5 Fragen an…
Eckart v. Hirschhausen
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Wir kennen Eckart v. Hirschhausen aus Fernsehshows, Liveauftritten, CDs und Büchern. Er wurde vielfach ausgezeichnet und gilt laut Cicero als einer der einflussreichsten Vordenker Deutschlands. Doch auch er war einmal Student. Ich habe ihn deshalb zu seiner Entwicklung, dem Medizinstudium und seinen Tipps befragt… |
Sie haben ein „Glücksbuch“ geschrieben. Ich beobachte, das viele Studenten ihr halbe Leben aufgeben, nächtelang in der Bibliothek hocken und sich viel Spaß im Studium entsagen. Auch später wird das Leben hinten angestellt: Erst kommt die Karriere, dann die Kinder. Was meinen Sie dazu? Worauf kommt es an im Leben?
Dazu eine persönliche Geschichte: Meine Großeltern stammen aus dem Baltikum. Ihr Grundbesitz wurde enteignet, sie mussten im Krieg flüchten und hatten als Fremde in Deutschland zu kämpfen. Ihr Leben zeigte mir: Was dir bleibt, wenn alles weg ist, sind Bildung und Bindung. Was du im Kopf und was du im Herzen trägst, kann dir keiner wegnehmen. Das sind die einzigen dauerhaft sinnvollen „Investitionen“. Ich glaube das Studenten aus Spaß und Interesse an den Inhalten des Studiums studieren sollten. Dann klappt das auch mit den Noten. Und: Öfters feiern gehen – die Studienzeit bietet die beste Gelegenheiten dazu!
Wir reden ja viel über Bologna und die Bildungsreform. Sie sind ja von Hause aus Mediziner. Wenn Sie für einen Tag Annette Schavan wären, was würden Sie am Medizinstudium ändern?
Ich würde die Fragen nach der Erleuchtung in Multiple Choice anbieten! Im Ernst. Einiges hat sich bereits geändert, aber nach wie vor geht die Ausbildung an der Praxis vorbei. Ich habe inzwischen einen Lehrauftrag an der Uni Gießen, wo ich „Arzt-Deutsch/Deutsch-Arzt“ unterrichte. Auch heute noch können 90% der Diagnosen durch gutes Fragen und Zuhören und die eigenhändige Untersuchung gestellt werden. Durch mein Auslandsjahr in England habe ich gesehen, wie viel es bringt, einen Schwerpunkt auf die Schulung der eigenen Sinne und Denkprozesse zu legen. Und wie wichtig ein persönliches Verhältnis zwischen Student und Ausbilder ist. Jede Kunst wird gelernt durch Imitation, Rückmeldung, stufenweises Heranführen an komplexere Aufgaben. Nur die Heilkunst soll erlernt werden aus Büchern und durch ständig wechselnde Ansprechpartner.
Im Nachhinein finde ich es erschreckend zu wissen, mit wie wenig Qualitätskontrolle man nach dem Studium auf die leidende Menschheit losgelassen wird. Vielleicht macht es auch Sinn, die Ausbildung zu teilen in einen wissenschaftlichen und einen praktischen Zweig, denn in der Allgemeinpraxis braucht es wenig Biochemie, und in der Pharmakologie dafür weniger Psychologie. Bei allem Gemecker: Ich würde heute wieder Medizin studieren, ich habe es keine Sekunde bereut.
Im Moment können Sie sich vor Aufmerksamkeit und Lob kaum mehr retten. Aber auch Sie haben ja einmal klein angefangen. Was ist Ihr Erfolgstrick?
Ich könnte heute nicht halbwegs entspannt vor einer Kamera stehen, wenn ich nicht bereits seit 20 Jahren Auftrittserfahrung gesammelt hätte, vom Straßentheater über Zaubern auf Kindergeburtstagen (die Hölle) bis hin zu täglichen Varietémoderationen. Leser schreiben mir immer wieder, dass sie bewundern, wie treffsicher meine Pointen sind. Diese Wirkung ist nur dadurch möglich, dass ich den Produktionsprozess umgedreht habe. Ich improvisiere auf der Bühne, daraus entstehen feste Texte und daraus dann erst die Bücher. Andere Autoren schreiben erst das Buch, und merken auf der Lesereise dann, welche Texte funktionieren, und was man besser gestrichen hätte.
Sie haben Medizin studiert, waren Zauberer, Journalist und schreiben jetzt Bücher, stehen auf der Bühne und scheinen überall zu sein. Sollte man sich nicht auf eine Sache fokussieren?
Durch die Zauberei hatte ich parallel zum Studium meine zweite Ausbildung auf der Bühne. Mein künstlerischer Erfolg kam, als ich statt der Zauberkunststücke Geschichten aus der Medizin auf der Bühne anfing zu erzählen. So wurde aus Hobby und Beruf ein neues Bühnengenre, medizinisches Kabarett. Diese Mischung aus Seminar, Komik und Improvisationstheater gab es vorher nicht – und keiner hätte vorher- gesehen, dass es einmal so erfolgreich werden könnte. Sicher ist es mehr Arbeit, viele Dinge gleichzeitig zu tun, aber nur so kann man über seinen eigenen Tellerrand schauen und solche Querverbindungen schaffen.
Das klingt gut! Dennoch, 50% der Studenten arbeiten nach einer Studie mehr als 40 Stunden in der Woche – mehr als viele Berufstätige. Das stresst viele und macht krank! Wir kann man sich im Studium besser entspannen?
Mein Geheimtrick, der längst keiner mehr ist: Humor! Lachen ist die komplexeste Leistung unseres Gehirns und der direkteste Weg aus dem Stress in die Entspannung. Ein typisch deutsches Missverständnis kommt aus psychoanalytischer Tradition: Lachen ist Verdrängung, oberflächlich, dumm. Nicht zu lachen ist viel dümmer. Denn die Welt ist paradox, keiner blickt mehr durch, weder durch Finanzkrisen in der Welt, noch Beziehungskrisen zu Hause. Darüber kann man verrückt werden, verzweifeln oder lachen. Lachen ist das Gesündeste. Man sollte sich und sein Studium auch nicht zu ernst nehmen, und auch mal über seine eigenen Fehler lachen. Das macht die Sache zwar nicht besser, dafür aber umso entspannter.




