Denk mit! Erfolg durch Perspektivenwechsel von Thilo Baum - Cover zur RezensionNeulich habe ich „Denk mit!“ von Thilo Baum als heißen Tipp von Martin gelesen. Darin geht’s um ein erschreckendes Phänomen unserer Zeit: das Nicht-Mitdenken von Kollegen, Freunden, Bekannten – ganz gleich welcher Gesellschaftsschicht oder welchen Berufs. Baums Vorschlag zur Problemlösung ist das Sehen mit 10 unterschiedlichen „Augen“– und natürlich erklärt er auch, wie das gehen soll. Was der Autor ansonsten schreibt und ob es sich lohnt, das Buch zu lesen, verrate ich dir in dieser Rezension.


Denk mit! Inhalt

Worum geht’s?

Es trifft „ganz normale“ Angestellte, Beamte, Brötchenverkäufer/innen, Schüler/innen, Reinigungskräfte, Studierende, Manager/innen oder Lehrer/innen: Überall gibt es Menschen, die nicht mitdenken. Der Typ, der einem in der S-Bahn beim Umdrehen mit dem Rucksack die Sonnenbrille von der Nase schlägt oder das Mädel, das einem mit dem Regenschirm auf dem Gehweg beinahe ein Auge aussticht. Diese Alltags-Zwischenfälle passieren oft scheinbar versehentlich. Doch ist das bereits der Kern des Problems.

Grundsätzlich ähnliche, oft verbale Ausrutscher kennst du vielleicht auch aus dem Büro. Bei dringenden Dingen schreibt dir dein Chef eine Mail – wohl ignorierend, dass diese nur eine von 27 weiteren ungelesenen ist. 3 Stunden später dann der erboste Anruf:

Chef: Warum zur Hölle ist das noch nicht erledigt?!

Du: Äh sorry, Mail gerade erst gelesen…

Chef: !“%#)>(/“#!)<

Ein deutlich weniger negativ aufgeladener und vermutlich kürzerer Anruf drei Stunden zuvor hätte allen mehr geholfen und nicht die Zusammenarbeit der nächsten Jahre belastet.

Ursachen des Nicht-Mitdenkens

Warum sind Menschen so?

Thilo Baum findet eine einfache Erklärung, warum viele Menschen so handeln: ihnen fehlt es an Empathie, sie sind schlicht nicht zum Perspektivenwechsel fähig. Mitunter prägt uns unsere soziale Umwelt bereits so, dass wir zu Egozentrikern werden. Dadurch werden die Bedürfnisse anderer Menschen nicht nur sekundär, sondern gar nicht wahrgenommen. Warum sollte man dann noch darauf achten, wer in der S-Bahn hinter einem steht?

„Ob wir mitdenken oder nicht, ist zum Teil daher auch ganz banal eine Frage der Denkmuster, Gewohnheiten und Konventionen.“ („Denk mit“, Seite 40)

Durch diese besagten Denkmuster stellt sich zum Beispiel die Betriebsblindheit von Callcenter-Mitarbeitern ein, die einem sagen, dass man doch mit diesem speziellen Anliegen bitte die folgende 23-stellige Nummer wählen soll, die in Rekordtempo aufgesagt wird. Anstatt den Kunden einfach weiterzuleiten.

Anleitung zum Mitdenken

Die Lösung

Zunächst einmal schlägt Thilo Baum vor, dass man es sich zur Angewohnheit machen sollte, Routinen und Konventionen zu hinterfragen. Wie das geht? Stell dir immer die Frage „Wozu?“, um den Zweck zu erfahren. Frage nicht „Warum?“, denn dann antworten Konformisten – das sind diejenigen, die Meinungen und Werte unhinterfragt übernehmen: „Weil wir das schon immer so gemacht haben“ oder „Das ist eben so, das macht doch Sinn“.

Tatsächlich lohnt sich Mitdenken auch aus ökonomischer Sicht, denn je besser man mitdenkt, desto höher wird die Usability / der Nutzwert eines Produkts oder einer Dienstleistung. Das heißt, wenn alle mitdenken würden, müsste sich auch niemand mehr über eine schlechte Behandlung ärgern. Klingt nach einer klassischen Win-Win-Situation! Und wie kommst du zu diesem Punkt?

Die zehn Augen zum Mitdenken

Wie wirst du zum Mitdenker?

