Unsere Welt beschleunigt sich immer weiter. Ein paar witzige Fakten dazu:
Untätiges Warten oder Herumstehen ist den Fahrgästen in der Hongkonger U-Bahn auf Schildern unter Strafandrohung untersagt. (Nennen wir es doch einfach Mediation)
In London fordern die Geschäftsleute in der City von ihrer Stadtverwaltung, zu langsame Passanten mit Bußgeldern zu bestrafen und separate Fußwege für Eilige anzulegen. (Nachdem ich in London gewohnt habe, bin ich sehr dafür: Es gibt nichts schlimmeres als planlose Touristen, die unvermittelt stehenbleiben. Arrgh!)
Im Jahr 2008 meldete die Schweizer Börse 3000 Finanztransaktionen pro Sekunde – 1996 waren es erst 45 pro Sekunde. (Irgendwo muss die Krise ja her kommen)
Bitten an Gott lassen sich per E-Mail blitzschnell an die israelische Post übersenden, deren Briefträger diese dann zwischen die Steinquader der Klagemauer stecken. (So was ähnliches gibt es auch für den Weihnachtsmann – kein Scherz!)
Man könnte das Verhältnis zwischen E-Mail Sucht und der Arbeit an den wirklich wichtigen Aufgaben auch mit schnellem Sex und wirklicher Liebe vergleichen. Das erste geht flink, ist in der Situation befriedigend aber hinterher fühlt man(n) sich schlecht. Nur die Liebe gibt auch langfristig Zufriedenheit.
1. Du findest das Profilfoto einer Freundin einer Freundin süß, als du während der Arbeitszeit Urlaubsfotos von vor 2 Jahren auf FlickR durchstöberst.
2. Du „pokst“ sie an und schickst ihr eine Freundschaftseinladung auf Facebook und – doppelt hält besser – auch auf StudiVZ.
3. Nun verabredet ihr Euch – indem du drei Alternativen auf Doodle vorschlägst.
4. Du schickst ihr Zwischendurch eine alberne elektronische Edgar-Grußkarte.
5. Während du dich im Kaffee mit ihr unterhältst, checkst du zwischendurch online deine eMails.
6. Während dein Schwarm kurz auf Toilette ist, postest du einen Status-Update auf Xing, dass alles im grünen Bereich ist.
7. Ihr verbredet Euch für morgen Abend – Die Frage ist aber nicht: „Bei mir oder bei dir?“. Ihr trefft euch auf Skype!
8. Du schickst ihr eine SMS. Sie denkt nur: „Der Typ ist so 2009“!
9. Nachdem du sie weder bei Foursquare, Facebook Locations noch bei Google Lokalisten nicht orten kannst und schon ganze 24 Stunden keine Mail von Ihr bekommen hast, wirst du nervös!
10. Plötzlich retweetet ein Freund eine Botschaft, in der steht dass es schon seit 2 Tagen aus ist. Als du anrufen willst, um zu fragen warum eigentlich hat sie längst deine Caller-ID blockiert. Keine Chance, mein Bester!
Vielleicht nutzt Ihr die Tage zwischen den Feiertagen um einen kleinen Jahresrückblick zu machen und ein paar wünschenswerte Ziele für 2011 zu definieren. Eine kleine Anleitung/ Erinnerung habe ich unten zusammengestellt. Hier ist eine kleine Anleitung, um deine Ziele 2011 zu erreichen.
Wir beginnen mit einer Reflektion. Wo stehst du?
Jahresrückblick 2010
Zeitbedarf: 30 – 60 Minuten Fragen:
Was waren die wichtigen Themen?
Was habe ich erreicht? / Was hat besonders Spaß gemacht?
Welche Persönlichkeitseigenschaften konnte ich weiter entwickeln?
Empfehlung:
Mache die Übung schriftlich. Das hilft dir beim Denken und ergibt über die Jahre hinweg gesammelt in einem kleinen extra-Büchlein eine schöne Chronik deiner persönlichen Entwicklung.
Nimm gern deinen Kalender zur Hilfe, damit du dich besser erinnern kannst.
Du kannst eine einfache Auflistung der (Themen / positiven Resultate / Entwicklungsfelder) machen (für Schreibmuffel).
Oder du lässt deine Gedanken in einem Fließtext laufen. Wie bei Johannes B. Kerner gibt es so deinen eigenen, ganz persönlichen Jahresrückblick. (Und der ist sicher spannender moderiert als von Kerner… )
Nun können wir den Voraussblick wagen…
Meine Ziele für 2011
Zeitbedarf: 30 – 60 Minuten
Wichtig ist, das deine Ziele so konkret und aufgegliedert sind, das du in kleinen Zwischenschritten diese auch unterjährig abhaken kannst. Folgende Empfehlung:
Schritt 1: Bestimme 5-7 Kategorien, in denen du dich weiterentwickeln möchtest, z.B.:
Studium
Praxiserfahrung
Persönlichkeitsentwicklung
Partnerschaft
Körper
Engagement/ Sport / etc.
