Die Behauptung, Geisteswissenschaftler studieren für den späteren Gang ins Jobcenter, ist sehr frech. Selbstverständlich haben sie es auf dem heutigen Arbeitsmarkt schwerer als jemand, der beispielsweise Maschinenbau studiert hat. Dabei können Geisteswissenschaftler etwas, das BWLern, Volkswirten und den viel gerühmten Ingenieuren fehlt!

Erschreckend und scheinbar wahr: Es soll Bachelor-Absolventen der Geisteswissenschaften geben, die nach ihrem Abschluss eine Ausbildung beginnen, weil sie fürchten, mit ihrem Studium nicht genug auf die Arbeitswelt vorbereitet zu sein.

Wieso Wirtschaft und nicht in die Wissenschaft?

Absolventen der eingangs genannten eher „berufsbezogenen Studiengänge“ sollten sich eines unbedingt merken: Geisteswissenschaftler erlernen in ihrem Studium jede Menge Kompetenzen, die im Arbeitsleben nützlich sind. Sicherlich, Geisteswissenschaftler benötigen in ihren künftigen Jobs selten das Wissen, welches sie sich in ihrem Studium angeeignet haben. Dennoch sind sie breit aufgestellt und freier in ihrer Berufswahl. Für alles Andere gibt es Trainee-Programme und Praktika.

Geisteswissenschaftler haben es auf dem Arbeitsmarkt schwerer als andere Akademiker. Studien zufolge haben nur 55 Prozent der Absolventen eines Jahrgangs nach 12 Monaten einen Job gefunden. Auch sind die rein geisteswissenschaftlichen Jobangebote nicht sehr häufig vertreten. Die Arbeitsmöglichkeiten in der Wissenschaft sind ebenfalls begrenzt. Glücklicherweise gibt es beinahe schon klassische Berufsbilder, für die Absolventen eines geisteswissenschaftlichen Studiums bestens geeignet sind.

  • PR, Kommunikation, Unternehmensberatung
  • neue Medien, Online Redaktion
  • Verlagswesen (Zeitschriften, Bücher)
  • Fernsehen und Rundfunk
  • Zeitungen, Jounalismus, Redaktion
  • Marktfoschung, Werbung

Kompetenzen, die Geisteswissenschaftler mitbringen

Im Rahmen der Geisteswissenschaften lernen Studierende vor allem, sich selbst gut zu organisieren, wobei einige das besser hinbekommen als andere. Trotz Umstellung im Zuge des Bolognaprozesses müssen Geisteswissenschaftler nach wie vor die Planung ihres Studiums in die eigene Hand nehmen. Außerdem sind Geisteswissenschaften interdisziplinär, Studierende aller Fachrichtungen werden förmlich dazu angeregt, über den berüchtigten Tellerrand hinauszublicken und das Terrain auf der Tischdecke zu erkunden. Etwas, das BWLer und besonders Juristen sehr selten tun.

Zudem dürfen Geisteswissenschaftler im Rahmen des Studiums unglaublich viel Lesen, die damit erworbenen Informationen im Rahmen von Präsentationen und Hausarbeiten aufarbeiten und anderen zugänglich machen. Zusammengefasst bringen Absolventen der Geisteswissenschaften Folgendes mit: die Fähigkeit zur Informationsbeschaffung, Informationsaufbereitung und die Fähigkeit, interdisziplinär zu denken.

Wir leben in einem Zeitalter, in dem Wissen Macht ist, mehr als in allen Zeiten zuvor. Mit großen Wissensmengen müssen wir zudem umzugehen wissen. Weshalb sonst sollten große Technologiefirmen oder die Automobilindustrie Philosophen und Germanisten einstellen? Sie tun es. Wer sich solche Jobs nicht zutraut, der hat selbstverständlich die Möglichkeit, statt einer Berufsausbildung einen (konsekutiven oder nicht konsekutiven) Master hintendran zu hängen. Interessantes rund um die Möglichkeiten nach dem Bachelorabschluss gibt es in der Gutefragebroschüre „Bachelor. und dann?“ unter http://www.gutefrage.net/broschuere/bachelor-und-dann.


Kategorie: Berufswahl: Was soll ich studieren? | Artikel von | am 16.05.2014


1 Kommentar
Aryo
02.08.2014

Ein eindeutiges Jein, würde ich sagen ;o) Natürlich sollten wir unsere Muttersprachen als akademische Sprachen pflegen, das ist doch ein Teil unseres Kulturgutes. Das Schreiben ist ja in den Geisteswissenschaften wesentlicher Schritt im Erkenntnisprozess und schön zu schreiben hat doch bei uns auch einen hohen Stellenwert, oder? Aber Internationalisierung tut Not, man sollte sich schon darum bemühen, zumindest in Aufsätzen oder in Blog-Verföffentlichungen auch auf anderen Sprachen – nicht nur Englisch – zu publizieren. Dem naturwissenschaftlichen Diktat des Englisch-Schreibens würde ich jedenfalls nicht folgen – zumal in einem Großteil dieser Wissenschaften der Fließtext keinen soo großen Umfang hat (man möge mich korrigieren, wenn ich hier irre). Naturwissenschaftliche Dissertationen sind doch mit deswegen auch kürzer, da die Präsentation von Messergebnissen und ähnlichem gewissen Raum einnimmt, aber die Textanteile nicht mit geisteswissenschaftlichen vergleichbar sind.

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