollten wir uns XY noch einmal ansehen?“ Die meisten Dozenten werden ein paar Anspielungen machen – und aus den Reaktionen lässt sich einiges ableiten.

Kreuzverhör. Nehmt den Dozenten in der letzten Stunde in die Mangel: Du fragst: „Thema A ist sehr kompliziert. Was müssen wir davon verstehen?“. Dein Komplize ruft: „Ja, mir geht das genauso. Teilbereich XYZ von A ist unklar. Wie wahrscheinlich kommt das dran?“ Prüfer sagt: „Ach, das war doch nur ein Exkurs“ (Bingo! Zwei Tage Kopfzerbrechen gespart). Nummer Drei hakt nach: „Und wie sieht es mit Thema B aus? Was ist von den Theorien besonders wichtig?“ Der Prüfer antwortet diplomatisch: „Wenn ihr euch erinnert, haben wir XY detailliert besprochen. Ebenso hatten wir eine lange Diskussion über Z“. Lasst euch schwere Themen nochmals erklären. Versucht herauszuhören, welche Konzepte besonders wichtig erscheinen. Diese Methode funktioniert sehr gut, weil sie unverfänglich ist: Der Dozent wird in der Regel bereitwillig Detailfragen beantworten und Teilaspekte in den Zusammenhang einordnen.

Auch Lehrer unterscheiden sich: Der Diskutierer mag, wenn ihm Paroli geboten wird. Manche sind Laberlehrer, die ihre Formulierungen und Schlüsselbegriffe gern selbst hören („Nachhaltigkeit“, „ökologisch“, „Klimawende“, „Gerechtigkeit“, „Demokratie“) und mit denen man in der Pause gut fachsimpeln kann. Pedanten wollen genau ihre Begriffe wiedergegeben sehen. Hinzu kommen die Idealisten, die versuchen, eine bestimmte Prägung zu vermitteln. Bewahre geistige Distanz, nimm aber ein paar Gedanken mit auf, würdige diese. Gehe auf die verschiedenen Typen und Erwartungen ein. Wer so einmal einen „Stein im Brett“ hat, macht den Lehrer etwas nachgiebiger.

Effektiv lernen mit den besten Lernstrategien aller Zeiten

5. Wie viel Zeit /Platz habe ich?

Bei Hausarbeiten überwiegt anfangs die Angst vorm leeren Blatt und die Befürchtung, die geforderte Textmenge nicht zu schaffen. Dann sind die ersten Zeilen aufs Papier gebracht, man schreibt und schreibt. Erst fünf, dann zehn – plötzlich sind es 25 Seiten. Kurz vor knapp fällt einem wieder ein: Ups, der Text darf ja maximal 15 Seiten haben! Nun fällt das Kürzen schwer. Man hängt an seinen Worten, die man mühsam aufs Papier gebracht hat, selbst wenn diese nur vom roten Faden ablenken. Typisch: Erst brauchen wir unheimlich viel Zeit, um (zu viel) Text zu produzieren, dann genauso lange, um ihn einzudampfen. Abhilfe schaffst du, indem du die Arbeit in Teilprozesse aufteilst, z. B.:

  • These – Gegenthese – Synthese
  • Aspekt 1 (Vor- und Nachteile) – Aspekt 2 (Vor- und Nachteile)
  • Theorie – Praxis – Probleme bei der Anwendung

Ordne den einzelnen Gliederungspunkten eine feste Seitenzahl zu, z. B.: je vier Seiten pro Abschnitt. Damit hast du einen Orientierungspunkt und es zwingt dich, gleich die zentralen Konzepte auszuwählen. 3 mal 4 Seiten + je eine Seite für Einleitung, Schluss und Literaturverzeichnis klingen zudem weniger bedrohlich als „15 Seiten“ als Ganzes.