Schritt 2: Nun definierst du zu jeder Kategorie mind. 5 (gern mehr) Unterpunkte, Zwischenschritte, Meilensteine, z.B. Studium:
Prüfung “xy” mit 1,7 bestehen
Prüfung “xz” mit mind. 2,3 bestehen
…
3 Alternativen für Master generieren bis 1.Aug
Bewerbung an 2 Unis bis 30.Sept.
Entscheiden, welchen Master ich wähle
Praxis:
10 Alternativen für Praktika einholen
6 konkrete Bewerbungen verschicken
Praktikum von 2 Monaten in Sommerferien durchführen
zusätzl. Bewerbung für Nebenjob (entweder Hiwi oder in einer Redaktion)
Schritt 3: Kontrolliere regelmäßig, ob du einzelne Zwischenziele bereits wegstreichen kannst. Du solltest dir die Liste mindestens 1x im Monat, besser am Ende jeder Woche wieder durchlesen. Das hat einen gigantischen Aufmerksamkeitseffekt. Probier es aus!
Der Nebeneffekt: Deine Ziele sind beobachtbar und kontrollierbar. Ich mache das nach dieser Methode bereits seit drei Jahren und ich habe meine Ziele in den letzten beiden Jahren zu 90% erreicht. 100% sind nicht immer realistisch, weil sich zwangsläufig auch Prioritäten verschieben. Also kein Stress. Viel Spaß und Erfolg wünsche ich Dir!
Martin
5 Fragen an…
Eckart v. Hirschhausen
Wir kennen Eckart v. Hirschhausen aus Fernsehshows, Liveauftritten, CDs und Büchern. Er wurde vielfach ausgezeichnet und gilt laut Cicero als einer der einflussreichsten Vordenker Deutschlands. Doch auch er war einmal Student. Ich habe ihn deshalb zu seiner Entwicklung, dem Medizinstudium und seinen Tipps befragt…
Sie haben ein „Glücksbuch“ geschrieben. Ich beobachte, das viele Studenten ihr halbe Leben aufgeben, nächtelang in der Bibliothek hocken und sich viel Spaß im Studium entsagen. Auch später wird das Leben hinten angestellt: Erst kommt die Karriere, dann die Kinder. Was meinen Sie dazu? Worauf kommt es an im Leben?
Dazu eine persönliche Geschichte: Meine Großeltern stammen aus dem Baltikum. Ihr Grundbesitz wurde enteignet, sie mussten im Krieg flüchten und hatten als Fremde in Deutschland zu kämpfen. Ihr Leben zeigte mir: Was dir bleibt, wenn alles weg ist, sind Bildung und Bindung. Was du im Kopf und was du im Herzen trägst, kann dir keiner wegnehmen. Das sind die einzigen dauerhaft sinnvollen „Investitionen“. Ich glaube das Studenten aus Spaß und Interesse an den Inhalten des Studiums studieren sollten. Dann klappt das auch mit den Noten. Und: Öfters feiern gehen – die Studienzeit bietet die beste Gelegenheiten dazu!
Wir reden ja viel über Bologna und die Bildungsreform. Sie sind ja von Hause aus Mediziner. Wenn Sie für einen Tag Annette Schavan wären, was würden Sie am Medizinstudium ändern?
Ich würde die Fragen nach der Erleuchtung in Multiple Choice anbieten! Im Ernst. Einiges hat sich bereits geändert, aber nach wie vor geht die Ausbildung an der Praxis vorbei. Ich habe inzwischen einen Lehrauftrag an der Uni Gießen, wo ich „Arzt-Deutsch/Deutsch-Arzt“ unterrichte. Auch heute noch können 90% der Diagnosen durch gutes Fragen und Zuhören und die eigenhändige Untersuchung gestellt werden. Durch mein Auslandsjahr in England habe ich gesehen, wie viel es bringt, einen Schwerpunkt auf die Schulung der eigenen Sinne und Denkprozesse zu legen. Und wie wichtig ein persönliches Verhältnis zwischen Student und Ausbilder ist. Jede Kunst wird gelernt durch Imitation, Rückmeldung, stufenweises Heranführen an komplexere Aufgaben. Nur die Heilkunst soll erlernt werden aus Büchern und durch ständig wechselnde Ansprechpartner.