Indem du lernst, mit zehn Augen zu sehen. Das ist natürlich sinnbildlich zu verstehen und meint, dass du akzeptieren musst, dass es auch andere Sichtweisen gibt. Du musst gar nicht mal alle beherrschen, die Würdigung der Existenz anderer Sichtweisen wäre aber schon ein meilenweiter Fortschritt für viele Leute. Im Folgenden nenne ich die zehn Augen – für mehr musst du dann das Buch kaufen – sonst gibt’s noch Copyright-Ärger 😉

  • Das intuitive Auge
  • Das pragmatische Auge
  • Das ökonomische Auge
  • Das juristische Auge
  • Das korrekt-präzise Auge
  • Das wissenschaftliche Auge
  • Das technische Auge
  • Das sozial kompetente Auge
  • Das sprachliche Auge
  • Das ästhetische Auge

Wie liest sich das Buch?

Fazit & Kritik zu „Denk mit!“

Insgesamt ist der Schreibstil im Buch locker flockig und die vielen, konkreten Beispiele aus dem Alltag machen das Problem nicht-mitdenkender Menschen enorm plastisch. Ich habe mich an mancher Stelle auch selbst ertappt. Zum Glück geben die zehn Augen, auf denen wir sehen sollten, eine hilfreiche Anleitung für den Weg aus der Misere.

Zwischendurch wagt der Autor einen Abstecher in die Philosophie und behauptet, dass Kants Kategorischer Imperativ nicht ganz zutrifft. Das greift etwas zu kurz und ich würde ihm an der Stelle vehement widersprechen. Immerhin ist es eine nette Abwechslung zur Aneinanderreihung von pathopsychologisch kommentierten Alltagssituationen – wenn auch etwas zu dünn. Den Zweck der Aufmerksamkeits-Erheischerei erfüllt der Vorstoß jedenfalls.

Im „Augen-Teil“, der immerhin noch mal fast gut 80 Seiten lang ist (von 260), wiederholt sich der Autor sehr viel und überstrapaziert das Füllwörter-Kontingent. Das ist schade, weil ich bis hierhin so motiviert und zügig gelesen habe. Aber es lässt sich verschmerzen, immerhin festigt sich dadurch das bisher Gelesene.

Meine Lieblingserkenntnis lautet: Alles richtig machen heißt noch lange nicht, das Richtige zu tun – denn man kann auch das Falsche richtig machen. Zum Beispiel Dienst nach Vorschrift, wenn eigentlich eine flexiblere Lösung gefragt ist. Dazu eine kurze Kai-Anekdote: In dem Dorf, in dem ich aufgewachsen bin, verlief die Grenze zur Stadt genau durch eine Straße, die Ringstraße. Auf der einen Seite war also mein Dorf, auf der anderen die Stadt, je mit eigener Verwaltung und so weiter. Eines Tages brannte ein Haus in der Ringstraße auf der Stadtseite. Unsere Feuerwehr war nach wenigen Minuten dort, immerhin musste sie nur knapp 500 Meter zurücklegen. Aber anstatt den Brand zu löschen, mussten die Feuerwehrmänner und -frauen auf die Stadtfeuerwehr warten. Als die etwa 20 Minuten später eintraf, war das Haus bereits ausgebrannt. Ein Mitdenker hätte hier die Vorschriften sausen lassen und einfach den Brand gelöscht – und damit viel Schaden vermieden.

Der Autor ist also durchaus in Teilen gesellschafts-/ und systemkritisch, wenn er zu derartigen „Regelverletzungen“ ermutigt oder wenn Hacker gelobt und blinder Konsum sowie das Bildungssystem kritisiert werden. Dadurch ruft er zwar nicht zur Anarchie auf, hinterfragt aber provokant die universelle Gültigkeit bestimmter Regeln – je nach Situation eben. Das macht das Büchlein zu einem sehr spannenden Gedankenanstoß!

Hiermit spreche ich meine Empfehlung aus: Lesen und Perspektiven verstehen 🙂

 

Thilo Baum (2012): Denk mit! Erfolg durch Perspektivenwechsel: Werden Sie erfolgreich, indem Sie erkennen, was Ihr Gegenüber wirklich will. Bei Amazon kaufen


Hattest du schon mal lustige oder nervige Erfahrungen mit Nicht-Mitdenkern? Teile sie mit uns in einem kurzen Kommentar. Danke!


Kategorie: Berufswahl: Was soll ich studieren? | Artikel von | am 05.08.2014


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