Dasselbe gilt für Klausuren. Teste, wie viel Text du in zwei Stunden produzieren kannst. Sagen wir, du schaffst zehn Seiten und es kommen vier Fragen dran. Dann hast du ca. zweieinhalb Seiten pro Frage, in denen du deine Argumentation unterbringen musst. Sollte das nicht gelingen, hilft nur eins: präzises Formulieren üben!

„Ich hätte bedenken müssen, dass ich für den Essay-Teil maximal 30 Minuten Zeit haben würde und deshalb nicht mehr als 1 bis 2 Seiten schreiben könnte. Allein diese „Planung“ hätte mich beruhigt.“

Jan

Effektiv lernen mit den besten Lernstrategien aller Zeiten

6. Wähle die passenden Medien und Materialien

Kommen wir zu einem weiteren Problemfeld, mit dem viele kämpfen: schlechte Materialien. Wir haben einen Text, ein Lehrbuch oder ein Skript bekommen, das mehr an chinesische Hieroglyphen erinnert als an Deutsch. Beim ersten Lesen verstehen wir nur Bahnhof. Es ist, als wäre eine Mauer zwischen dir und dem Text:

Effektiv lernen mit den passenden Medien

Vielleicht kommen nur zehn Prozent Inhalt bei dir an (A). Es ist klar, dass man da leicht verzweifelt. Viele trauen sich an diesem Punkt nicht, mit anderen Medien und Materialien zu arbeiten, schauen auf den Mehraufwand oder hinterfragen nicht die Autorität des Dozenten. Sie machen es sich damit unnötig schwer.

Der Ausweg aus dieser Sackgasse besteht in einem scheinbaren Umweg: Bestimme mit Hilfe des Inhaltsverzeichnisses oder durch Stichworte, welche Konzepte es in dem Text zu verstehen gilt (B). Dann weiche auf leichteres Material aus: Nimm einführende Literatur und wähle Quellen, die gut nachvollziehbar sind (C).

Hast du die zentralen Inhalte und Konzepte verstanden, nimm das ursprüngliche Material und gleiche es mit dem Gelernten ab (D). Viele Dinge wirst du nun verstehen: „Ach, das will er damit sagen“. Schau, dass du nichts Wichtiges übersehen hast. Ansonsten kannst du die Originalliteratur nun beiseitelassen, wenn es nicht um die exakte Wiedergabe des Buches geht. Wenn doch, so fällt dir diese zumindest nun viel leichter.

Effektiv lernen mit den passenden Materialien

In vielen Fächern werden komplexe Dinge gern in Formeln ausgedrückt. Klar kann man so Worte sparen, doch Studenten ohne Händchen für Mathe verwirrt das eher. Mich machten abstrakte Gleichungen auch total kirre. Ein Blick in Altklausuren und Gespräche mit Studenten aus höheren Semestern machten klar: Am Ende mussten wir die grundlegenden Mechanismen der Volkswirtschaft, nicht die Gleichungen verstanden haben. Doch unser Lehrbuch war überflutet mit abschreckenden Formeln und obskuren Herleitungen. Ich kaufte mir ein dünneres, idiotensicheres Buch, das komplett auf mathematische Erklärungen verzichtete. So konnte ich mich aufs Grundverständnis fokussieren. Die Formeln? Nach denen fragte bis heute niemand!

Umgang mit Literaturlisten. Lass dich von langen Literaturlisten inspirieren, nicht verwirren. Gern schreiben Dozenten alle Quellen auf, die sie selbst einmal gelesen haben. Das heißt nicht, dass du sie auch alle durchackern musst.

Im Psychologiestudium wollte unsere ehrgeizige Dozentin nur Originalliteratur mit uns lesen. Ich fragte nach zugänglicheren Quellen, aber sie reagierte pikiert: Es wäre „notwendig“, die Klassiker zu lesen.