Im Nachhinein finde ich es erschreckend zu wissen, mit wie wenig Qualitätskontrolle man nach dem Studium auf die leidende Menschheit losgelassen wird. Vielleicht macht es auch Sinn, die Ausbildung zu teilen in einen wissenschaftlichen und einen praktischen Zweig, denn in der Allgemeinpraxis braucht es wenig Biochemie, und in der Pharmakologie dafür weniger Psychologie. Bei allem Gemecker: Ich würde heute wieder Medizin studieren, ich habe es keine Sekunde bereut.
Im Moment können Sie sich vor Aufmerksamkeit und Lob kaum mehr retten. Aber auch Sie haben ja einmal klein angefangen. Was ist Ihr Erfolgstrick?
Ich könnte heute nicht halbwegs entspannt vor einer Kamera stehen, wenn ich nicht bereits seit 20 Jahren Auftrittserfahrung gesammelt hätte, vom Straßentheater über Zaubern auf Kindergeburtstagen (die Hölle) bis hin zu täglichen Varietémoderationen. Leser schreiben mir immer wieder, dass sie bewundern, wie treffsicher meine Pointen sind. Diese Wirkung ist nur dadurch möglich, dass ich den Produktionsprozess umgedreht habe. Ich improvisiere auf der Bühne, daraus entstehen feste Texte und daraus dann erst die Bücher. Andere Autoren schreiben erst das Buch, und merken auf der Lesereise dann, welche Texte funktionieren, und was man besser gestrichen hätte.
Sie haben Medizin studiert, waren Zauberer, Journalist und schreiben jetzt Bücher, stehen auf der Bühne und scheinen überall zu sein. Sollte man sich nicht auf eine Sache fokussieren?
Durch die Zauberei hatte ich parallel zum Studium meine zweite Ausbildung auf der Bühne. Mein künstlerischer Erfolg kam, als ich statt der Zauberkunststücke Geschichten aus der Medizin auf der Bühne anfing zu erzählen. So wurde aus Hobby und Beruf ein neues Bühnengenre, medizinisches Kabarett. Diese Mischung aus Seminar, Komik und Improvisationstheater gab es vorher nicht – und keiner hätte vorher- gesehen, dass es einmal so erfolgreich werden könnte. Sicher ist es mehr Arbeit, viele Dinge gleichzeitig zu tun, aber nur so kann man über seinen eigenen Tellerrand schauen und solche Querverbindungen schaffen.
Das klingt gut! Dennoch, 50% der Studenten arbeiten nach einer Studie mehr als 40 Stunden in der Woche – mehr als viele Berufstätige. Das stresst viele und macht krank! Wir kann man sich im Studium besser entspannen?
Mein Geheimtrick, der längst keiner mehr ist: Humor! Lachen ist die komplexeste Leistung unseres Gehirns und der direkteste Weg aus dem Stress in die Entspannung. Ein typisch deutsches Missverständnis kommt aus psychoanalytischer Tradition: Lachen ist Verdrängung, oberflächlich, dumm. Nicht zu lachen ist viel dümmer. Denn die Welt ist paradox, keiner blickt mehr durch, weder durch Finanzkrisen in der Welt, noch Beziehungskrisen zu Hause. Darüber kann man verrückt werden, verzweifeln oder lachen. Lachen ist das Gesündeste. Man sollte sich und sein Studium auch nicht zu ernst nehmen, und auch mal über seine eigenen Fehler lachen. Das macht die Sache zwar nicht besser, dafür aber umso entspannter.
… das ist wohl die Kernaussage von “Copy Man”, einem wirklich witzigen aber gleichsam bedenkenswerten Roman von Markus Henrik. Er berichtet über die Erfahrungen von verschiedenen Hochschulabsolventen, die systematisch von den Firmen ausgenutzt wurden. Ein unterhaltsamer Roman – gleichzeitig aber leider bittere Wirklichkeit! Wirklich lesenswert.
Ich komme gerade von einer Lesung mit dem Autor, organisiert vom Fairwork e.V. – einen Verein, der sich dafür einsetzt, das faire Gehälter gezahlt werden. Ihr könnt dort kostenlos Mitglied werden!
“Ein Optimist sieht eine Gelegentheit in jeder Schwierigkeit – ein Pessimist sieht eine Schwierigkeit in jeder Gelegenheit” formulierte es Churchill. Oder um es etwas salopper mit Eckard von Hirschhausen zu sagen: “Shit Happens. Die Frage ist nur, ob ich die Taube bin oder das Denkmal”.
Der Optimist atmet auf, wenn er das Licht am Ende des Tunnels sieht; der Pessimist erkennt darin den entgegenkommenden Zug.
Das Leben ist voll mit Hindernissen. Deswegen kann nur handeln, wer optimistisch daran glaubt, dass sein Ziel schon irgendwie erreichbar ist. Jeder andere wird zu schnell aufgeben. Oder mit den Worten des Philosophen Karl Jaspers: “Die Hoffnungslosigkeit ist schon die vorweggenommene Niederlage.”