Andere Bücher könne sie nicht empfehlen. Gut, dass ich nicht auf sie hörte! Was bringt es mir, mich durch 60 Seiten eines russischen Kinderpsychologen zu quälen, der einen Fachdiskurs mit seinen Kollegen führte, wenn ich nicht mal die Grundlagen kenne? Zwei Dinge haben mich gerettet: Google und ein Einführungsbuch für Erstsemester, das mir einen Überblick über alle Teilgebiete verschaffte. Meine Kommilitonen, die den Anspruch hatten, die Texte wirklich komplett zu lesen, trauten sich dagegen gar nicht erst mitzudiskutieren. Sie waren nach der Lektüre verwirrt.

Kritische Distanz ist überlebenswichtig. Deine Aufgabe ist es, die relevantesten Autoren zu identifizieren und deren Kernaussagen nachzuvollziehen. Suche Texte, die du wirklich verstehst. Genau das soll die Uni ja auch lehren: die Fähigkeit, sich Überblick zu verschaffen und Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden.

Linktipp: Auf sparknotes.com gibt es fantastische Gratis-Zusammenfassungen und Videos zur Weltliteratur – ideal für Geisteswissenschaftler und Schüler. Ein Blick auf getabstract.com ist für Sozial- und Wirtschaftswissenschaftler lohnenswert, allerdings kostenpflichtig.

Effektiv lernen mit den besten Lernstrategien aller Zeiten

Beispiel für die Analyse der Prüfungsstrategie

Eine Lehramtsstudentin paukte für Erdkunde und fühlt sich von der Anzahl der Folien erschlagen. Doch das Problem schien weniger die Stofffülle – da müssen alle durch. Ihr fehlte eine Strategie: Die Hälfte des Semesters war um und sie lernte Folie für Folie, ohne sich einen Überblick über die Themenblöcke verschafft – geschweige denn, die vorhandenen Probeklausuren gesichtet zu haben. Folgende Überlegungen bringen ihr ein besseres Gefühl für die Prüfung:

  • Es sind acht verschiedene Themen, weil es eine Einführungsveranstaltung ist. Die soll aber vor allem eins: in das Thema einführen. Das detaillierte Verständnis der Hintergründe ist ein Fall für die Vertiefungen.
  • Betrachtet man die umfangreichen Folien, sieht man, dass dort viele kurze Infos in sehr allgemeiner Form stehen: Definitionen, Fachwörter, Zahlen und Aufzählungen.
  • Sie soll später den Stoff Schülern, nicht Forschern vermitteln.

Damit ist klar, dass die Prüfung breit angelegt ist und aus dem Abfragen grundlegender Fakten besteht. Wenn sie die Grafiken und Skizzen nicht bis ins letzte Detail durchdrungen hat, wird sie das nicht den Kopf kosten. Sie muss das Wesentliche aus jedem Teilgebiet herausarbeiten, ohne sich lange aufzuhalten. Ganz zufällig kam in der Pause dann heraus, dass die Prüfungszeit nur 45 Minuten beträgt. Für acht Themengebiete? Voilà: ein Faktenspiel!

Wir definierten weitere Schritte, um die Vermutung zu bestätigen:

  1. Eine Themenübersicht in Form eines Progress-o-Meters erstellen. Mit der Kategorisierung und dem Überblick sinken die gefühlte Stoffmenge und der Panik-Faktor.
  2. Den Vorlesungsstoff mit den Tutorien abgleichen, damit nichts Wichtiges übersehen wird. Welche Gebiete wurden besonders intensiv bzw. doppelt behandelt? Achtung: heiß!
  3. Damit zum Prof gehen. Fragen, was besonders relevant ist.

Nachdem wir diesen Fall durchgesprochen hatten und sie einen Lernplan erarbeitet hatte, ging es ihr deutlich besser. Das unterstreicht nochmals: Das Erarbeiten der Themen-Struktur und eine Eingrenzung des Ziels sind die wichtigsten Waffen im Kampf gegen Prüfungsangst!


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Ich wünsche Dir bei deiner Prüfung / Klausur / Referat viel Erfolg!

Dein Dr. Martin Krengel








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